Josh Bazell: „Schneller als der Tod“

Dieser im Fischerverlag erschienene Roman ist das Werk eines ausgebildeten Arztes, der auch noch Literatur studiert hat. Mit diesem Roman hat er die Bühne der Schriftsteller betreten und auch die Fortsetzung mit dem Titel „Einmal durch die Hölle und zurück“ wird sich großer Beliebtheit erfreuen.

Der Roman beginnt mit folgenden Worten:
„Ich bin also auf dem Weg zur Arbeit und bleibe stehen, um einer Taube zuzuschauen, die im Schnee mit einer Ratte kämpft, und irgend so ein Dödel will mich ausrauben! Mit Knarre natürlich. Er kommt von hinten und drückt sie mir in die Schädelbasis. Sie ist kalt und fühlt sich sogar gut an, nach Akupressur. „Ganz ruhig, Doc“, sagt er. Womit das wenigstens geklärt ist. Nicht mal früh um fünf bin ich der Typ, den man überfällt.“ (S. 7)

Es macht den Reiz dieses Krimis aus, dass man als Leser durch die „Ich-Erzählweise“ direkt in Kontakt mit dem handelnden Protagonisten tritt und ihn sozusagen verstehen lernt.
Die positiven Kritiken über dieses Erstlingswerk beschreiben auch sehr gut, was von diesem Krimi zu erwarten ist.

 

 

„Josh Bazell hat einen der komischsten und überraschendsten Krimis seit langem geschrieben. (…) Selten sind derart gruselige, gemeine und dabei hoch spannende Handlungsabläufe mit einer derart unterkühlten Komik erzählt worden, selten hat ein Autor derart gekonnt mit Entsetzen Scherz getrieben.“ 

– so auch das Urteil der Literaturkritikerin Frauke Meyer-Gosau.

Besonders faszinierend am Hauptcharakter Dr. Peter Brown ist seine zwigespaltene Geschichte und sein Wesen. Er arbeitet als Assistenzarzt in einem Krankenhaus in Manhattan. Beim Lesen wird einem schnell bewusst, dass man als Patient lieber nicht dort aufgehoben sein möchte.
Im Laufe des Buches kommt man Peters Alter-Ego auf die Schliche – früher war er unter dem Namen „Bärentatze“ bekannt und war seines Zeichens ein Mafiakiller. Durch die Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm ist er zu seinem jetzigen „Leben“ gelangt, aber es steht schnell fest, dass er dieses nicht vollständig loslassen kann bzw. es ihn nicht loslässt.

Interessant an der Romangestaltung sind auch die Bemerkungen am Seitenende (natürlich nicht auf jeder Seite) zu anatomischen Besonderheiten und sonstigen Auffälligkeiten des menschlichen Körpers.

Natürlich gibt es auch in diesem Krimi, wie sollte es auch anders sein, eine kleine Liebesgeschichte. Nur müssen sich hier die Liebenden auch wieder Peters ehemaligen „Freunden“ erwehren, die sie am liebsten an Haie verfüttern würden. Kaum sind sie allerdings dieser Gefahr entkommen, endet diese kurze Liebesaffäre auch schon wieder…

…nur um den Protagonisten erneut in Gefahr zu bringen. Wenn man an dieser Stelle des Buches angelangt ist, überrascht einen nicht mehr viel. Was nicht heißen soll, dass der Roman langweilig geschrieben ist – ganz im Gegenteil. An dieser Buchstelle ist man direkt darauf gefasst, Dinge zu lesen, die einem schon beim Lesen weh tun – nämlich dann, wenn Peter in Ermangelung einer anderen Verteidigungswaffe (und eingesperrt in einem Kühlraum) zu den Ressourcen des menschlichen Körpers greift – seines Körpers:

„Dann hab ich’s. Ich rutsche vor und lege den Unterschenkel möglichst vorsichtig auf die Regalkante, so nah wie möglich am Knöchel. Ich verlagere meinen Griff mehr zum Knie hin. Dann reiße ich den Knochen nach unten, breche ihn ein Stück über dem Fußgelenk ab und drehe ihn oben aus dem Gewirr der Bänder, die das Knie zusammenhalten.
Schmerzen.
Schmerzen.
Wenn Sie am ganzen Körper vor Schweiß glänzen, obwohl Sie sich in einem Gefrierraum aufhalten, wissen Sie, dass Sie zu weit gegangen sind.
Und auch, wenn Sie ein Messer in der Hand halten, dass Sie gerade aus Ihrem eigenen Wadenbein gemacht haben.“ (S. 295)

Als Fazit kann man festhalten: Auch wenn man wie ich eigentlich kein typischer Krimifan ist, lässt einen die Geschichte des Ex-Mafiakillers in seiner Assistenzarztwelt nicht los und man möchte am Ende auch noch die nächste Geschichte erfahren….
In dieser Hinsicht warte ich auf das Erscheinen des Taschenbuchs…

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Eine Antwort zu Josh Bazell: „Schneller als der Tod“

  1. Yvonne (@Ivyesque) schreibt:

    Dafür, dass ich eigentlich kaum Krimis lese, fand ich diesen hier wirklich klasse (meine Rezension hier: http://www.leselink.de/buecher/thriller-buecher/schneller-als-der-tod.html). Rasant geschrieben, immer wieder überraschend und spannend bis zur letzten Sekunde. Das Zitat mit dem Wadenbein ist natürlich etwas eklig, aber zeigt auch, wie Josh Bazell immer wieder mal Tabus bricht.

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