Victoria Holt: „Im Schatten der Krone“

Nun gehöre ich ja zu den Menschen, die neben Biografien historischer Persönlichkeiten auch gern mal historische Romane zu schätzen wissen, auch wenn die Handlungen in selbigen meist nicht 100% wahrheitsgetreu wie geschildert stattgefunden haben.

 

Eine Autorin, die ich in dieser Hinsicht empfehlen kann, ist Victoria Holt. Die als Eleanor Alice Burford geborene Autorin schrieb bereits zu frühen Zeiten Kurzgeschichten, auch wenn ihre Suche nach einem passenden Verleger nicht sehr positiv verlief.

 

Wer sich noch genauer über das Leben der Autorin informieren möchte, kann dies auf dieser sehr interessanten Seite hier tun.

In ihrem Roman „Im Schatten der Krone“ (erschienen 1990 im W. Heyne Verlag) widmet sich die Autorin unter ihrem Pseudonym Jean Plaidy der Lebensgeschichte von Anne Boleyn. Die zweite Ehefrau von Heinrich VIII wurde dadurch bekannt, dass sie als erste seiner vielen Ehefrauen durch sein Urteil das Leben verlor (im Jahre 1536). Noch heute erinnert im Tower auf dem Platz vor der dortigen Kapelle ein künstlerisches Mahnmal an diejenigen, die in jenen Jahren ihr Leben lassen mussten.

Wer sich noch genauer mit Anne Boleyn auseinandersetzen möchte, kann dies hier tun (deutsch) oder hier und hier in englischer Sprache.

 

Nun zum Buch:

Victoria Holt schreibt auch diesen Roman in der bewährten „Ich-Perspektive“ und schafft es so immer wieder, dass einem der handelnde Charakter sehr angenehm und sympathisch erscheint. Den Rahmen der Schilderungen bildet Anne’s Gefangenschaft im Tower von London bis kurz vor ihrem Tod durch einen französischen Scharfrichter.

Man wird als Leser durch die direkte Wortwahl und natürlich auch die perspektivische Schilderung sofort in das Geschehen hineingezogen und erlebt eine Anne Boleyn, die in den letzten Stunden ihres Lebens ihre Vergangenheit Revue passieren lässt und sich an vergangene Tage erinnert.

Hierbei erscheint die auf den Tod Wartende auch dadurch sympathisch, dass sie sich im Nachhinein ihrer Fehler und Fehleinschätzungen sehr bewusst ist und sich auch im Klaren darüber ist, an manchen Biegungen im Leben die falsche Richtung eingeschlagen zu haben.

Victoria Holt lässt eine Anne Boleyn vor dem geistigen Auge aufleben, die fröhlich und unbeschwert ist, sich jedoch von ihrer Schwester Mary, die aus dieser Sicht einige Affären gehabt haben soll, im familiären Stolz verletzt gefühlt hat. Auch daher rührte wohl der im Roman geschilderte Wunsch, keine Affären zu haben und eheliche Kinder in die Welt zu setzen. Mit diesem Verhalten und ihrem Bestehen auf ihrer Würde als Frau köderte sie auch den englischen König, der natürlich auch von ihrer Schönheit angezogen wurde. Mehrere Jahre warb er um sie und dennoch waren sie nur wenige Jahre verheiratet – und Anne’s Stern begann schneller als gedacht zu sinken.

 

Wie Anne Boleyn nun wirklich war – berechnend und kalt – oder nur eine Frau, die sich in ihrer Situation retten wollte und durch familiäre Planungen zum Handeln gedrängt wurde – das wird wohl nie jemand mit 100%iger Sicherheit wissen können. Zwar lassen sich aus erhaltenen Liebesbriefen einige Rückschlüsse ziehen, jedoch kann man auch aus Briefen nicht imer auf den jeweiligen vollständigen Charakter schließen.

Mit Sicherheit kann jedoch festgehalten werden, dass Anne Boleyn es geschafft hat, einen mächtigen Mann an sich zu binden und zu faszinieren – jedoch war das Schicksal (und wahrscheinlich auch die diversen Krankheiten Heinrichs, u.a. wohl auch Syphillis) gegen sie und ihr war es nicht vergönnt, ihren Status als englische Königin mit der Geburt eines männlichen Thronfolgers zu festigen.

Die Geschichte hat sie aber dennoch nicht vergessen und auch ihre Tochter Elizabeth ging in die Geschichtsbücher ein – ebenfalls als regierende Herrscherin über das englische Volk.

 

FAZIT:

Wer Romane in historischen Verpackungen mag und mit historischen Charakteren mitfühlen möchte, sollte sich definitiv die historischen Romane Victoria Holts annehmen.

Eine Empfehlung kann ich sowohl für dieses Buch aussprechen als auch für ihren Roman „Königsthron und Guillotine“, in dem sie eine sympathische Marie Antoinette aufleben lässt.

 

Wer übrigens eine gute filmische Darstellung der Anne Boleyn sehen möchte, der sei auf die Serie „The Tudors“ mit Jonathan Rhys Meyers als König Henry und Natalie Dormer als Anne Boleyn verwiesen. Sehr sehenswert!

 

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