Ben Aaronovitch: „Die Flüsse von London“

Kathrin von Phantasienreisen meinte neulich: „An diesem Buch kommt man zur Zeit auch nicht vorbei.“ – und rückblickend kann ich ihr zustimmen.

Obwohl ich doch mehrere Male an diesem Buch in unterschiedlichen Buchläden vorbeigegangen bin, so fand es letztlich doch seinen Weg in ein neues Zuhause in meinem Bücherregal…

 

Nicht nur das Cover des Buches ist interessant gestaltet, auch die in ihm erzählte Geschichte überzeugt – und das nicht nur wegen des guten Schreibstils des Autors, der übrigens in London lebt und hauptberuflich als Buchhändler tätig ist. Ausserdem schreibt er Fernsehdrehbücher („Dr. Who“) und Romane.

Auf der Rückseite des Buches fällt einem als erstes folgende Frage ins Auge:

„Können Sie beweisen, dass Sie tot sind?“

Der Buchkäufer, der auf den ersten Blick urteilt, ohne näher hinzuschauen, wird dieses Buch vielleicht gleich wieder weglegen – es sei denn, diese Frage entspricht seinem Interessensgebiet.

Trotzdem sollten auch diejenigen, denen magische Romane und Bücher à la „Harry Potter“ nicht liegen, einen zweiten Blick riskieren und sich in den Roman hineinziehen lassen….

 

Es beginnt alles eigentlich ganz harmlos: ein Straßenkünstler stolpert über eine Leiche und die Polizei wird alarmiert. Soweit alles ganz normal.

Dass der Erzählcharakter des Buches, Police Constable Peter Grant, nicht gerade begeistert ist, in kaltem, windigem Wetter in Londons Straßen herumzulaufen, ist auch verständlich.

Das weniger Natürliche beginnt schon wenige Zeilen später, als Nicholas Wallpenny ein Gespräch mit dem Polizeibeamten beginnt. Grund: Mr. Wallpenny ist ein Geist. Und ein Zeuge für den Mord, der Peter Grant in diese Gegend geführt hat.

 „„Können Sie beweisen, dass Sie tot sind?“

„Wenn Euch daran liegt“, sagte er gleichmütig und trat aus dem Schatten der Säule.

Er war transparent, ungefähr so wie ein Hologramm in einem Film. Dreidimensional, wirklich und wahrhaftig vorhanden, aber eben doch durchsichtig, verdammt noch mal. Ich konnte tatsächlich durch ihn hindurch das weiße Zelt sehen, das von der Spurensicherung als Schutz über dem Fundort der Leiche aufgestellt worden war.

Okay, sagte ich mir, auch wenn du gerade mal kurz durchgeknallt bist, heißt das noch lange nicht, dass du deine Ausbildung als Polizist vergessen darfst.“ (S. 12)

Dass dies nicht der einzige Mord ist, der innerhalb des Geschehens des Buches passiert, ist nicht verwunderlich… und auch alle Morde haben magischen Hintergrund bzw. Einfluss.

Nebenher macht sich Peter Gedanken um seine Dienstversetzung, findet einen neuen Chef (obwohl in diesem Fall der Begriff „Meister“ wohl angebrachter ist), setzt sich mit seiner Kollegin Lesley auseinander (die auch das ein oder andere Geheimnis zu haben scheint) und lernt lateinische Begriffe.

Außerdem übt er sich im Auffinden von Vestigia und lernt unter anderem Werlichter zu erzeugen.

„“Er legte einen Apfel vor mich auf den Tisch, und dieses Mal brauchte er mir den nächsten Schritt nicht zu erklären. Er ließ seinen Apfel hochschweben, ich hörte mir die Forma an, konzentrierte mich auf meinen eigenen Apfel und sagte: „Impello“.

Eigentlich war ich nicht sonderlich überrascht, dass nichts passierte.

„Es wird leichter“, sagte Nightingale, „aber es wird eben nur sehr langsam leichter“.

Ich betrachtete den Apfelkorb. „Warum brauchen wir so viele Äpfel?“

„Sie explodieren gern auch mal.“ (S. 214)

Aber nicht nur die Hauptfigur des Romans macht diesen so interessant, sondern auch die zahlreichen Nebencharaktere, die ihn bereichern und für interessante Dialoge sorgen.

So muss sich Peter unter anderem auch darum kümmern, die Flüsse Londons zu versöhnen. Der Flussgott und die Flussgöttin haben mit Revierstreitigkeiten zu kämpfen und Peter versucht, zu vermitteln, u.a. mit Hilfe der Flusskinder.

Außerdem muss er ja noch immer die begangenen Morde aufklären, die alle eine ziemlich grausame und wütende Aura haben…

 

FAZIT:

„Die Flüsse von London“ lassen sich sehr gut lesen und sind durch Aaronovitch’s Schreibstil ein kurzweiliger Zeitvertreib.

Man wird ziemlich rasch in die Geschichte hineingezogen und kann sich ihr (dank der vielschichtigen Charaktere) auch nicht entziehen.

Positiv ist anzumerken, dass zu keinem Zeitpunkt des Lesens ein Gefühl von Langeweile auftritt, und man sich als Leser auch vollkommen in die Geschichte integriert fühlt – so als sei Peter Grant der Nachbar von nebenan…

Und wer schon einmal durch Londoner Gegenden gewandelt ist, wird in diesem Buch viele nette Beschreibungen finden und sich vielleicht erinnern, dort schon einmal gewesen zu sein.

Auch positiv: Mit „Schwarzer Mond über Soho“ (erscheint Anfang Juli, also JETZT) liefert Ben Aaronovitch einen Nachfolger mit den liebgewonnenen Charakteren🙂

Da weiss man doch gleich, wonach man Ausschau halten kann…

 

NEWS:

Auch der Nachfolgeroman „Schwarzer Mond über Soho“ befindet sich nun in einem neuen Zuhause und wartet begierig darauf, gelesen zu werden. Die ersten Zeilen wurden bereits verschlungen und als ein guter Romanstart befunden.

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