~ And the winner is… ~

Nachdem ich mich seit Ende vergangener Woche mit einem Virusinfekt quäle, der auch nur langsam Besserung zeigt, habe ich mich trotzdem auf den steinigen Pfad der zufälligen Auswahl des Gewinners meiner Buchverlosung begeben.

Nachdem ich dann noch ein Familienmitglied eingebunden habe, um die vollständige Zufälligkeit zu gewährleisten, darf sich nun auf den Gewinn, sprich das Buch von Cheryl Strayed freuen:

***

Kathrin von Phantasienreisen

***

 

Sicher habe ich beiden Teilnehmern das Buch von Herzen gegönnt und vielleicht wird es ja bei Kathrin nur eine vorübergehende Heimat finden und sich dann auf den Weg machen  zu Vanessa von Packing Books from Boxes?

Das ist aber dann eine Entscheidung, die ich nicht beeinflussen kann und somit wünsche ich der Gewinnerin erst einmal viel Spaß mit ihrem neuen Buch, welches sie bestimmt in den nächsten Tagen per Post erreicht 🙂

***

Ich für meinen Teil werde mich jetzt wieder mit heißem Tee und Bonbons zurückziehen und demnächst mal wieder schauen, ob sich denn mein Fieber verflüchtigt hat…

Alles Gute auf diesem Weg und meinen Lesern eine schöne und möglichst gesunde Woche 🙂

~ Cheryl Strayed: „Der große Trip – Wild“ ~

Nachdem ich den Film mit Reese Witherspoon in der Hauptrolle gesehen hatte, musste ich unbedingt noch das Buch lesen, auf welchem der Film basiert.

Cheryl Strayed bewanderte 1995 den Pacific Crest Trail – um sich selbst zu finden, um den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten, um sich ihrer selbst besser bewusst zu werden, um den Schmerz loszuwerden…

Nicht zuletzt auch wegen dieser Suche trägt das Buch auch den Untertitel „Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst“.

Diese Wanderung schildert sie eindrucksvoll auf 445 Seiten.

Hat man den Film zuerst gesehen, hat man natürlich die Bilder des Films noch im Kopf: eine wandernde Cheryl mit dem Aussehen von Reese Witherspoon, die wunderschönen Landschaftsaufnahmen, die Schlüsselszenen und natürlich die zahlreichen Rückblicke.

„Die Bäume waren groß, aber ich war größer, denn ich stand auf einem steilen Berghang in Nordkalifornien. Vor wenigen Augenblicken hatte ich meine Wanderstiefel ausgezogen, und einer war in ebendiese Bäume gefallen, war zuerst in die Luft katapultiert worden, als mein großer Rucksack daraufkippte, dann über den Schotterpfad gerutscht und über den Rand geflogen. Mehrere Meter unter mir prallte er an einem Felsvorsprung ab, bevor er auf Nimmerwiedersehen zwischen den Baumkronen des Waldes darunter verschwand“

(S. 11)

Vom Erzählerischen folgt der Film den Handlungen des Buches – beginnend mit der Szene, als Cheryl ihre Wanderschuhe verliert! Für jemanden, der wandert natürlich kein schönes Erlebnis. Diejenigen, die den Film bereits gesehen haben, werden sich an die Szene erinnern und an den erschütterten Schrei, der daraufhin folgt. Dieser Schrei drückt praktisch alles aus, was Cheryl in diesem Moment ausmacht: die Wut, die Verzweiflung, der Schmerz – alles in einem Schrei!

***

Eingeteilt ist dieses wunderbare Buch in fünf größere Abschnitte mit jeweiligen Unterkapiteln. Die Überschriften sind gut gewählt und zu Beginn eines jeden Abschnittes finden sich Zitate, die Cheryl auf dem Trail für ihre Mitwanderer hinterlassen hat.

Wir begleiten Cheryl Strayed durch ‚Die zehntausend Dinge‘ hinweg über ‚Spuren‘ und ‚Das Gebirge des Lichts‘. Wir sind ‚Ungebändigt‘ und erreichen schließlich ‚Eine Kiste voll Regen‘, bevor sie ihr Ziel erreicht – die Brücke der Götter.

***

„Ich ging in die Hocke, packte den Rahmen fester und unternahm einen zweiten Versuch. Er rührte sich immer noch nicht. Keinen Zentimeter. Ich stemmte die Beine fest gegen den Boden, umschlang ihn mit beiden Armen und versuchte, ihn unter Aufbietung aller Muskel- und Willenskraft hochzuheben. Doch er wollte einfach nicht. Genauso gut hätte ich versuchen können, einen VW Käfer hochzuheben. Es sah so süß aus, absolut damit einverstanden, hochgehoben zu werden – und doch war es mir unmöglich.“

(S. 66)

Cheryl wird auf ihrem Weg noch weitere schwierige Situationen meistern müssen, bis sie sich selbst findet. Dabei begleitet wird sie von ihren Gedanken, von ihren Erinnerungen an vergangene Zeiten und von der Musik, die in ihrem Kopf hin- und herspielt.

Wenn man den Film gesehen hat, bevor man das Buch las, hat man definitiv einen Ohrwurm beim Lesen im Kopf: „El Condor Pasa“ von Simon & Garfunkel. (Dieses Lied höre ich übrigens auch gerade, während ich schreibe.)

Cheryl selbst kann sich auch der Schönheit ihrer wechselnden Umgebung nicht entziehen – und so hat man die schönsten Beschreibungen der Natur vor sich – und möchte am liebsten gleich selbst los laufen – sofern man dazu körperlich in der Lage ist…

„Mein Führer hatte Recht gehabt: Mein erster Blick auf den See war unglaublich. Ich stand auf dem 2160 Meter hoch gelegenen felsigen Kraterrand, 270 Meter über der Wasseroberfläche. Das gezackte Rund des Sees lag unter mir und erstrahlte in einem unbeschreiblich reinen Ultramarinblau, wie ich noch keines gesehen hatte. […] Ich konnte die Kraft des Sees spüren. […] Ich hatte noch 534 Kilometer bis zur Brücke der Götter zu wandern, aber irgendwie war mir, als wäre ich schon angekommen. Als hätte mir das blaue Wasser etwas zu sagen, um dessentwillen ich den weiten Weg hierher gekommen war.“

(S. 385 – 388)

Auf den letzten Seiten des Buches erfahren wir, was auch im Film gezeigt wurde – dass Cheryl Jahre später wieder an diese Stelle (die Brücke) zurückgekommen ist, dass sie doch noch die Liebe gefunden hat – und dass Cheryl ihr Leben so gut genug ist, wie es ist: wild.

„Dies alles wusste ich damals noch nicht, als ich am letzten Tag meiner Wanderung auf dieser weißen Bank saß. Aber ich wusste, dass ich es nicht zu wissen brauchte. Dass es genügte, darauf zu vertrauen, dass ich das Richtige getan hatte. Dass es genügte, seinen Sinn zu verstehen, ohne genau sagen zu können, worin er bestand […] Dass das mein Leben war – wie jedes Leben rätselhaft, unabänderlich und heilig. So nah, so präsent, so fest zu mir gehörig.

Und es, wie wild es auch sein mochte, so zu lassen.

(S. 440/441)

 

IM RAHMEN DIESES ARTIKELS MÖCHTE ICH EIN EXEMPLAR DES BUCHES VERLOSEN!

ICH BITTE DIE INTERESSIERTEN, MIR ÜBER DIE KOMMENTARFUNKTION ZU SCHREIBEN.

BITTE SCHREIBT MIR, OB IHR AUF EINE SOLCHE WANDERUNG GEHEN WÜRDET – UND WENN JA, WAS IHR DAVON ERWARTET!

DEN GEWINNER ERMITTELE ICH DANN PER ZUFALL!

VIELEN DANK UND VIEL ERFOLG 🙂

 

 

 

 

~ Der große Trip: Reese Witherspoon auf Wanderschaft ~

Heute war ich seit langem mal wieder im Kino.

Nicht im großen Cinestar in Leipzig, sondern in dem beschaulichen und gemütlichen Saal mit Namen „Filmeck“ in den Passagekinos.

Filmeck
Bildquelle: http://www.passage-kinos.de/uploads/pics/filmeck.jpg

 

Die Wahl des Films fiehl mir nicht schwer. „Der große Trip – Wild“ sollte es sein.

Wenn man den Namen Reese Witherspoon hört, denkt man an viele interessante und auch lustige Filme, die ihre bisherige Karriere gepflastert haben. Die 1976 geborene Aktrice spielte u.a. in

* „Die Spur des Windes“ (1993)

* „Freeway“ und „Fear – Wenn Liebe Angst macht“ (beides 1996)

* „Pleasantville“ (1998)

* „Eiskalte Engel“ (1999)

* „Natürlich Blond 1 & 2“ (2001/ 2003)

* „Ernst sein ist alles“  und „Sweet Home Alabama“ (beides 2002)

Ebenfalls viel Beachtung fanden ihre Darstellungen in „Walk the Line“, „Solange du da bist“ oder „Machtlos“.

An der Fülle der bisherigen Arbeiten Reese Witherspoons erkennt man: sie kann nicht nur lustig, sondern auch ernst, schnippisch und alle anderen Differenzierungen bis hin zum Tragischen.

Nun hat sie mit „Der große Trip – Wild“ erneut einen großen Coup gelandet.

Wild
Bildquelle: http://www.moviepilot.de/files/images/movie/file/11219182/Der-Grosse-Trip-Wild-Poster.jpg

Reese Witherspoon ist Cheryl Strayed.

Eine junge Frau mit eine Vielzahl an Problemen auf der Suche. Nicht nur auf der Suche nach sich selbst, sondern auch auf der Suche nach Vergebung für Fehler, die sie in ihrem bisherigen Leben begangen hat.

Also wirft sie alles über Bord und beschließt, den Pacific Crest Trail zu bewandern!

w1
Bildquelle: http://images.kino.de/flbilder/max14/mbiz14/mbiz36/z1436409/b640x600.jpg

4240 km!

Zunächst bemerkt man als Zuschauer, dass sie nicht wirklich 100%ig auf ihr Abenteuer vorbereitet ist. Sicher – ihr Rucksack ist gepackt – doch stellt sie im Laufe der Geschichte fest, dass sie vieles von dem, was sie eingepackt hat, nicht wirklich braucht.

Allerdings hat sie zusätzlich noch eine ganze Menge an seelischem Gepäck mitzuschleppen, den sie nur langsam verarbeitet und los wird.

Besonders schwer nagt an ihr der Verlust ihrer Mutter, die mit 45 ihr Leben an den Lungenkrebs verlor. Auch suchen sie immer wieder Erinnerungen an ihre Kindheit heim und damit auch Gedanken an ihren Vater, der zu Gewalt neigte und zu dem sie keinerlei Kontakt mehr hat.

Cheryl’s Mutter wird übrigens ganz phantastisch verkörpert von Laura Dern, die mancher vielleicht noch aus Jurassic Park als Paläontologin Ellie Sattler kennt – oder aus einem ihrer neueren Filme.

ld
Bildquelle: http://images.kino.de/flbilder/max14/auto14/auto48/14480433/b640x600.jpg

Zu ihr kann ich nur sagen: großartige Leistung: sie verkörpert diese Lust zu Leben, diese Freude an den guten Dingen einfach wunderbar. Zu Recht ist sie auch –  neben Reese Witherspoon – für einen Oscar nominiert.

***

Für diejenigen unter euch, die lieber das Buch zuerst lesen möchten: dies habe ich mir heute auch „gegönnt“ und werde demnächst darüber berichten.

Auch die bisherigen Artikel und Interviews zum Film sind lesenswert und interessant, allen voran auch diejenigen mit Cheryl Strayed persönlich.

Hier mal eine Auswahl:

* kurzer Artikel auf filmtourismus.de

* Interviews mit Cheryl Strayed auf den Internetportalen von Zeit und Spiegel

* Artikel zum Film auf den Internetportalen von Zeit, der Süddeutschen, der Stuttgarter Nachrichten oder N-TV

* Interviews mit Reese Witherspoon hier, hier und hier

* Artikel/ Interview mit Laura Dern hier und hier

***

FAZIT

„Der große Trip – Wild“ ist auf alle Fälle sehenswert und eine Erfahrung für sich. Es ist kein typisches Mainstream-Kino, aber deswegen keinen Deut schlechter.

Im Gegenteil.

Reese Witherspoon und sämtliche am Film Beteiligte erzählen eine wahre Geschichte – und das mit allen gegebenen Emotionen und viel Gefühl.

Ein Film zum Genießen, Bewundern und Nachdenken!

rr2
Bildquelle: http://images.kino.de/flbilder/max14/auto14/auto46/14460610/b640x600.jpg