~ „Grabt Opa aus!“ – ein Trottel und die Auftragskiller… ~

tk

Tatjana Kruse: Grabt Opa aus!

Der Untertitel lautet zwar „Ein rabenschwarzer Alpenkrimi“ – aber hartgesottene Krimiliebhaber wird Tatjana Kruse wohl eher nicht anziehen.

Wen sie mit ihrem Buch stattdessen anzieht?

Liebhaber von lustigen Handlungen, chaotischen Charakteren und viel Humor.

Oft greift man sich beim Lesen lachend an den Kopf mit dem Gedanken: Das kann dem doch nicht auch noch passieren…

Aber zurück zum Anfang:

„Sein Leben als Leiche begann an einem Spätnachmittag im Herbst, ohne dass er es merkte.“ (S. 5)

So beginnt die Geschichte.

Allerdings ist das dann auch schon wieder vorgegriffen.

Darf ich vorstellen: Alfie. Die Hauptperson.

Allerdings ist Alfie nicht so eine schimmernde, starke und männliche Hauptperson – kein Ermittlertyp oder so. Alfie ist …. eben Alfie.

Dünn – um nicht zu sagen schmächtig, jungenhaft wirkend (obwohl schon altersmäßig definitiv ein Mann) und zu allem Übel… trottelig und vom Pech verfolgt.

Also eigentlich das komplette Gegenteil – aber man mag ihn trotzdem.

„Als Alfie den Umschlag mit den Zinken einer Kuchengabel gewissenhaft aufschlitzte – er war kein Freund von Spontanität, Chaos und schludrig geöffneten Briefumschlägen -, erwies sich der Inhalt denn nicht auch als später Urlaubsgruß, sondern als höchst anwältliches Schreiben.“ (S. 8)

Und damit fangen die Unannehmlichkeiten für den Angestellten des Café Schröpp auch schon an.

Alfie verärgert einen Gast, beschert diesem aus Versehen fast einen baldigen Tod, wird von seiner baldigen Vaterschaft überrascht, steht mehr oder weniger in Flammen (im wahrsten Sinne des Wortes) und kann sich nur durch Flucht vor der eventuellen Ermordung durch seinen Chef retten.

„Du wirst Vater!“, säuselte Frau Schröpp und strahlte über alle vier Backen. „Freust du dich?“

„Nein!“, purzelte es aus Alfie heraus. (S. 19)

Er macht sich also auf den Weg zum Anwalt – nach Seefeld in Tirol.

Dass diese Reise nicht ohne Zwischenfälle verläuft, ist vorprogrammiert und es macht einen Höllenspaß, Alfie zuzusehen (im gut laufenden Kopfkino), wie er diverse für ihn furchtbare Situationen durchlebt – nur um beim Anwalt zu erfahren, dass er eine weniger beliebte und bruchbudenhafte Pension geerbt hat.

„Und dann stand er vor seinem… Gebäude.

Tja.

Gut, es war relativ groß und hatte zur Seeseite zwei Türmchen, aber Schloss ging anders. Weiß auch.“ (S. 49)

Aber das Gebäude an sich ist eher das kleinere Problem, mit dem sich der verwirrte Alfie befassen muss.

Die Bewohner sind wichtiger. Alles Menschen im Ruhestandsalter. Alle früher mal gefährlich – und jetzt auch noch.

Ex-Auftragskiller…

Und Alfie mitten unter ihnen…

Da Alfie Probleme hat, sich ihre richtigen Namen zu merken, begegnen dem Leser im Buch auch Mireille Mathieu oder Jeff Bridges – und eine Ratte namens Yussef…

***

Die Geschichte ließt sich wie die Aneinanderreihung von komischen Zwischenfällen, durch die Alfie taumelt – und am Ende ist es wohl mehr „Glück“ als alles andere, dass er die Vorfälle im Buch überlebt hat.

Man wird ja auch eher selten mehrfach versucht zu ermorden – auf unterschiedliche Weise.

Aber Alfie hat das zweifelhafte Vergnügen, die Gesellschaft der greisen Ex-Mörder zu genießen und kommt letztenendes doch noch  zu einer Familie.

Ob er in Seefeld bleibt?

„Sieh dich doch um, Jungelchen, gibt es einen schöneren Ort als den hier?“ (S. 211)

***

Tatjana Kruse hat mit „Grabt Opa aus!“ einen Pageturner geschrieben, der komische Vorfälle und Charaktere ihresgleichen sucht.

Man wird hineingezogen in den Rausch aus witzigen und manchmal auch bösartigen Vorfällen und kommt nicht drumherum, ein gewisses Mitgefühl für Alfie zu entwickeln, der sich manchmal auch wirklich zu dumm anstellt.

„Grabt Opa aus!“ (im wahrsten Sinn des Wortes) beschert Alfie körperliche Arbeit, Panikattacken und er wächst ein Stück weit über sich hinaus…

Bleibt zu hoffen, dass Tatjana Kruse ihrem Alfie vielleicht noch eine Fortsetzung angedeihen lässt – passen würde es…

„Keine Sorge“, sagte Jeff Bridges, „wir fangen nicht gleich heute mit deiner Ausbildung an. Gewöhne dich erstmal an den Gedanken. […] Aber du holst mich schon noch ein.“ (S. 214)

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3 Antworten zu ~ „Grabt Opa aus!“ – ein Trottel und die Auftragskiller… ~

  1. Eva Christian schreibt:

    Hat dies auf TextspielNet rebloggt.

    Gefällt mir

  2. Pingback: [Die Sonntagsleserin] KW #12 – März 2014 | Phantásienreisen

  3. Pingback: [Die Sonntagsleserin] KW #12 – März 2014 | Phantásienreisen

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