Marion Schreiner: „Stress mit Rose“ – Weihnachten in England ein wenig anders…

Note to my english speaking readers: This article will only be available in german language, since this is a german book not yet available in english language.

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Weihnachten rückt näher – und damit die besinnlichen Tage (und auch die noch verbleibende Vorweihnachtszeit) mit schönen Dingen gefüllt sind, habe ich heute eine weihnachtliche Buchempfehlung für euch.

Marion Schreiner, die sonst für ihre Psychothriller („Opfer-Täter-Theorie“) bekannte Autorin, hat es geschafft, einen weihnachtlichen Roman zu schreiben, der ebenfalls die Opfer-Täter-Theorie mit einbezieht, jedoch ohne Gewaltverbrechen auskommt.

Was erwartet euch beim Lesen?

Ihr lernt Rose kennen. Rose ist eine ältere Dame, die gerade in ein kleines Cottage gezogen ist – mit alten Möbeln und alten Lebensgewohnheiten. Im Falle von Rose ist das keine gute Kombination.

„Zum ersten Mal in ihrem Leben war Rose auf sich allein gestellt. Von einem auf den anderen Tag hatte sie beschlossen, alles hinter sich zu lassen. […] Jetzt saß sie fernab von allem und spürte nichts weiter als Stille in sich. Ihr Leben war endlich zum Stillstand gekommen.“ (Stress mit Rose, Seite 7)

Bis zur zweiten Seite könnte man Rose für eine halbwegs „normale“ ältere Dame halten, die einfach ihren Lebensort gewechselt hat. Doch weit gefehlt. Das bisherige und das neue Leben von Rose sind komplizierter und facettenreicher, als sich der Leser vorstellen könnte.

Wir erfahren gleich auf der nächsten Seite mehr von den Tatsachen, die hinter dem Umzug in das englische Dorf stehen – und damit lernen wir Rose kennen, mit einem kleinen Einblick in ihre Probleme, die sie auch im englischen Bossington nicht verlassen wollen…

„Sie war letzten Monat 65 geworden und hatte diesen Geburtstag als Anlass genommen, sich von allen zu verabschieden. Niemand hatte von ihren Plänen, dieses Cottage an der Küste von West Somerset zu kaufen, gewusst. Rose würde doch niemals ihr Haus in London verlassen! Sie war viel zu unselbständig und … Entschuldigung… dumm! Ja, dumm. Diesen Eindruck hatte sie bei vielen hinterlassen. […] Und zu dumm, sich von ihrer tyrannischen Mutter zu lösen, die sie stillschweigend bis in den Tod gepflegt hatte. Alzheimer-Demenz.“ (Stress mit Rose, Seite 8)

Nun ist Rose in Bossington angekommen – und will eigentlich nur ihre Ruhe haben. Keine Menschen, nur ihre Ruhe. Und neue Möbel.

Doch es ist gar nicht so einfach, die alten Möbel und damit verbundene – vielleicht auch schlechte – Gefühle und Gewohnheiten loszuwerden.

„Sie wollte Ruhe finden, doch sie fand nur eine neue Getriebenheit. Alte Verhaltensmuster schlichen sich wieder ein und Rose verließ nur noch für dringende Erledigungen ihr Haus. Den Rest des Tages sperrte sie sich selbst ein. Der Garten schien ihr nicht mehr wichtig. […] Das Cottage wurde zu Roses Gefängnis.“ (Stress mit Rose, Seite 37/38)

Auch wenn die Einwohner Bossingtons und Umgebung Rose ihre Hilfe anbieten, braucht die alte Dame noch sehr viel Zeit und Eigenarbeit, um Gefallen und Hilfe anzunehmen und nicht mehr als „Gegenleistungsdruck“ wahrzunehmen.

Eine wichtige Rolle bei dieser Arbeit spielt Eiven, der einen Handel für alle möglichen Dinge des Lebens betreibt und für Rose einen geeigneten Tisch im Blick hat.

Eiven ist das genaue Gegenteil von Rose: freundlich, herzlich und hilfsbereit. Ein geachteter und geschätzter Bewohner der Küstengegend.

„Alles, was Eiven tat, kam von Herzen. In dieser Umgebung kann man nur mit vollem Herzen leben, hatte sein Vater ihn und seine Schwester gelehrt und es ihnen vorgelebt. Auch die Mutter hatte nie geklagt und viel gelacht. Das hatte Eiven übernommen und die Kunden spürten förmlich die Herzlichkeit, mit der der alte Mann sein Geschäft betrieb.“ (Stress mit Rose, Seite 45)

Im Laufe der Geschichte lernen wir noch weitere Charaktere kennen, die in Bossington leben, sich eigentlich einander helfen – und in Rose eine starke Herausforderung haben, denn die alte Dame ist störrisch, negativ eingestellt und passt grob gesagt nicht in die Gegend, in der das Leben harmonisch verläuft.

Doch Eiven ist sich sicher, dass sich das Verhalten und das Leben von Rose zum Besseren ändern wird – auch mit Hilfe eines neuen Tischs, den er für Rose gefunden hat.

Es dauert seine Zeit, bis der neue Tisch – kleiner, rund, gemütlich aber bearbeitungsbedürftig – den Weg ins Rose Cottage findet. Und selbst dann liegt noch viel Arbeit vor der alten Dame, die sich zunächst nicht von dem alten Möbelstück trennen kann:

„Im Haus herrschte Stille. Das Zischen aus dem Esszimmer war verschwunden und so wagte sie einen Blick dort hinein. Wie zwei beleidigte Wesen lehnten die Tische an den Wänden und warteten auf ihre Entscheidung. […] Sie kam sich plötzlich respektlos vor, dieses Möbelstück wegzugeben, wo es doch ihr ganzes Leben begleitet hatte. […] Die Vergangenheit klebte an Rose wie ekelhafter Leim, den sie nicht loswerden konnte.“ (Stress mit Rose, Seite 67)

Während Rose nach langer Zeit einverstanden ist, den alten Tisch loszuwerden, muss sie noch einige Arbeit in das neue Möbelstück investieren – und damit Arbeit in sich selbst. Denn der Tisch birgt ein Geheimnis, dass erst freigelegt werden muss – Stück für Stück, Schicht für Schicht…

Rose beginnt, sich langsam zu verändern – doch immer wieder gibt es Rückfälle…

„Veränderungen brauchen Zeit, viel Zeit. Je nachdem, wie groß sie sind. Heilung braucht Zeit, viel Zeit. Je nachdem, wie groß die Verletzungen sind. Diese Zeit muss man sich nehmen, wenn man in ein neues Leben hineinfinden will. […] Man muss die Bequemlichkeit aufgeben, Gewohnheiten verändern und alte Gefühle verlassen, die einen immer wieder einzuholen versuchen.

Doch was nützt es, in der Vergangenheit zu leben, wenn es die Gegenwart ruiniert und die Zukunft zerstört?

Es gibt Menschen, die nehmen ihr ruiniertes Leben mit ins Grab. Aber es gibt auch solche, die es schaffen, ihre Zukunft neu zu gestalten und ein glückliches Leben mit ins Grab nehmen.“ (Stress mit Rose, Seite 191/192)

Langsam greifen die Veränderungen – auch wenn es stellenweise schwer für Rose ist, sich ein neues Leben aufzubauen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Hilfreich dabei ist auch die Umgebung des Ortes, nah am Meer und voll mit interessanten Menschen und positiven Momenten, die Rose Halt geben.

=> Wie lange wird Rose brauchen, um den Tisch und die Stühle fertigzustellen?

=> Welche Auswirkungen haben die Arbeiten an dem Tisch – und was ist sein Geheimnis?

=> Wird Roses nächstes Weihnachtsfest besser ausfallen als das letzte?

=> Wie ist eigentlich die echte Rose, die hinter der störrisch-negativen Fassade versteckt war?


Wenn ihr die echte Rose kennenlernen wollt, lest den Roman von Marion Schreiner und lasst euch an die britische Südwestküste versetzen.

Vielleicht findet ihr auch die Stelle im Buch, an der sich Marion Schreiner selbst ein kleines Charakterdenkmal gesetzt hat 🙂 (Kleiner Hinweis: es hat mit Socken zu tun)

Und nicht vergessen: Positiv bleiben hilft im Leben!

„Alles im Leben ist eine Frage der Entscheidung.

Sie haben immer die Wahl.

Ich habe mich stets für das Bunte und Glückliche entschieden und dem Schlechten keinen Blick geschenkt.“

(Stress mit Rose, Seite 99/100)

~ Hochsensibel geboren – ein Buch von großer Bedeutung ~

Note to my english-speaking readers: This article will only be available in german language. If you are interested in it – contact me and I tell you about it. Thank you.

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„‚Ach herrje, was bist du überempfindlich!‘ ‚Verträgst du denn gar nichts?‘ ‚Jetzt überreagierst du aber!‘

Das alles haben wir schon zigmal gehört. Die negativen Kommentare, wie mimosenhaft wir seien, wie wir auf alles überreagierten, von Gerüchen und Stimmen über Geräusche und Lärm bis hin zu Stress.

Andere hielten sehr viel mehr aus. Andere vertrugen etwas. Andere kamen klar. Andere sahen über etwas hinweg.“

(Hochsensibel geboren, Seite 11)

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann und wie ich auf dieses Buch aufmerksam wurde. Vielleicht habe ich es in einer Zeitschrift gesehen, vielleicht aber auch einen Facebook-Post gelesen – ich kann es nicht mehr sagen.

Was ich weiß: es ist eines der interessantesten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe – abgesehen von deutschen und englischen Romanen.

Vielen werden, wenn sie die Autoren lesen, denken: naja, das ist bestimmt wieder so ein Pseudo-Selbsthilfebuch, was nicht unbedingt lesenswert ist. Hier ist das Gegenteil der Fall.

Märtha Louise und Elisabeth Nordeng haben einen einfühlsamen Schreibstil, der persönliche Anekdoten verbindet mit belegbaren Informationen über den Charakterzug der Hochsensibilität. So informieren sie über bisherige Forschungen auf dem Gebiet, u.a. durch die amerikanische Spezialistin Elaine N. Aron und stellen klar heraus, dass es unterschiedliche Typen von hochsensiblen Menschen gibt – die introvertiert geprägten und die extrovertiert geprägten, die High Sensation Seeker (HSS), zu denen auch die beiden Autorinnen gehören.

„Gehirnforscher der University of British Columbia und der Cornell University haben also Unterschiede zwischen dem Gehirn von Hochsensiblen und dem von Nichthochsensiblen nachgewiesen. Weil das Nervensysten Hochsensibler feinfühliger ist, muss ihr Gehirn mehr Prozesse verarbeiten. Deshalb lautet der wissenschaftliche Terminus für dieses Persönlichkeitsmerkmal sensory-processing sensitivity.“

(Hochsensibel geboren, S. 20)

Über Erlebnisse und Erfahrungen von der frühen Kindheit, über die Jugendzeit bis hin ins Erwachsenenalter mit seinen Herausforderungen – in dem Buch geben uns Märtha Louise und Elisabeth einen Einblick in ihre Leben und in Zeiten, in denen sie gestrauchelt sind und sich unverstanden fühlten. Es hat für beide eine Weile gedauert, bis sie sich über ihre Hochsensibilität im Klaren waren.

„Mit der Zeit verstanden sie, wie es um mich bestellt war. Sie begriffen, dass ich vergnügt war, es mir irgendwann aber schlicht und einfach zu viel wurde. Und ich erkannte, dass ich Pausen einlegen musste und Zeit für mich alleine brauchte, auch wenn die anderen dieses Bedürfnis nicht hatten.“

(Hochsensibel geboren, S. 74)

In ihrem Buch machen die beiden Autorinnen auch deutlich, dass Hochsensibilität kein „rein weiblicher“ Lebenszug ist, sondern dass genauso viele Männer einen hochsensiblen Charakterzug in sich tragen. Sie machen uns Lesern auch bewusst, dass es kein „Fehler“ ist, den man als Mann oder heranwachsender Junge ausmerzen und beseitigen muss, sondern dass man seine Gefühle und seine Sinneswahrnehmungen und damit auch seine Einfühlsamkeit positiv in sein Leben einbauen kann und sollte. – Feiert die Sensibilität!

„[Abschnitt über Arne Kristian Kolberg, Konzernchef Nortura] Ich bin brennend an den Menschen um mich herum interessiert und daran, etwas Sinnvolles zu tun, und ich möchte bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so gerne Freude und Inspiration triggern. […] Kolberg überlegte eine Weile, ob mit ihm etwas nicht stimme, doch als er nach und nach mehr über Hochsensibilität las und mit verschiedenen Menschen sprach, denen es genauso ging, entdeckte er, dass es eine Bereicherung war.“

(Hochsensibel geboren, S. 146)

In „Hochsensibel geboren – Wie Empfindsamkeit stark machen kann“ geben Märtha Louise und Elisabeth Nordeng auch Anleitungen und zeigen Möglichkeiten auf, wie man im Alltag mit seiner (eventuell gerade erkannten) Hochsensibilität besser zurechtkommt und sich nicht überfordert. Das alles geschieht in einem wunderbar positiven Ton und ich empfinde es als besonders wohltuend, dass Personen, die im öffentlichen Leben stehen, die Leser in ihren Alltag und ihren Charakter mitnehmen – um eine Stütze zu sein, um zu helfen und um einen positiven Effekt zu hinterlassen.

„Gar zu viele Menschen trauen sich nicht zu erzählen, wer sie eigentlich sind. Sie trauen sich nicht, ihre Stimme zu gebrauchen. Sie wurden mit einem großen Potenzial geboren, trauen sich aber nicht, es auszuleben.

Meine Erfahrung ist, dass die Welt ein besserer Ort wird, wenn wir uns trauen, der Mensch zu sein, der zu sein wir geboren sind. Nicht der, der wir nach Ansicht aller anderen sein sollten.“

(Hochsensibel geboren, S. 262)

Definitiv eine Leseempfehlung für Jeden!

P.S.: Über dieses Buch könnte man noch eine ganze Menge weiterer Worte verlieren – doch ich überlasse es den Lesern und Interessierten, sich ihre Meinung zu bilden und offen an das Buch und seine Autorinnen heranzugehen.

~ Marion Schreiner: „Es blieb nur dieser Blick“ ~

„Doch sollte ich eines Tages wieder in die Freiheit gelangen und mich stark fühlen, dann werde ich ihn suchen gehen,…wo auch immer er sein mag!“

(S. 358)

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Dies sind mit die letzten Worte in diesem Buch – die Worte von Rachel Finley, die in Ihrem Leben viel erlebt hat, aber trotzdem noch Hoffnung hat.

These are some of the last words of the book – the words of Rachel Finley who has been through a lot in life but still has hope.

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~ Das neueste Werk von Marion Schreiner ~

Und gerade diese letzten Worte machen Lust auf eine Fortsetzung dieses Romans von Marion Schreiner, dessen Entstehung sie vielleicht gerade jetzt nachgeht. Schließlich ist die Autorin zur Zeit wieder auf britischem Boden unterwegs, um Ruhe und Inspiration zu finden – und uns vielleicht mit einer weiteren Geschichte über Rachel und Kale Hatfield zu erfreuen.

And exactly these last words are calling for a sequel of the story which maybe Marion Schreiner is working at at the moment. The author is right now in England to find inspiration and a quiet place to write – maybe the sequel to the story of Rachel and Kale Hatfield.

Auch, wenn die Geschichte von Kale Hatfield eigentlich keinen schönen Hintergrund hat, zieht sie uns, den Leser, in einen Bannkreis, den man bis zum Ende des Buches nicht wieder verlässt.

Also – the story of Kale Hatfield is not one with a friendly background – but it draws us readers to it until you reach the last site – and never lets you go.

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Kale und Rachel sind zwei Protagonisten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie ist ein typischer Einzelgänger, etwas menschenscheu und eigentlich zu kopfgesteuert im Gegensatz zu den meisten Menschen. Sie plant gern und hat kleinere Probleme mit spontanen Situationen und ihrer Reaktion darauf.

Kale and Rachel are two protagonists which can’t be more different. She is more of a lonesome girl, a little bit shy and for the most people she relates to much to her brain. She likes to plan things and has some smaller problems with spontaneous situations and her reaction to them.

Wir erleben auf den ersten Seiten einen Einblick in die erste Begegnung der beiden in ihrer Schulzeit, die jedoch nur von kurzer Dauer war.

We get to see them at their first meeting during their schooldays, but this was only on a shorter period.

Die nächste richtige Begegnung haben beide, als sich Rachel mit ihm wegen seiner Unpünktlichkeit bei der Arbeit unterhalten möchte. Zwar kann sie ihm kurzfristig helfen, wird dann aber wieder enttäuscht – zumindest denkt sie das. Zu diesem Zeitpunkt weiss sie noch nichts über seine Vergangenheit und ist ein wenig irritiert. Sie kündigt ebenfalls ihren Job und zieht in eine andere Stadt, findet Anstellung in einem Buchladen und lebt ihr eigenes Leben.

The next real encounter both of them have when Rachel tries to talk to him about him being late for work. She manages to help him – but only for a short time. Then she got disappointed – or at least she thinks so. At this point she doesn’t know anything about the history of Kale and feels a little bit irritated. She also quits the job, moves to another city and gets to work at a bookstore. She is living her own little life.

Kale hingegen würde nichts lieber tun, als sein eigenes ruhiges Leben zu führen – doch auf Grund seiner Vergangenheit ist ihm das nicht vergönnt.

Kale would also give the world for the chance of living his own life – because of his history the young man is not able to do so.

Er war brutalen Misshandlungen ausgesetzt, hat auf Grund dessen mehrere Persönlichkeiten entwickelt, die in bestimmten Situationen hervortreten und sein Verhalten dominieren. Dabei wird sein eigenes Ich sozusagen für diese Zeit ausgeschaltet.

He was abused in a really bad way and developed other personalities who come to life in different situations and then dominate Kale’s behaviour. His own self is put to rest for this period of time.

„Tut es noch weh?“, fragte Lydia, die weinte.

Er blieb stehen und sah auf sein verletztes Bein. Was war passiert?

„Es wird alles wieder gut“, sagte Lydia. Kale keuchte. Wie gerne hätte er jetzt sein Leben beendet, doch Lydia bewahrte ihn davor. Sie war die Einzige, die ihm Zuversicht schenkte. Er nutzte seine letzte Kraft und schleppte sich in den nächsten Ort.“

(s. 71/72)

Nicht alle seine Persönlichkeiten sind so fürsorglich und nett wie Lydia und in „Es blieb nur dieser Blick“ lernen wir auch alle kennen.

Not all of his personalities are as friendly as Lydia and we get to know all of them during the course of the book.

In between the scenes we get to see glimpses of the past and get to know what happened to Kale in his childhood and how the „others“ came to life.

Zwischendurch wandern wir immer wieder in die Vergangenheit und erleben mit, was Kale in seiner Kindheit passiert ist und wann die „anderen“ entstanden sind.

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Der erste, der auf die verschiedenen Persönlichkeiten aufmerksam wird ist ein Mann der Kirche – Reverend Diekon. Aber auch er kann Kale nur bedingt helfen und letztendlich landet der junge zerrissene Mann in der Obhut einer Klinik.

The first one to be aware of these personalities is Reverend Diekon who finds Kale and is taking care of him for some time. But he can also help so much and then the young man is admitted to a local clinic.

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~ Ein kleiner Einblick in die Aufteilung des Buches ~

Doch Rachel schafft es, mit Hilfe des behandelnden Arztes, zu ihm durchzudringen und hat es sich zum Ziel gemacht, ein Leben mit Kale aufzubauen.

But Rachel is keen – with the help of the doctor – to get through to him and it becomes her goal to get a life with Kale.

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Das Wort „schwierig“ ist noch gar kein Ausdruck für das, was da auf Rachel zukommt…

But „difficult“ is not describing the slightest thing of problems coming towards Rachel…

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  • Welche Chancen haben Kale und Rachel?
  • What are the chances for Kale and Rachel?
  • Was ist Kale in seiner Kindheit geschehen?
  • What happened to Kale during his childhood?
  • Was ist das Besondere an der Beziehung von Kale und Rachel?
  • What is so special about the relationship between Kale and Rachel?
  • Wie wirken sich seine Persönlichkeiten sonst noch aus?
  • What are his other personalities like?
  • Wer ist Tristan und wie kann er aufgehalten werden? Ist das eine gute Idee?
  • Who is Tristan and how can he be tamed? Is this a good idea?
  • Hat Kale eine Chance auf ein halbwegs glückliches Leben?
  • Does Kale have a chance for a good life?

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Diese und andere Fragen beantwortet Marion Schreiner in ihrem neuesten Thriller, den man sich übrigens auch gut als Film vorstellen könnte. Sie hat wieder einmal Charaktere geschaffen, die vielschichtiger nicht sein könnten und auch die Nebencharaktere sind gut entwickelt. Sie stehen den Hauptcharakteren in nichts nach.

These and other questions are answered by Marion Schreiner in her newest book – which one can also imagine quite well as a movie. She has developed interesting characters who couldn’t be more complex. Also the minor characters are really interesting and you can really picture them while reading.

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Ich kann „Es blieb nur dieser Blick“ nur empfehlen und habe dank Marion Schreiner auch ein Exemplar dieses Buches zu vergeben!

I can definitely recommend this book and have – thanks to Marion Schreiner – one book to give away!

Wer sich einen Einblick in die Geschichte von Kale und Rachel verschaffen will, kann sich bei mir melden und mir mitteilen, was er sich von der Geschichte erhofft. Interessant wäre auch noch zu wissen, ob ihr bereits ein Buch der Autorin gelesen habt oder sozusagen „Neuleser“ seid.

To get a look into the story of Kale and Rachel please write a comment or an email to me – tell me why you are interested in the story. It would also be nice to know if you have already read some of the work of Marion or if you are a „new reader“.

Bitte meldet euch – ihr habt bis Freitag nächste Woche Zeit! Viel Glück!

Please get in touch – you can write me until Friday next week. Happy Writing 🙂

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Übrigens hat Marion Schreiner auf Facebook eine Seite zum Charakter Kale Hatfield eingerichtet, auf der man sich Hintergrundinformationen anschauen kann.

By the way, Marion Schreiner has published a character-site for Kale Hatfield where you can get inside information.

~ L.M. Montgomery: „Das Schloss in den Wolken“ (orig. „The Blue Castle“) ~

Note to english-speaking readers: the english version of this article will be online in the next few days – please be patient 🙂

Als ich vor kurzem „Wunder wie diese“ gelesen hatte, dachte ich nicht, dass mir so schnell ein besseres Buch vor die Nase kommt – aber mit meinem letzten Buchkauf habe ich wohl sehr viel Glück gehabt 🙂

„Das Schloss in den Wolken“ ist ein kleines Lesejuwel, wie ich es schon lange nicht mehr hatte. Viele Bücher, die ich gelesen habe, hatten das gewisse „Etwas“, aber nicht so deutlich hervortretend, wie in diesem Roman von Lucy Maud Montgomery, der im englischsprachigen Original 1926 herausgegeben wurde.

Bereits der Schutzumschlag machte mich neugierig – und ich bin für meine Neugier belohnt worden 🙂

Quelle: Presseportal des Carlsen-Verlags
Quelle: Presseportal des Carlsen-Verlags

Wer den Schutzumschlag nicht mag, könnte diesen auch abnehmen und wird mit den Blumenranken über das komplette Format begrüßt – egal wie, dieses Buch hat mich gefesselt.

Und daran lag auch das Knifflige beim Lesen – liest man lieber lange und ausgiebig, um sich richtig tief in die Geschichte ziehen zu lassen? Oder liest man in mehreren Abschnitten, um mehr vom Erleben zu haben und länger bei den Charakteren verweilen zu können?

Diese Entscheidung fiel mir manchmal nicht gerade leicht, und so habe ich das Buch doch mehrere Male weggelegt, nur um wenige Minuten danach erneut danach zu greifen und weiterzulesen…

Doch nun zum Buch selbst…

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„Hätte es an jenem Morgen im Mai nicht geregnet, hätte Valancy Stirlings Leben einen völlig anderen Verlauf genommen. Sie wäre zu Tante Wellingtons Verlobungspicknick gegangen, und Dr. Trent hätte sich nach Montreal aufgemacht. Doch es regnete, und was ihr deshalb wiederfuhr, will ich nun erzählen.“

(S. 5)

Mit diesen Worten beginnt Lucy Maud Montgomery – oder die Übersetzerin ihres Werkes – die Geschichte von Valancy Stirling.

Und diese junge Dame hat es wirklich nicht leicht im Leben – zu den damaligen Zeiten schon nicht – und würde man die Handlung in die heutige Zeit versetzen – wäre sie auch nicht glücklicher.

Als Leser wird man in Valancys kalte Wirklichkeit hineingeschmissen – und muss sich erstmal in dieser zurechtfinden. Die verschiedenen Personen, die sie im wahrsten Sinne des Wortes „ertragen“ muss und die alle irgendwie zu ihrer Familie gehören. Noch dazu kommt ihr Zimmer, welches ihren Frust nur noch vergrößert…

„Sie hatte einen Sinn für Humor, von dem niemand in ihrer Familie etwas ahnte – was im Übrigen auch für andere ihrer Eigenschaften galt. Aber das Lachen verging ihr gleich wieder, und so lag sie im Bett, ein nichtiges Häufchen Elend, lauschte dem Prasseln des Regens und beobachtete mit verdrossenem Widerwillen, wie das kalte, gnadenlose Licht in ihre hässliche, schäbige Kammer kroch.

Sie kannte die Hässlichkeit dieses Zimmers in- und auswendig – kannte und hasste sie. Der gelb gestrichene Fußboden mit dem scheußlichen gehäkelten Bettvorleger, von dem ein grotesker gehäkelter Hund sie jeden Morgen beim Aufwachen angrinste; die von alten Wasserflecken und Rissen übersähte Zimmerdecke […]“

(S.7)

Die Beschreibungen ziehen sich noch eine Weile hin und dann kommen wir auch schon zu Valancys größtem Problem: sie ist zu angepasst, spricht nie Widerworte und würde trotzdem am liebsten aus ihrer Welt entfliehen:

„Manchmal dachte Valancy, dass sie selbst ihr Zimmer etwas hübscher machen könnte, auch ohne Geld, wenn man sie nur ließe. Doch ihre Mutter hatte jeden noch so schüchternen Vorschlag abgeschmettert und Valancy beharrte nicht darauf. Valancy beharrte nie auf irgendetwas. Sie traute sich nicht. Ihre Mutter ertrug keinen Widerspruch. Wenn sie gekränkt war, gebärdete sich Mrs. Stirling tagelang wie eine beleidigte Majestät.“

(S. 8/9)

Alles in allem ist Valancys Leben also ziemlich trostlos: sie ist 29, lebt unter der Fuchtel ihrer Mutter und ihrer sonstigen Verwandtschaft und muss deren versteckten Spott und Hohn ertragen. Schließlich ist man mit 29 meistens verheiratet und hat schon eine eigene Familie gegründet, oder?

Zumindest in den Augen der damaligen Gesellschaft… und somit ist Valancys derzeitiger Status ein absolutes Versagen ihrerseits!

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Aber Valancy schafft sich Erholung in ihrem blauen Schloss.

Von diesem träumt sie schon seit sie ein kleines Mädchen war und dies ist ihre einzige Möglichkeit, mit Hilfe ihrer Fantasie ihrem tristen Leben zu entfliehen:

„Das Einzige, was ihr die Eintönigkeit ihrer Tage ertragen half, war die Aussicht, sich nachts in ihr Schloss träumen zu können. Die meisten, wenn nicht alle Stirlings wären vor Entsetzen tot umgefallen, hätten sie auch nur im Entferntesten geahnt, was Valancy in ihrem Blauen Schloss alles tat.“

(S. 10)

Zu Beginn des Buches erfahren wir ziemlich viel von Valancys Familie – ausführliche Beschreibungen von jedem Mitglied, das in der Geschichte eine Rolle spielt. Unbeliebte Tanten und Onkel werden vorgestellt und mit ihren Fehlern beurteilt.

Als Leser nimmt man unweigerlich Valancys Haltung ein und kann ihre Abneigung gegen all diese Personen förmlich spüren.

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Eine weitere Sache, die Valancy in all ihren Jahren zu Hause entwickelt hat – bzw. angerzogen bekam – ist Angst. Sie hat Angst, irgendjemanden zu verletzen, Angst, Widerworte zu geben und Angst, nicht zu gefallen. Sie ist demzufolge auch extrem angepasst und unterwürfig und behält ihre Meinung lieber für sich, als sich der herablassenden Betrachtung ihrer „Familie“ ausgesetzt zu sehen.

Noch dazu hasst Valancy es, dass ihre Familie sie ihres Namens „beraubt“ haben und sie immerzu „Doss“ rufen – eine Art Spitznamen, den sie noch nie mochte.

Aber Widerworte hat Valancy ja noch nie gegeben und so lässt sie sich weiterhin Doss nennen und bleibt gefangen in ihren anerzogenen Fesseln…

…bis sie einen Absatz eines Buches liest – und zu einem selbst gewählten Arzt geht!

„Angst ist die Ursünde. […] Nahezu alle Übel auf der Welt gehen darauf zurück, dass jemand vor etwas Angst hat. Angst ist eine kalte, glitschige Schlange, die sich um dich ringelt. Es ist schrecklich, mit Angst zu leben; und vor allen Dingen ist es entwürdigend.“

(S. 47)

Der Besuch bei Dr. Trent verläuft ganz zufriedenstellend – bis der Arzt schnellstmöglich die Stadt verlassen muss – und Valancy einige Tage später einen Brief bekommt:

„Dr. Trent teilte ihr mit, dass sie eine sehr gefährliche und tödliche Herzkrankheit habe, Angina Pectoris, allem Anschein nach verschlimmert durch ein Aneurysma (was auch immer das war) und im letzten Stadium. Er sagte schonungslos, dass man nichts dagegen tun könne. Wenn sie gut auf sich achtgebe, habe sie vielleicht noch ein Jahr zu leben, aber der Tod könne sie jederzeit ereilen.“

(S. 61)

Diese schreckliche Nachricht ist der Beginn von Valancys „neuem“ Leben – frei und ohne die Zwänge anderer!

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Was wird Valancy, die schwarzhaarige junge Frau, in diesem Jahr alles erleben?

Wie reagiert ihre starre Familie auf ihr neues Verhalten?

Was ist mit Valancys blauem Schloss?

Und was hat es mit Barney Snaith auf sich?

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Beim Lesen macht es richtig Spaß, Valancy  in ihr neues Leben zu begleiten und ihre Verwandlung zu beobachten – vom verschüchterten und verängstigen Mäuschen hin zu einer Frau, die im Leben steht, die dieses auch auskostet und nicht nur an Konventionen denkt – sondern an eben dieses Leben.

Sie hat verinnerlicht, dass man nur ein Leben hat und das Beste aus diesem machen sollte – denn es kann so schnell vorbei sein.

„Das Schloss in den Wolken“ ist ein Lesejuwel einer großartigen Schriftstellerin und sehr zu empfehlen.

Wer Lucy Maud Montgomery nicht schon längst durch ihre Bücher rund um „Anne auf Green Gables“ kennt, sollte sie mit diesem Buch kennenlernen bzw. die Bekanntschaft vertiefen!

Eine definitive Leseempfehlung für alle, die einmal komplett in einer Geschichte gefangen sein wollen und mit einem guten Gefühl eine Geschichte beenden möchten 🙂