Harper Lee: „Wer die Nachtigall stört…“

So, endlich habe ich wieder ein Buch beendet – und diesmal ein wirklich großartiges 🙂

 

Dieses großartige Buch wurde im Jahre 1960 herausgegeben und seine Autorin erhielt für dieses wunderbare Werk den Pulitzer Preis im folgenden Jahr.

Kaum ein Buch das ich kenne verbindet so viele inhaltliche Schwerpunkte wie dieses: Kindheit, Heranwachsen, den Umgang mit rassistischen Anfeindungen und den leisen Aufruf, allen Menschen höflich und freundlich entgegenzutreten – egal, wie deren sozialer und kultureller Hintergrund ist.

Die Geschwister Jean-Luise und Jem Fink (im engl. Original heißen sie Finch mit Familiennamen) wachsen in den Südstaaten der USA auf – in den 1930er Jahren.
Ihr Vater, Atticus Fink, ist Rechtsanwalt, alleinerziehend und versucht, seine Kinder mit den richtigen Werten aufzuziehen.

 

Ein Großteil des Buches dreht sich um die beiden Geschwister, ihre Erlebnisse in den Ferien mit ihrem Freund Dill, ihren Gedanken gegenüber ihrem Nachbar, der selten das Haus verlässt und eine unheimliche Art Anziehung und Interesse in ihnen weckt.

 

Später erhält Atticus Fink den Auftrag, einen Schwarzen zu verteidigen (wegen angeblicher Vergewaltigung) – im damaligen Süden der USA keine leichte Aufgabe. Da Atticus ein sehr guter Anwalt ist und zudem noch die moralisch richtigen Werte vertritt, dass alle Menschen gleich sind und die gleichen Rechte haben, wurde er ausgewählt, diesen Auftrag zu übernehmen.

Im Laufe der Schilderungen lernt man den Angeklagten, Tom Robinson, näher kennen und erfährt auch, dass dieser ein freundlicher Familienvater ist, welcher anderen Menschen gern hilft. Das diese Hilfsbereitschaft ihm zum Verhängnis werden sollte, hat er sicher nicht geahnt…

Während der Schilderungen bis zu jenem Zeitpunkt, an dem Tom Robinson vor Gericht steht, lernt man auch die anderen wichtigen Bewohner der Stadt kennen – und ihre jeweiligen Ansichten und Lebensweisen.

 

Während Rechtsanwalt Fink sich auf den kommenden Prozess vorbereitet – und den Verhafteten vor nächtlichen Anfeindungen schützt (auch mithilfe seiner Kinder), nehmen auch die Geschwister die unterschwellig aufgeladene Stimmung wahr. Allerdings haben sie von ihrem Vater gute Moralvorstellungen mitbekommen, so dass sie sich nicht auf Anfeindungen einlassen und sich selbst ein Urteil bilden – auch während Gesprächen mit ihrem Vater.

 

Obwohl Atticus Fink als grandioser Anwalt leicht vor Gericht erklären kann – und durch seine Zeugenbefragungen tief untermauert, dass Tom Robinson nichts unrechtes getan hat, wird dieser für schuldig befunden und inhaftiert.

 

Nachdem sich ein Zeuge (Bob Ewell, Vater der angeblich Vergewaltigten; niederes Milieu, niedere Bildung, rachsüchtig) durch Atticus‘ Worte ins Lächerliche gezogen sieht, ist er auf Rache aus und verfolgt dessen Kinder.

Jem und Jean Luise werden jedoch von ihrem menschenscheuen Nachbarn Boo Radley gerettet, der zu ihrer Rettung den Angreifer ersticht.

Allerdings wird später vom Sheriff zu Protokoll gegeben, dass Bob Ewell wohl durch einen Sturz in sein eigenes Messer zu Tode gekommen ist.

 

„Ein schwarzer Bursche hat wegen nichts und wieder nichts sterben müssen,

und der Mann, der daran schuld ist, ist tot.

Lassen Sie diesmal die Toten die Toten begraben, Mr. Fink.

Lassen sie die Toten die Toten begraben.“ (S. 399)

 

In diesem Zug kommt auch der Titel des Buches zur Sprache:

„Atticus saß unbeweglich und starrte auf den Fußboden. Endlich hob er den Kopf. ‚Scout‘, sagte er leise, ‚Mr. Ewell ist in sein Messer gefallen. Kannst du das vielleicht verstehen?‘ Atticus sah aus, als bedürfe er der Aufmunterung. Ich lief zu ihm, nahm ihn fest in die Arme und küsste ihn.

‚Ja, ich verstehe es‘, beteuerte ich. ‚Mr. Tate hat recht.‘

Atticus schob mich ein wenig zurück, damit er mir in die Augen blicken konnte. ‚Wie meinst du das?‘

‚Nun, es wäre doch ungefähr so, als würde man eine Nachtigall stören, nicht wahr?‘

Atticus zog mich an sich und rieb sein Gesicht an meinem Haar. Als er aufstand und über die Veranda ging, war sein Schritt wieder jugendlich. Bevor er das Haus betrat, blieb er vor Boo Radley stehen. ‚Ich danke Ihnen für meine Kinder, Arthur‘, sagte er.“ (S. 400)

 

Früher im Roman bat Atticus Fink seine Kinder, keine Vögel (hier insbesondere die Nachtigall, im engl. Mockingbird, Spottdrossel) zu jagen. Als Grund führte er an, sie würden nur schön singen und keinem etwas zu Leide tun.

 

Dass seine Tochter diese Bitte nicht vergessen und verinnerlicht hat, spricht Bände über das Wesen von Atticus und seiner Weltsicht. Seine Kinder werden die Worte ihres Vaters immer in Erinnerung behalten und sich anderen gegenüber auch mit mehr Weitsicht verhalten, als so manch andere, die mit ihnen aufgewachsen sind – in einer Zeit, in der andersfarbige und andersgläubige Mitmenschen schlecht behandelt wurden.

 

Hier findet ihr auch einen interessanten Artikel zum Buch, dass – wie sollte es auch anders sein – ebenfalls verfilmt worden ist.

Da ich den Film noch nicht kenne – zu meiner Schande – werde ich mich also auf die Gelegenheit freuen, ihn anzuschauen und – so wie ich mich kenne – werde ich ihn sehr mögen 🙂

 

An meine Leser:

* Habt ihr Harper Lee’s Meisterwerk gelesen? Was haltet ihr davon?

* Kennt ihr den Film?

 

 

 

 

 

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Eine Antwort zu Harper Lee: „Wer die Nachtigall stört…“

  1. Kathrin schreibt:

    Klingt nach einem guten Leseerlebnis 🙂 Da bin ich schon gespannt, wie mir das Buch dann gefällt. Von der Thematik her passt es ja ideal zu meinem Lesegeschmack. Obwohl das Buch ein Klassiker ist, kannte ich bisher den Film auch nicht. Aber ich vermute, das Buch wird vor dem Film bei mir dran sein 🙂

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