„Der letzte Gentleman“ und zwei Filme für psychische Anspannung

Nach einiger Zeit melde ich mich mal wieder zu Worte. Der Grund für meine kurzzeitige Abwesenheit: ich miste aus. Inventur sozusagen. Man sammelt ja über die Jahre doch immer viel zu viel Dinge an, die man dann irgendwann wieder loswerden möchte, sei es, weil sich der eigene Lese- und Sehgeschmack geändert hat – oder weil man einfach Platz für Neues braucht oder generell etwas minimalistischer leben möchte.

***

Wer von euch an den vergangenen zwei Freitagabenden arte geschaut hat, wird in den Genuss der britischen Serie „Parade’s End“ gekommen sein. Wer dieses kleine Filmjuwel mit Benedict Cumberbatch (Sherlock; Atonement, Star Trek Into Darkness), Adelaide Clemens und Rebecca Hall in den Hauptrollen noch nicht gesehen hat, sollte sich unbedingt auf der arte-Website umschauen. Derzeit sind leider nur noch die letzten drei Folgen online zu sehen. Aber besser als gar nichts.

Die Literaturverfilmung von Ford Madox Ford’s Roman bietet als Schauplatz die Zeitspanne vor bis nach dem ersten Weltkrieg aus britischer Sicht. Christopher Tietjens (Cumberbatch) ist ein traditionsbehafteter, kluger Mann, der sich – nachdem er einmal seiner momentanen Gefühlswelt nachgegeben hat – aus Pflichtgefühl in die Fänge der Ehe mit Sylvia gedrängt fühlt. Diese erwartet nämlich ein Kind und Tietjens sieht sich als moralisch-korrekter Mann dazu verpflichtet, ihr und dem Kind ein Heim zu bieten. Allerdings hat er Zweifel, ob es sich bei dem Jungen tatsächlich um seinen Nachkommen handelt.

Aber – wie fast immer bei dem von Benedict Cumberbatch wundervoll dargestellten Charakter – überwiegt das Ehrgefühl und die Pflichterfüllung – auch über das eigene Glück hinweg.

So hat sich Christopher Tietjens in eine junge Frau verliebt, die der Sufragettenbewegung angehört. Die junge blonde Schönheit namens Valentine ist ihm ebenso zugetan, allerdings stehen die Zeichen nicht gut für die beiden.

***

Diese Serie entführt uns in eine Zeit, die wir nur aus Geschichten älterer Verwandter oder Büchern kennen. Zwar spielt die Entwicklung hin zum Frauenwahlrecht und dem Kriegsanbruch und -ende eine gewisse Hintergrundrolle, dennoch konzentrierte man sich mehr auf die Lebens- und Leidensgeschichte von Christopher Tietjens, der sich nicht aus seinen erlernten Zwängen der unbedingten Höflichkeit befreien kann. Selbst als ihm der Rat gegeben wird, sich doch scheiden zu lassen kann er sich nicht überwinden, obwohl weder er noch Sylvia in dieser Ehe glücklich sind. Sylvia weiss sich jedoch zu helfen und sucht anderweitig Abwechslung und versucht, aus Wut über dessen Moralverständnis ihrem Mann immer wieder zu schaden.

ABER: Ende gut, alles gut. In den letzten Minuten der Serie kann sich Christopher Tietjens aus seinem „Gefängnis“ befreien und man sieht die ersten zarten Augenblicke zukünftigen Glücks, dass ihm wohl jeder gönnt.

Wer sich Kritiken zur Serie durchlesen möchte, kann dies

hier

hier

hier

hier

und

hier tun.

 

~~~ *** ~~~ *** ~~~ *** ~~~

 

Gestern abend war auch wieder ein guter Zeitpunkt für Filmfans: zunächst lieferte der Hitchcock-Thriller „Das Fenster zum Hof“ spannende und blutlose Unterhaltung und danach hieß es für alle, die den Gedanken an Haie in den Sommermonaten am liebsten verdrängen einen spannenden Thriller namens „The Reef – Schwimm um dein Leben“, der im Vergleich zu anderen relativ blutleer auskommt, aber dennoch in seinen Bann zieht.

***

Zunächst zu „Das Fenster zum Hof“:

Der 1954 entstandene Film des 1980 verstorbenen Alfred Hitchcock wartet mit James Stewart und Grace Kelly in den Hauptrollen auf und zeigt, was Besessenheit von einer Tat mit einem Menschen machen kann.

James Stewarts Charakter Jeff muss nach einem Unfall den Rollstuhl als zeitweiligen Lebensgefährten ertragen und beobachtet – auch auf Grund seiner Tätigkeit als Fotograf – gern die Menschen in seinem Wohnumfeld.

Als er eines Abends den Nachbarn Thorwald bei mehreren Spatziergängen mit einem Koffer beobachtet und Tags darauf dessen Frau verschwunden ist, wächst in dem Fotografen ein schrecklicher Verdacht…

„Das Fenster zum Hof“ ist ein Filmjuwel und ein Meisterwerk Hitchcocks. Da in den heutigen Zeiten Actionszenen und „Krach-Bumm“-Effekte zur Normalität geworden sind, ist so ein ruhiger aber dennoch fesselnder Film eine gelungene Abwechslung von der heutigen Effektehascherei. Simple, einfache Methoden, die in ihrer Sprache dennoch überzeugen.

 

***

„The Reef“ – ist ein Film des Regisseurs Andrew Traucki, der im Jahr 2007 schon „Black Water“ schuf – ein ebenfalls fesselnder Schocker mit einem Krokodil in der Hauptrolle. Ich habe den Film hauptsächlich wegen Zoe Naylor angeschaut, die mir aus ihren „McLeods Töchter“-Tagen gut in Erinnerung ist.

Was wäre, wenn ihr auf Segeltour seid, euer Boot kentert und ihr habt nur eine Wahl – schwimmen…

So ergeht es den fünf Charakteren des Films. Zunächst ist der Segelausflug richtig schön und alle genießen die Zeit. Es wird auch auf einer kleinen Insel halt gemacht. Dann setzt die Ebbe ein und die vier müssen zurück aufs Schiff. Dieses hat einen Motorschaden erlitten, kann jedoch wieder mobilisiert werden. Der Ausflug geht weiter. Am nächsten Morgen werden sie unsanft wachgerüttelt, das Boot ist gekentert… (obwohl ich mich an dieser Stelle schon gefragt habe, wie ein etwas größeres Segelboot bei sanftem Wellengang komplett umstürzen kann und dann mit der Unterseite zu oberst im Wasser treibt – war ja auch kein Riff an dieser Stelle, wo es hätte Schrammen geben können…)

Jedenfalls retten sich alle zunächst auf das über dem Wasser liegende Schiffsteil. Da sie keine andere Möglichkeit sehen, beschließen sie zur nächstgelegenen Insel zu schwimmen – 12 Meilen!

Einer der Gruppe bleibt auf dem Bootsteil – die Angst vor Haien hindert ihn daran, die anderen zu begleiten.

Die kleine Vierergrupe macht sich auf den Weg in aus dem Wrack geretteten Neoprenanzügen hin zur rettenden Insel….

***

Wie bei jedem Horror- oder Schauerfilm gibt es auch bei „The Reef“ letztendlich nur einen Überlebenden.

Was an diesem Film gut ist: keine Massenpanikattacken oder genmutierte und einem Wachstumsschub ausgesetzten Monsterhaie. Nein – diesen Film dominiert die menschliche Psyche und die Angst vor einem Raubtier, das bereits zu Zeiten der Dinosaurier auf der Erde existierte.

Bei „The Reef“ sind es die kleinen Momente, die ängstigen: das Suchen durch die Taucherbrille nach Bewegungen unter Wasser, die Ruhe, die eigenen Angstgefühle…

Es ist keine Horde von Haien – sondern ein Hai, der sich dem Grüppchen nähert und das Grauen in ihnen auslöst. Es folgen die typischen Reaktionen: hektisches und stockendes Atmen, Schockstarre und verzweifeltes Planschen.

Ein gut gemachter Film, der hoffen lässt, dass man sich nie selbst in so einer Situation befindet. Letztendlich bringen alle Ratschläge von Kennern der Fische, wie „möglichst ruhig atmen“  und „nicht hektisch planschen“, in der Realität nicht wirklich viel. Man wird in so einer Situation immer hektisch reagieren und nicht ruhig atmen können…

Wer einen Vorgeschmack haben möchte, hier kann man sich den Trailer anschauen.

~~~   ~~~~    ~~~~    ~~~~

FAZIT:

Es gibt in der Fernsehwelt mit all ihren Reality-Soaps und manchmal verblödenden Inhalten auch wahre TV-Schätze, die nur gefunden werden müssen. 

Hitchcock und „Parade’s End“ sind definitiv zu empfehlen und „The Reef“ ist was für Menschen, die auch im Sommer keine Angst vor Haien in offenen Gewässern haben. 

 

 

 

 

 

Advertisements

Über booksandmore81

Fotografin, Leseratte, Film- & Serienliebhaberin, Tagträumerin.... und noch vieles mehr...
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s