~ Kino der besonderen Art: NT’s „Frankenstein“ ~

Gestern war ich im Kino.

Dieser Satz ist eigentlich nicht ungewöhnlich und doch war es ein besonderer Nachmittag/Abend.

Zu verdanken hatte ich ihn meiner Freundin Kathrin, die Tickets für den Abend reserviert hatte. Getroffen hab ich mich dann mit meiner Freundin Vicky, die den Kinobesuch ebenfalls sehr genossen hat.

Nun zum Wichtigsten – dem Stück:

Poster

Courtesy of NT and cumberbatchweb

Gezeigt wurde – und das nur an diesem einen Tag – die aufgezeichnete Version von „Frankenstein“ – einem Theaterstück des National Theatre in London. Weiterhin war es ein guter Abend, da das Stück natürlich im englischsprachigen Original gezeigt wurde und man für gut zwei Stunden die Sprache genießen konnte.

***

Das Stück setzt den Fokus auf die erschaffene Kreatur und ihre Schritte in die ihm unbekannte Welt. Wie ein Kind lernt es, seine zunächst unbeholfenen Bewegungen zu koordinieren und seine Neugier auf alles befriedigen zu wollen.

Doch auf seine Neugier und sein Bedürfnis nach menschlicher Nähe reagieren die meisten Menschen auf Grund seiner äußeren Erscheinung abgeschreckt und mitunter bösartig.

Die noch namenlose Kreatur wird geschlagen, getreten und in ihrem Vertrauen zutiefst erschüttert. Dann trifft er auf einen alten, blinden Mann, der ihm hilft. Dieser lehrt ihn neben den Kulturtechniken des Lesens und Schreibens noch andere wissenschaftliche Erkenntnisse.

Die Kreatur hat endlich einen Freund gefunden.

Freundschaft

Courtesy of NT and cumberbatchweb

Doch auch diese interessante, lehrreiche und positive Zeit hat ihr Ende.

Sie wird beendet durch einen Akt der Gewalt, hervorgerufen durch die erneute Zurückweisung und Gewalt gegenüber der Kreatur, die sich nur anpassen will und wieder in ihrem Vertrauen betrogen und enttäuscht wurde.

Und das ist erst der Anfang…

***

Leicht könnte ich an dieser Stelle den gesamten Inhalt erzählen, der diesen wunderbaren Abend so interessant machte.

Lieber werfe ich allerdings einen Blick auf die Leistung der Darsteller, allen voran Jonny Lee Miller und Benedict Cumberbatch, die alternierend die jeweiligen Rollen dargestellt haben.

Deal

Courtesy of NT and cumberbatchweb

Unsere Kinoversion zeigte Jonny Lee Miller in der Rolle der Kreatur und Benedict Cumberbatch als dessen Erschaffer Victor Frankenstein.

Beide erhielten übrigens für ihre Leistung einen Olivier-Award.

Grandios stellte Mr. Miller die Kreatur da – ihre Stärke und Wut einerseits und ihre Verletzlichkeit auf der anderen Seite. Wunderbar war der Beginn des Stückes, wo man die Kreatur bei der Erlangung ihrer motorischen Fähigkeiten beobachten konnte – unkontrolliert wirkende Bewegungen, die natürlich vollkommen kontrolliert durch den Schauspieler abgelaufen sind.

Auch die sprachliche Ebene ist hervorzuheben, die zunächst nur aus Lauten besteht, sich dann aber in formulierte Worte wandelt.

Man wird Zeuge einer enormen Entwicklung, die fantastisch dargestellt wurde durch den Wandel in Kleidung, Sprache, Verhalten und Motorik.

Auch in Victor Frankenstein gehen Wandlungen vor sich.

Er ist ein besessener Wissenschaftler, der von seiner Erfindung heimgesucht wird und nichts als Trauer, Wut und Verzweiflung zum Vorschein bringt. Obwohl er ebenfalls nur eines sucht: Liebe.

Dies scheint ihm gegeben zu sein – durch die Verbindung mit seiner Angetrauten Elizabeth. Diese liebt ihn ehrlich und tief, hat auf ihn jahrelang gewartet und versucht, in seine Welt Einlass zu finden.

love?

Courtesy of NT and cumberbatchweb

Dies gelingt ihr nicht, da Frankenstein über eine höhere Bildung verfügt und sich seine Zukünftige nicht als seine Assistentin vorstellen kann. Und auch mit der Liebesbekundung Elizabeth‘ hat er so seine Probleme.

Dies führt zu einigen humorvollen Szenen innerhalb des Stückes und es macht die Charaktere nur noch interessanter und trotz allem auch liebenswerter.

Und doch wird es für keinen von ihnen einen guten Ausgang haben…

Trust?

Courtesy of NT and cumberbatchweb

„Frankenstein“ ist ein Stück voller Emotionen, das einen fesselt und nicht einfach in den Alltag entlässt.

Es ist eine Geschichte über Vertrauen, Enttäuschungen, Liebe, Hass, Neugier, Wut und die ganzen Zwischentöne.

Es ist am Ende eine Art „Katz-und-Maus-Spiel“ zwischen einer enttäuschten und auch wütenden Kreatur und einem hasserfüllten und rachesuchenden Wissenschaftler.

Beide sind aneinander gebunden und werden nie Ruhe finden.

Jagen und Gejagt-werden, Folgen und Anführen – da spielt die Zeit keine Rolle mehr…

End?

Courtesy of NT and cumberbatchweb

Einen sehr guten Artikel zu „Frankenstein“ gibt es hier.

***

Falls sich nochmal die Gelegenheit bieten sollte, „Frankenstein“ im Kino zu sehen – seid dabei und lasst euch für zwei Stunden in diese düstere Welt entführen und faszinieren…

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Über booksandmore81

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6 Antworten zu ~ Kino der besonderen Art: NT’s „Frankenstein“ ~

  1. Kathrin schreibt:

    Darauf hab ich gewartet! Wie gern wäre ich dabei gewesen, vor allem jetzt nach deinem Bericht … Den Fotos nach zu urteilen scheint das Bühnenbild auch recht schlicht gewesen zu sein – das mag ich. Und ein Kompliment an die Maske! Ich hab wohl wirklich etwas verpasst. Aber ich freu mich, dass die Karten nicht verfallen mussten und ihr zwei einen tollen Spätnachmittag im Kino hattet 🙂

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    • booksandmore81 schreibt:

      Vielen Dank 🙂
      Ja das Bühnenbild war recht einfach gehalten aber das Stück hat trotzdem seine Spezialeffekte gehabt.
      Alles fand auf einer Art Rundbühne statt und es wurden Elemente hoch- bzw. hinuntergefahren, durch Drehungen versenkt bzw. an den Enden des Bühnenbildes aufgebaut – alles sehr schön, dezent und nicht überladen.
      Die Maske hat wirklich wunderbare Arbeit geleistet, die natürlich durch die Arbeit der Schauspieler noch verstärkt wurde.

      Also es war wirklich ein toller Spätnachmittag und wir hätten dich gern dabeigehabt 🙂

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  2. literallywriting schreibt:

    Das klingt toll!! Ich hatte letztes Jahr überlegt, Tickets zu kaufen, aber hier bei und war alles ausverkauft – schade!

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    • booksandmore81 schreibt:

      Ja es war wirklich Glück, dass Kathrin darauf aufmerksam wurde. Ich hatte ja auch schon auf der offiziellen NT-Seite geschaut und da standen immer nur „größere“ Städte wie Berlin, Köln, etc. da und da hätte ich erst auch nicht damit gerechnet, in diesen Genuss zu kommen… Vielleicht hast du ja Glück und sie zeigen es irgendwann nochmal 🙂

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