Ein Dorf voll Mystik, Aberglauben und Grauen – Stefan Kiesbye`s „Hemmersmoor“

Eigentlich fängt alles ziemlich  normal an: Einige Freunde treffen sich zur Beerdigung einer alten Freundin. Das ansich ist ja nichts Besonderes, schließlich passiert es alle Tage, dass Menschen sterben und von anderen Menschen betrauert werden.

Doch diese Trauergesellschaft verbindet mehr als nur ihre Herkunft aus dem selben Dorf…

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In Stefan Kiesbye`s Roman, dessen englischer Titel „Your house is on fire, your children all gone“ lautet, geht es um Freundschaft, Familien und die manchmal alltäglichen  und manchmal nicht so alltäglichen Probleme im Leben einer Dorfgemeinschaft.

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Allerdings ist diese Gemeinschaft Außenstehenden oder Neu-Zugezogenen nicht gerade positiv gegenüber aufgeschlossen.

In Hemmersmoor wird noch viel auf Tradition und Aberglaube gehalten und dementsprechend ist man eben vorsichtig.

In „Hemmersmoor“ geht es aber noch um viel mehr: es geht um Geschwistermord, Jugendschwangerschaften mit 15, Anstiftung bzw. Beihilfe zum „Selbstmord“/ Tod eines Achtjährigen und es geht um Gewalt der Eltern gegenüber ihren Kindern…

Und bei allem spielt der Aberglaube eine Rolle – und die Enge des Dorflebens, die manche Beteiligte auf negative Art beflügelt und zu Taten anregt, die ihres Gleichen suchen…

*****

In diesem Buch geschieht fast in jedem Kapitel ein Mord oder ein Unfall oder ähnliches – den Anfang macht ein eigentlich harmlos klingendes Fest mit Wettbewerb in verschiedenen Kategorien, u.a. Backen und Kochen.

Dies scheint zunächst eine normale Situation zu sein: eine Mutter strengt sich an, um gegen den dorfansässigen Bäcker zu gewinnen. Zunächst stehen ihre Chancen wider Erwarten ziemlich gut. Sie gewinnt.

Eine andere Mutter (von fünf Kindern), die ebenfalls sehr ambitioniert ist, tritt mit ihrem Eintopf im Kochwettbewerb an. Als alle Anwesenden ihr Essen kosten, entdecken sie, dass sie schwarze Zungen bekommen – und – Klick – kommt der Aberglaube zum Vorschein. Laut diesem Aberglauben erzeugt nur der Genuss von Menschenfleisch eine schwarze Zunge! Außerdem wird der Ehemann auch als verdächtig angesehen, da er nicht zum Fest erschienen ist.

Was passiert?

Es wird kurzer Prozess gemacht – die gesamte Familie wird „hingerichtet“ – den Vater erschlägt man mit der Axt, die Mutter mit ihren fünf Kindern wird ebenfalls zu Tode geschlagen und zu guter Letzt wird das Haus der Familie niedergebrannt…

„Your house is on fire, your children all gone“ – so lautet der englische Titel des Buches…

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In „Hemmersmoor“ kommen nach und nach alle Charaktere zu Wort und man erlebt die Geschehnisse durch deren Augen – mal von der einen Seite  und mal von einer anderen.

Allerdings geschieht nicht nur Mord und Totschlag, sondern es wird sich auch verliebt, geheiratet und es werden Nachkommen in die Welt gesetzt – dies ist aber nur ein kleiner Teil des Buches.

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Hier gibt es weitere Informationen zum Buch, u.a. auch ein Interview mit dem Autor Stefan Kiesbye.

Auch hier gibt es ein Interview.

Wer englische Stimmen zum Buch lesen möchte, kann auf der Autorenhomepage fündig werden.

FAZIT:

Dieses Buch ist unbedingt zu empfehlen!!! Vielleicht nicht an sonnigen Sommertagen, da könnte es ein wenig auf die Stimmung schlagen, aber an „Tagen wie diesen“, die eventuell etwas grau sind und kühl und man hat einen entspannten Abend vor sich – da kann man dieses Werk schon genießen. (Ich bin übrigens auch durch einen Literaturtipp darauf aufmerksam geworden. Die wunderbare Hilarie Burton hatte ihn auf der Homepage ihrer Produktionsfirma gegeben und daraufhin hab ich mich schlau gemacht.)

Es ist definitiv eine Art „Pageturner“ – man kann sich kaum entziehen und will wissen, wie es weitergeht, welche Ansichten noch folgen.

Aber man kann es getrost auch an mehreren Tagen lesen und muss sich nicht an einem Abend/ Nachmittag durch das Buch hetzen.

***
Kleiner Tipp am Rande: Falls euch während/ nach dem Lesen der Sinn nach einem Cocktail stehen sollte: Bethany Joy Lenz hat einen kleinen Tipp, der vielleicht auch bei euch gut ankommt: hier.

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3 Antworten zu Ein Dorf voll Mystik, Aberglauben und Grauen – Stefan Kiesbye`s „Hemmersmoor“

  1. Kathrin schreibt:

    Ich dachte zunächst, „Hemmersmoor“ wäre ein Krimi, aber das ist es ja gar nicht (zumindest kein klassischer). Rituale, Aberglauben etc. als Hintergrund solcher Ereignisse finde ich in Büchern immer spannend. Ich werd mir dass Buch also auf jeden Fall merken

    Irgendwie musste ich ein wenig an Donna Tartts „Die geheime Geschichte“ denken. Die Geschichte ist zwar eine völlig andere, aber da führen auch Verschwörungen und Geheimnisse zu derart extremen Taten. Das ist auch kein klassischer Krimi und hat mir damals sehr gut gefallen.

    Gefällt mir

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