„Im Zwielicht der Dämmerung“ – Fremdenfeindlichkeit im Hier und Jetzt

Im Rahmen der Veranstaltungen zu „Leipzig liest“ war ich dieses Jahr auch zu einer Lesung im GRASSI-Museum.

Im Zwielicht der Dämmerung“ wurde von seinem Autor, dem ehemaligen (1991-2000) Referatsleiter für Kultur für den Regierungsbezirk Leipzig, Günter Gentsch vorgestellt.

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Bereits in den vergangenen Jahren hat der Autor mehrere Werke herausgebracht, u.a. „Roulette des Lebens. Die ungewöhnlichen Wege der Lady Mary Montagu“ (2007), „Die Verlockung des Spiegels“ (2010) oder „Der verhängnisvolle Schwur“ (2011).

Der in Leipzig lebende Autor war in früheren Jahren im Insel-Verlag als Lektor sowie bei der Verlagsgruppe Kiepenheuer Leipzig und Weimar tätig.

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Sein Werk steht unter dem Ausspruch Marie von Ebner-Eschenbachs, der für dieses Buch wahrer nicht sein könnte:

„Ein Urteil lässt sich widerlegen, aber ein Vorurteil nie.“

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Als Anja und ihr Mann Nelson samt dessen fünfzehnjähriger Sohn David in einen kleinen Ort ziehen, ahnen sie noch nichts von dem Unmut, den diese Tat bei den Dorfbewohnern auslöst.

„Von Anfang an erschienen sie den Ortsbewohnern irgendwie merkwürdig, ja suspekt […]“ (S. 7)

Auch der Grund für die kommenden teils feindlichen Taten gegen einzelne Familienmitglieder könnte den Hopes, so der Name der Familie, nicht unverständlicher sein.

Aber für die Kleinstadtbewohner ist es nicht zu fassen, dass eine weiße Frau einen Mann aus Südafrika heiratet und ihn und seinen Sohn „einschleppt“.

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Anja hat sich gemeinsam mit Nelson den Traum vom eigenen Weinberg erfüllt und ein entsprechendes Grundstück erworben, dass die beiden gemeinsam bewirtschaften.

Und ihr jetziger Wohnort hätte schöner nicht sein können:

„Der von Hügeln umrahmte Ort mit seiner Ansammlung von schmalen Straßen und Gassen, Halt aneinander suchenden zumeist ein- oder zweigeschossigen weinstockbestandenen Häusern, seinem viereckigen Marktplatz mit dem alten, von einem auffallend mächtigen Säulenportal gezierten Rathaus und der barock beturmten spätgotischen Kirche und seinen in den Stürmen der Zeit unversehrt gebliebenen Stadtmauerpartien erweckte bei den Ankömmlingen im ersten Moment den Eindruck des Behaglichen und Pittoresken.“ (S. 16)

Doch die Hopes sollen bald erfahren, dass auch ein noch so behaglich erscheinender Ort voll unfreundlicher und engstirniger  Menschen sein kann.

So hat der jugendliche Sohn David einige Anpassungsschwierigkeiten in der örtlichen Schule, die er aber durch sein Talent im Fußball und seine Sprachgewandtheit im Englischen wieder wettmacht. Allerdings hat er noch immer Schwierigkeiten beim Erlernen und Anwenden der deutschen Sprache, was ihm einige bösartige Kommentare einbringt.

Ein weiterer Rückschlag erreicht den jungen Mann, als er bei einem Fußballspiel mit affenartigen Lauten begleitet wird, und keinen erfahrbaren Halt bei seinem Trainer findet, der den Jungen auch nur wegen der Spielkünste duldet. Aber einige seiner Kameraden stehen zu ihm.

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So viel Glück haben die beiden Familienoberhäupter Anja und Nelson nicht mit ihrem Weinberg.

Nachdem sie von einer Reise nach Südafrika zurückkehren, finden sie ihren Weinberg zerstört vor und die Fenster der Winzerhütte zerschlagen.

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Und: Niemand will etwas gesehen haben geschweige denn Näheres darüber wissen.

Die Hopes erstatten Anzeige und ziehen nach einer Weile vor Gericht…

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Finden Nelson und Anja Zeugen für das Verbrechen?

Wird der Richter ihren Worten Glauben schenken?

Werden Anja und Nelson mit David fortgehen?

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FAZIT:

In seinem Buch schildert Günter Gentsch Begebenheiten, die tagtäglich vorkommen können und gegen die eigentlich niemand gewappnet ist – sei er nun vom Aussehen her eher ein europäischer Typ oder aus dem afrikanischen oder asiatischen Raum stammend.

Mit einem unbeirrbaren Schreibstil und einer Vorliebe für lange, verschachtelte Sätze öffnet Günter Gentsch die Augen für Probleme, denen man selbst gern aus dem Weg gehen möchte: Ausgrenzung, Fremdenhass und die Probleme, denen man sich im Umgang mit Justitia stellen muss.

Aber auch positive Seiten werden von Günter Gentsch zu Tage gebracht: Freundlichkeit im Angesicht von Zerstörung und Hass, Hilfsbereitschaft auch gegenüber Fremden.

Alles in allem: Ein Buchtipp zum Lesen für Zwischendurch, hat Günter Gentschs Werk doch „nur“ 85 Seiten und liest sich gut, hat man sich einmal an die längere Satzstruktur gewöhnt.

Erschienen ist das Werk übrigens beim Arbeitskreis für Vergleichende Mythologie e.V. in Leipzig.

UPDATE🙂

Auch Günter Gentsch hat meine Rezension gelesen und sich bedankt:

dank günter gentsch

Über booksandmore81

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