~ Anne Rice: Interview mit einem Vampire – Claudias Story ~

Note to my english speaking readers: this article will only be in german language. Should you be interested in further details, please contact me. Thank you

***

Anne Rice’s „Interview mit einem Vampir“ hat mich sowohl in der Buchversion als auch in der filmischen Umsetzung mit Brad Pitt als Louis, Tom Cruise als Lestat und Kirsten Dunst als Claudia sehr bewegt.

source: https://nerdist.com/wp-content/uploads/2016/05/Interview-with-a-Vampire-interview-with-a-vampire-12423170-1280-720.jpg
source: https://nerdist.com/wp-content/uploads/2016/05/Interview-with-a-Vampire-interview-with-a-vampire-12423170-1280-720.jpg

Und noch immer ist diese filmische Umsetzung eine der stärksten die es gibt – auch wenn es dazu manch andere Stimmen gibt.

Nun gibt es seit einiger Zeit eine wunderschöne Graphic Novel zu der Geschichte rund um Louis, Lestat und Claudia – fantastisch umgesetzt von Ashley Marie Witter.

Dieses schöne Exemplar hat bei meinem Berlin-Kurztrip auch seinen Weg zu mir gefunden und die Gestaltung ist wirklich sehr schön: liebevolle Umschlaggestaltung, feste und dicke Seiten und eine sehr detaillierte Gestaltung der Grafiken runden diese Graphic Novel ab.

Zur Geschichte selbst gibt es glaub ich nicht viel zu sagen. Jeder, der das Buch und/oder den Film gesehen hat, kennt den Handlungsstrang von „Interview mit einem Vampir“. Und auch in der Graphic Novel gibt es nicht sonderlich viel Neues, außer, dass der Fokus auf Claudias Charakter liegt und sie in den Vordergrund der Handlungen stellt.

Ansonsten das aus Film und Buch Bekannte, beginnend hier mit der Verwandlung Claudias zum Vampir durch Lestat über die wachsende Abneigung von Claudia gegenüber Lestat bis hin zur Suche nach anderen Vampiren und dem Ende von Claudia im Sonnenlicht.

Alles in allem kann ich „Interview mit einem Vampir: Claudias Story“ sehr empfehlen – nicht nur für Liebhaber von Graphic Novels, sondern auch für jene, die die literarische Vorlage und den Film mögen.

 

Kennt ihr diese Graphic Novel schon?

Was haltet ihr davon?

~ Marion Schreiner: „Lydias Haus“ ~

Dear english-speaking readers: Please note that the books of Marion Schreiner are only available in german language. If any of you would like to have the quotes in english – please contact me 🙂 and I will happily translate.

Nach den Ereignissen in „Es blieb nur dieser Blick“ schrieb Marion Schreiner rasch den nachfolgenden Krimi „Lydias Haus“, der uns noch tiefer in die Geschichte von Kale Hatfield und Rachel Finley zieht.

After the things happening in „Just this look…“ Marion Schreiner worked really fast to give us readers the following novel with the title „The House of Lydia“, which pulls us deeper into the story of Kale Hatfield and Rachel Finley.

lydias haus marion homepage
Quelle: Homepage Marion Schreiner

Nach den Ereignissen am Ende des ersten Teils landet Rachel in einer Psychiatrie, da sie in dem starken Glauben, den Tod Kales verursacht zu haben, selbstmordgefährdet ist und unter Beobachtung steht.

After what happened at the end of the first book Rachel is now living in a psychiatry. She believes that she is responsible for the death of Kale and so she is in a suicidal mood and needs care.

Slowly she learns to manage her life again.

Langsam lernt sie, ihr Leben wieder in Angriff zu nehmen und selbst zu bewältigen.

Doch die Erinnerung und die Ungewissheit um das Schicksal von Kale lassen ihr keine Ruhe…

But the memories are haunting her and she desperately needs to know what happened to Kale.

And also another person has an eye on Rachel…

Und noch eine Person hat Rachel unter Beobachtung…

„War es nicht ein merkwürdiges Zusammentreffen von Lydia Hays und mir? […] Sie heilte meine verunglückte Welt ein wenig in einer Art und Weise, die sich befreiend anfühlte.“

(E-Book-Ausgabe, S. 36)

Was Rachel nicht weiß: Kale hat die Ereignisse im Wald überlebt und sich seines jahrelangen Peinigers entledigt. Besser gesagt: Tristan hat dies getan.

Diese eine seiner Persönlichkeiten, die zu Gewalttaten neigt und vor nichts zurückschreckt.

Here’s the thing that Rachel doesn’t know: Kale lived through the things that happened in the woods and stopped the life of his plaguer. Better: Tristan ended the life of Ian Morgan.

He is one of Kales personalities – the one who is drawn to violence and isn’t shy about cruel situations.

Zwar hat er ihm in diesem Fall „geholfen“, aber nicht ohne den Preis des Lebens eines Unschuldigen einzufordern. Tristan ist unberechenbar und schreckt auch nicht davor zurück, Kale selbst verletzen zu wollen…

In this case he „helped“ Kale, but not without ending the life of an innocent man. Tristan is erratic and he also isn’t shy about hurting even Kale himself…

„So kümmerten sich alle wie eine große Familie um Kale und retteten sein Leben.

Zum ersten Mal hatten sich alle gegen Tristan verbündet und sich so offensichtlich und solidarisch auf Kales Seite gestellt wie nie zuvor. […]

Er sollte endlich das Grundvertrauen gewinnen, dass er nicht alleine war.“

(E-Book-Ausgabe, S. 96)

In „Lydias Haus“ erleben wir mit, wie Kale versucht, mit seinem Leben klar zu kommen und welche Schwierigkeiten er dabei hat. Er lernt eine nette Frau kennen, Jennifer Gordon, mit der er kurze Zeit zusammenlebt. Allerdings auch nicht ohne Schwierigkeiten. Da er keine körperliche Nähe zulassen kann, ohne dass Tristan in Erscheinung tritt, leidet die Beziehung. Jennifer wird schwanger, aber trotzdem kann diese Beziehung nicht funktionieren, obwohl sich Kale sehr bemüht, für Jenn und das Kind zu sorgen. Ihrer beider Tochter wird letztendlich von Jenn zur Adoption freigegeben…

In „The House of Lydia“ we get to see how Kale tries to cope with his life and what kind of problems he is facing. He got to met a nice woman called Jennifer Gordon, with whom he lives together for a short period of time. But not without further problems.

Since he can’t let physical closeness happen with others without Tristan coming to life – it is sure that this relationship can’t work. Still, Jennifer gets pregnant and Kale really works hard to be there for her and the child. But Jennifer has no real feelings for her child and so the baby-girl of her and Kale is adopted…

***

Währenddessen verfolgen wir, wie Rachels Leben mit Lydia Hays weitergeht, nachdem diese sie zu sich genommen hat…

Also Rachel has to cope with his life with Lydia Hays, after the doctor take her to live together in her house…

„Hier stellt sich bald die Frage, wer von uns beiden eine Therapie brauchte.“

(E-Book-Ausgabe, S. 125)

Rachel hatte schon von Beginn an ein merkwürdiges Gefühl, als sie bei Lydia einzog. Die Ärztin benahm sich merkwürdig und Rachel fühlte sich überwacht und hatte den Verdacht, dass ihr etwas verschwiegen wurde.

From the first moment on Rachel had a strange feeling about moving in with Lydia. The doctor behaved odd and Rachel felt controlled and had the feeling that something wasn’t right…

After a while she decided to turn things around to get more information about Lydia and maybe get away from this place…

Nach einer Weile sann sie auf eine List, um mehr über Lydia zu erfahren und vielleicht auch von ihr wegzukommen…

„Meine ersten Versuche mit der hellgrünen Pille hatten funktioniert. […] Ich war ganz neugierig, wie das Medikament auf sie wirken würde. […] Ich wollter sie beobachten und studieren.“

(E-Book-Ausgabe, S. 247)

Währenddessen landet Kale in einer sehr verzwickten Situation mit dubiosen Gestalten, die für ihn mitunter lebensgefährlich werden kann. Darunter leidet nicht nur er – sondern auch Jenn, die diese Aktion ins Krankenhaus bringt…

Meanwhile Kale was trapped in a situation with shady characters that could turn out bad for him. Not only he is suffering, but also Jenn, who is brought to hospital after being attacked…

***

Während all dieser Geschehnisse rund um Rachel und Kale erfahren wir auch Interessantes über die Vergangenheit von Lydia Hays, die Kale persönlich kennengelernt hat. Wir erfahren, dass sie eine Kundin von Kale in dessen Tagen als Dressman war – und noch einiges zu verbergen hat…

With all these things happening we also get to know some things about the past of Lydia Hays… She personally knows Kale because she was a client of his during his work as a dressman. And… she has some other secrets…

Gegen Ende dieses Teils misstraut Rachel dieser Lydia Hays so sehr, dass sie ihr zukünftiges Verhalten nicht mehr richtig einschätzen kann und stetig unsicherer wird.

At the end of this story Rachel is really distrustful of Lydia – and she really can’t rate the reactions of the doctor…

„Ja, ich vertraute jedem so lange, bis ich ihm überhaupt nicht mehr vertraute. Dieser Fall war jetzt eingetreten und ich bezweifelte, dass ich meine Unsicherheit vor ihr verbergen konnte.“

(E-Book-Ausgabe, S. 265)

Trotz der Vorliebe für starke, ernste und düstere Themen hat Marion Schreiner in „Lydias Haus“ ein Herz für die Fans von Happy-Ends und gibt Kale und Rachel zum Ende zu ein filmreifes Wiedersehen, welches man sich gut auf einer Leinwand vorstellen kann:

Even though Marion Schreiner is writing dark and strong stories, she has a heart for the lovers of happy-ends. So Rachel and Kale are getting their movie-like reunion…

„Ich sah, wie er winkte, sich dann umdrehte und zu seinem Wagen ging. Ich ließ ihn ziehen, denn es konnte nicht Kale sein. Er wäre bei meinem Anblick zurückgekommen und hatte mich hier rausgeholt…“

„Kale sah noch einmal zu Rachel hinüber. Sie lächelte nicht, als er ihr zuwinkte. […] Er drehte sich um und ging zu seinem Wagen. Wenn sie es verhindern wollte, hätte sie gerufen oder gewunken.“

„Es passierte etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte: Kale Hatfield nahm mich in seine Arme.“

(E-Book-Ausgabe, S. 274/ 275)

…if only for a short time…

We know that the story of Kale and Rachel – and Lydia – is not over yet.

And so Marion Schreiner is putting in some words to make us curious for the third novel in the story of Kale Hatfield…

Allerdings kann dieses Geschichte um Kale und Rachel – und Lydia – hier nicht zu Ende sein und so findet Marion Schreiner auch ein paar schöne Worte, um uns auf den nächsten Teil neugierig zu machen…

„Denn als ich Lydias Blick sah, wusste ich, dass noch zu viele Geheimnisse zwischen uns standen, die das Glück von Kale Hatfield verhindern würden.“

(E-Book-Ausgabe, S. 275)

lydias haus 2
Screenshot-Quelle: Amazon

Der dritte Teil der Geschichte um Kale Hatfield ist in Arbeit, sogar fast fertig und Marion Schreiner gibt interessierten Lesern hier einen Einblick, wie es weitergeht…

Seid gespannt!

The third part of the story is in the works, nearly done – and Marion has given us some insights on the facebook-page on how the story continues…

Be curious!

~ Marion Schreiner: „Das blaue Haus“ ~

Bevor ich mich dem Roman von Cheryl Strayed – „Der große Trip – Wild“ (auch gesehen im Kino und sehr zu empfehlen) – widme, habe ich erst einmal ein anderes Buch beendet.

Dieses lag schon seit der Zeit vor Weihnachten bei mir herum und ich habe es stückchenweise gelesen: Marion Schreiners zweiter Teil der Trilogie um Dane Gelton und seine Familie: „Das blaue Haus“.

dbh
Bildquelle: http://www.book-on-demand.de/sites/default/sites/default/files/images/978-3-86386-068-4.png

Damit habe ich mein früheres Vorgehen weitergeführt und nähere mich Stück für Stück dem Beginn der Geschichte.

Habe ich mit „Vielleicht gab es keine Schuld“ zunächst die Geschichte von Dane’s Sohn Christopher verfolgt, erfuhr ich nun im zweiten der drei Bücher einiges über Dane’s Geschichte. Wie alles seinen Anfang nahm, erfahre ich dann später im ersten Teil der Trilogie mit dem Titel „Die Scheune“.

***

„Er lag in einem Zimmer. Schäbig sah es aus. Aus dem Waschbecken roch es nach Jauche, das Bett nach alter ungelüfteter Bettwäsche und die Wände nach abgestandenem Essen. Widerlich.

[…]

Seinen Namen konnte er unmöglich weiter benutzen, nicht, nachdem er offiziell gestorben war. Aber das wollte ihn jetzt nicht interessieren. Später wollte er sich damit beschäftigen, da würde er genug Zeit haben. Jetzt wollte er erst einmal die Ruhe genießen.“

(S. 9)

***

„Das blaue Haus“ beginnt mit der Zeit, die Dane in der Psychiatrie Heaven verbringt. Nach seinen letzten Morden wurde er dort eingeliefert und zunächst medikamentös ruhig gestellt. Wir folgen als Leser seinem Weg weiter und lesen seine Gedanken über die anderen Insassen der Psychiatrie und wie Dane seinen Plan entwickelte, aus der Heilanstalt zu fliehen.

Er nahm den günstigsten Weg, den er finden konnte: er wählte den Tod.

„Ein selbst herbeigeführter Erstickungstod schloss die Akte und Dr. Brickson ließ Dane Gelton, nachdem er weder Atmung noch Herzschlag bei ihm feststellen konnte, in den Keller der Klinik bringen. […] Dr. Brickson war eben ein Anfänger!“

(S. 38)

Nachdem Dane auch den Weg zurück in die reale Welt gefunden hat, will er sich eigentlich auf den Weg zu seiner Frau Sarah machen. Ein Schneesturm und eine Lungenentzündung machen ihm einen Strich durch die Rechnung – er landet in einem Krankenhaus in einem Zweibettzimmer.

Sein Mitpatient Ragee ist ein älterer Mann von über achtzig Jahren und war in seinem Berufsleben Psychiater. Er ist wegen eines gebrochenen Arms und seiner Herzwerte in dem Krankenhaus untergebracht. Seine Tochter Julie wird auch noch eine große Rolle im Verlauf des Romans spielen. Zunächst jedoch lernen wir sie als Ziehtochter Ragee’s kennen und als angestellte Krankenschwester.

„Julie war recht jung und schlank, aber nicht mehr so jung, dass man sie für einen Teenager halten konnte. Sie musste etwas über dreißig sein. Ihr Haar war lang und blond, und sie hatte ein hübsches Gesicht, das auch im Alter noch hübsch aussehen würde. Ein rotes Haarband hielt ihr Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden zusammen, wie es die Krankenhausvorschrift verlangte.“

(S. 98)

Da sich der Psychiater nicht aus einem vertreiben lässt, auch wenn man schon eine Weile im Ruhestand ist, ist es mehr als natürlich, dass sich Ragee näher mit seinem Zimmerkollegen beschäftigt. Schnell kommt der schlaue Mann dahinter, wen er da vor sich hat. Zwar benutzt Dane einen anderen Namen (Alan Christopher Campbell), aber Ragee lässt sich so leicht nichts vormachen.

Er und seine Ziehtochter versorgen Dane mit neuer Kleidung und Ragee bezahlt sogar seine Krankenhausrechnung. Dann nimmt er den mehrfachen Mörder und Psychopathen mit zu sich nach Hause.

In Erinnerung an einen ehemaligen Freund, dem er nicht bei seinen Problemen helfen konnte, versucht nun Ragee, Dane mit seinen Problemen zu helfen. Dabei versucht er, seine Pflegetochter Julie möglichst im Unklaren über die Identität seines Gastes zu lassen.

Nach und nach scheinen sich kleine Erfolge einzustellen und Alan aka Dane beginnt, Vertrauen zu Ragee zu fassen und fühlt sich zunehmend besser.

***

„Dane bemerkte, wie sich etwas in ihm zu verändern begann. Dinge wie Frühstücken, Lesen, Spazierengehen und Einkaufen begannen, ihn mit Freude zu erfüllen. Sogar der lästige Wohnungsputz bereitete ihm Spaß.“

(S. 182)

***

Dennoch ist dem Leser schon von Beginn an klar, dass diese Situation nicht ewig so harmonisch bleiben kann. Es liegt nicht in Danes Natur, ein harmonisches Leben zu führen. Nicht nach allem, was ihm widerfahren ist.

Im Laufe der Geschichte erfahren wir, was Julie mit Danes erneutem Zusammenbruch und dem Verlust seines Vertrauens zu Ragee zu tun hat.

In gewisser Weise hat sie auch eine wahnsinnige Seite, die erst durch Dane und ihre besessene Liebe zu ihm zum Vorschein kommt.

Eine Besessenheit, mit der sie nicht nur sich selbst schadet, sondern auch ihrem geliebten Ziehvater Ragee, Danes Frau Sarah und natürlich Dane selbst…

Der Weg in den Abgrund hat mit dem Zusammentreffen von Dane und Julie begonnen…

***

„Das blaue Haus“ – ist ein interessanter Roman, den Liebhaber von Krimigeschichten oder psychol0gischen Geschichten gelesen haben sollten.

Zwar ist es ungewöhnlich, eine Trilogie von hinten nach vorn zu lesen, aber ich fand dieses Experiment bis jetzt ziemlich interessant. Sicher ist es ungewöhnlich – und auch nicht in jedem Fall machbar – aber diese Trilogie war wie geschaffen dafür.

Ebenfalls einen Blick wert ist „Stumme laute Schreie“, der neueste Roman der Autorin Marion Schreiner, die sich derzeit wieder in England befindet und neuen Romanstoff verarbeitet.

***

Ein Interview der Autorin zu diesem Buch findet ihr hier.

***

Könntet ihr euch vorstellen, dieses Buch – oder die ganze Trilogie – zu lesen?

Welche Erwartungen habt ihr an die Geschichte?

~ Dracula – Die Wiederkehr ~

Eine Fortsetzung.

Der Zeitpunkt der Handlung: 25 Jahre nach den Geschehenissen aus Bram Stokers „Dracula“.

Eine Geschichte um Liebe, Hass, Wut, Familie und Vergeltung…

dracula
Bildquelle: http://www.literatopia.de/images/stories/Markus/dracula.jpg

Alles beginnt mit einem Brief. Einem Brief von Mina Harker an ihren Sohn Quincey – zu öffnen im Falle ihres plötzlichen oder unnatürlichen Todes:

 

“ Liebster Quincey,

mein geliebter Sohn – Dein ganzes Leben lang hast du vermutet, dass es zwischen uns Geheimnisse gibt. Ich fürchte, dass nun die Zeit gekommen ist, Dir die Wahrheit zu enthüllen. Sie Dir noch länger vorzuenthalten, würde bedeuten, Dein Leben und Deine unsterbliche Seele zu gefährden.

…..“

(S. 5)

Quincey Harker hat seinen Namen nicht ohne Grund, benannt wurde er in Erinnerung an einen tapferen Mann, den die Leser des originalen „Dracula“ kennen.

***

Der junge Quincey Harker hat nicht die Laufbahn eingeschlagen, die sein Vater Jonathan für ihn vorgesehen hatte. Dem Vater wäre es am liebsten gewesen, hätte sein Sohn seine beruflichen Wurzeln ebenfalls im Bereich der Rechtsanwaltstätigkeit gefunden, doch Quincey hat andere Pläne für sein Leben.

Er träumt davon, Schauspieler zu werden – und so lernen wir diese Figur des Romans auch bei der Aufführung eines Stückes kennen, dass er allein aufführt.

„Quincey Harker, der seinem Publikum den Rücken zugewandt hatte, verspürte angesichts seiner Genialität Stolz in sich aufwallen. Mit einem schnellen Lächeln streifte er seine Melone ab, klebte sich einen falschen Spitzbart an, setzte sich einen Spitzhut auf die Stirn, warf sich einen Umgang um die Schultern und sprang mit einer fließenden Bewegung, die er oft genug geübt hatte, auf den Rand des Medici-Brunnens. […]

Was er da trieb, wurde „Chapeaugraphie“ genannt – mit jedem Hutwechsel verwandelte sich die Gestalt auf der Bühne wie von Zauberhand in eine andere.“ (S. 32/33)

Wie in einem Buch mit dem Titel „Dracula“ zu erwarten, gibt es auch in „Dracula – Die Wiederkehr“ zeitiges und häufiges Blutvergießen.

„“Richtet mein Bad!“ befahl die Gräfin.

Die Frauen in Weiß zerrten das Mädchen eine Metallschiene an der Decke entlang und beförderten es so in ein anderes Zimmer. Die Báthory drehte sich um und folgte ihnen. […] Die junge Frau, deren Kehle sich ein mitleiderregendes Röcheln entrang, baumelte über dem Rand der leeren Wanne. […] Im selben Moment schlitzte die dunkelhaarige Frau in Weiss mit dem Fingernagel dem Mädchen die Kehle auf und schob es das letzte Stück weiter, so dass es nun direkt über der Gräfin hing. Die spitzen Zähne der Báthory blitzten auf, als sie den Mund öffnete und bebend in dem Blutregen badete.““ (S. 28/29)

Auch der Nachfahre von Bram Stoker, der Autor des Buches – Dacre Stoker, bedient sich der Legende um Elisabeth Báthory.

Und schon haben wir wieder eine Verbindung zum ursprünglichen Roman. Dr. Jack Seward, der damals ebenfalls in Lucy Westenra verliebt war, hat die Vampirin ausfindig gemacht und will sie im Alleingang bekämpfen. Dass dies keine gute Idee ist, beweisst sein baldiger Tod und die Tatsache, dass die Báthory sich nun ihrer Verfolger bewusst ist und ihren Racheplan voran treibt.

In „Dracula – Die Wiederkehr“ laufen verschiedene Geschichten parallel zueinander, die alle auf das Finale zulaufen.

Wir haben Mina und Jonathan, verheiratet, aber unglücklich – und in Sorge um ihren Sohn.

Dann haben wir Quincey, den Jungspund, der seine Profession in der Schauspielerei sieht und sich den rumänischen Schauspieler Basarab zum Vorbild nimmt.

Wir haben die Polizeibeamten von London, die den in der Vergangenheit geschehenen blutigen Morden auf die Spur kommen wollen.

Die anderen Mitstreiter aus dem ursprünglichen Roman: Van Helsing, Arthur Holmwood. Beide sind älter geworden und wollen sich – im Fall von Holmwood – nicht mehr an die Geschehenisse rund um Dracula erinnern.

Alle aus der ursprünglichen Gruppe um die Jäger des Vampirs haben einen negativen Lebenswandel beschritten, sei es durch Alkohol, andere Drogen, das Vergessen oder den Schmerz der Erinnerungen. Einige haben ihr Leben schon beendet, andere werden es noch tun – auf die ein oder andere Weise…

***

Der erste „Auftritt“ Draculas geschieht als Bühnenstück.

„Graf Dracula trug ein Jackett mit abgewetzten Ärmeln und einen schwarzen Umgang. Nichtsdestotrotz gab er eine imposante Figur ab, und wie er da in dem staubigen englischen Salon stand, wirkte er ausgesprochen Furcht einflößend.“ (S. 115)

 

Während der ganzen Ereignisse und Beschreibungen rund um Quincey, die Morde und die Ermittlungen der Londoner Polizei erfahren wir auch, dass Mina von ihrer Vergangenheit heimgesucht wird und sie Gedanken und Visionen von damals übermannen.

***

Später werden wir Zeuge davon, dass Mina und Dracula mehr verband, als nur der Hass …

„Mina schlug das Herz bis zum Hals. Diese Hände kannte sie. Sie hatte zugeschaut, wie sie getötet hatten, blutüberströmt. Und sie war von ihnen liebkost worden. Der Mann erhob sich ganz langsam, und als er sich zu seiner ganzen Größe aufgerichtet hatte, wallte grenzenlose Sehnsucht in Mina empor. Sie war nicht mehr allein. Ihr Prinz war zu ihr gekommen, als sie seiner am nötigsten bedurfte.“ (S. 453)

Und wir erkennen, dass Basarab mehr ist, als er zu sein scheint…

Wir werden als Leser Zeuge von Van Helsings dunkler Seite – und von der Grausamkeit, mit der der gemeinsame Feind der Charaktere handelt.

„Die Báthory hatte sich schon immer für die Königin der Vampire gehalten. Und jetzt würde sie dem König den Garaus machen! Hatte sie Dracula erst einmal aus dem Weg geräumt, konnte sie nichts und niemand mehr aufhalten.“ (S. 455)

 

„Dracula – Die Wiederkehr“ hält noch weitere gute Szenen bereit, die sich um alle Charaktere drehen und jedem die Chance lassen, einen großen Auftritt zu haben.

Das Buch liest sich rasant und das Kopfkino macht Purzelbäume vor oppulenten Bildern, die nahtlos beim Lesen entstehen.

Abwechselnd werden wir in die jeweilige Teilgeschichte hineingezogen – und obwohl die Geschichten um den Inspektor erst ein wenig langatmig erscheinen, passen sie doch ins Gesamtbild gut hinein.

Und für diejenigen, die „Dracula – Untold“ im Kino ansehen wollen, gibt es ein schönes Zitat, was ebenfalls in diesem Buch zu finden ist:

„Dracula war ein Vampir, und doch war er in seinen Augen ein Mensch geblieben. Er war über fünfhundert Jahre alt, und er hatte noch immer nicht gelernt, sein wahres Erbe anzunehmen, ohne Schuldgefühle zu verspüren.“ (S. 493)

 

In „Dracula – Die Wiederkehr“ lernen wir einen Vampirkönig kennen, der zu lieben fähig ist, der die beschützen will, die ihm am Herzen liegen.

Was Dracula gegen Ende allerdings von Mina verlangt ist für sie zu viel – oder?

Und: Wer ist der geheimnisvolle Dr. Fielding, dem wir am Ende begegnen?

 

„Dracula – Die Wiederkehr“ bietet rasante Unterhaltung, ohne langweilig zu werden oder in alte Muster zu verfallen.

Am Ende gibt es Nachbemerkungen der Autoren zum Werk sowie ein ausführliches Nachwort.

Hat man dieses Buch gelesen, hofft man irgendwie auf eine Fortsetzung…

~ Leipziger Buchmesse, die zweite… ~

Entgegen meinen Messebesuchsgewohnheiten war ich auch am heutigen Sonntag auf der Buchmesse unterwegs und habe wieder drei sehr interessante und unterschiedliche Lesungen besucht. Auch habe ich mich mit der sympathischen Autorin Marion Schreiner getroffen.

Aber nun zur ersten Lesung des heutigen Tages:

Um 12 Uhr Mittags verschlug es mich ins Literaturforum der Halle 5, wo Alexandra Walczyk aus ihrem Buch „Sturmgeflüster, tödliche Spurensuche im Land der Sioux“ vorlas.

Sturmgeflüster...
Bildquelle: http://ecx.images-amazon.com/images/I/517jC7tTyYL.jpg

Ein sehr interessantes und fesselndes Buch, in dem es um die Suche nach Antworten geht – in einer Welt, die für die heutigen Stammesangehörigen der noch existierenden Indianerstämme manchmal weder tolerant noch offen oder hoffnungsvoll ist…

***

Kurz nach dieser Lesung wurde ich von der Seite angesprochen: Bist du Sindy Holmbach? Die freundliche Frage kam von Marion Schreiner und kaum umgedreht und begrüßt, saßen wir auch schon an einem nahegelegenen Tisch und unterhielten uns über alles mögliche. Ich erzählte einiges von mir und sie hörte zu und erzählte auch einiges über sich. So verbrachten wir nette Minuten miteinander, bis Marion zu einer anderen Bekannten aufbrach und auch ich mich auf den Weg zu meiner nächsten Lesung machte.

***

Ab 13:30 Uhr hatte ich das Vergnügen, Bettina Belitz (auch auf Facebook und Twitter) live zu erleben – sie laß aus ihrem neuesten Roman „Vor uns die Nacht“.

Bildquelle: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51zkdnRvy2L.jpg

Ich empfand die vorgelesenen Stellen als genau richtig, obwohl ich das Buch noch nicht weitergehend kenne.

Pessimistisch eingestellte Menschen könnten sagen: Ach, wieder so ein Teenie-Abhängigkeits-Liebes-Schnulli…

Ich fand die Geschichte, wie ich sie im Umfang der Lesung kennenlernen konnte, interessant, anziehend und vielleicht einen kleinen Tick unwirklich. Schließlich ist die Protagonistin eine 21-jährige Studentin, die ein wenig gefestigter in ihren Gefühlen sein könnte.

Aber andererseits: wer muss das mit 21 schon sein? Schließlich gibt es immer irgendwelche Verlockungen – und gerade diese machen das Leben ja interessant.

Also: „Vor uns die Nacht“ werd ich mir – wenn es meine Lesezeit in Zukunft zulässt – mal näher anschauen und mich in die Geschichte ziehen lassen…

Eine Leseprobe zum Roman gibts übrigens hier.

***

Der Weg zu meiner nächsten und letzten Lesung – der von Marion Schreiner – gestaltete sich auf Grund der Menschenmassen etwas länger und so war ich aber trotzdem pünktlich zur Stelle, suchte mir einen schönen Platz, wartete ab und lauschte noch den Worten der vorigen Lesung.

Dann las Marion. Aus „Die Scheune“.

Die Scheune...
Bildquelle: http://www.marionschreiner.com/fileadmin/marionschreiner.com/content/buecher/Cover_-_Die_Scheune.jpg

Und sie las eine ziemlich brisante Stelle – was auch gut war. Geht es in ihrem Buch doch um Kindesmissbrauch und die Fragestellung, was aus Opfern wird, denen nicht geholfen wird. Die allein gelassen werden und später oft nicht mit dem Erlebten fertig werden und sogar selbst zu Tätern werden.

In diesem Fall geht es um die Geschichte von Dane Gelton. Bereits als Kind wird er Opfer von körperlichem Missbrauch und erlebt einen Vater, den er auf Grund der Ereignisse hasst und eine Mutter, die es nicht schafft, ihren Kindern zu helfen.

Dane wird schließlich doch erwachsen, wird abermals von der Vergangenheit heimgesucht und versucht trotz allem, sich den Weg in ein normales Leben mit Freunden, Freundin und Liebe zurückzuerkämpfen.

Ob und wie ihm das gelingt, kann man übrigens im Nachfolgebuch „Das blaue Haus“ lesen. In „Vielleicht gab es keine Schuld“, dem letzten Teil der Trilogie, geht es um die Geschichte von Danes Sohn, Christopher…

***

Das war zusammengefasst mein zweiter Tag auf der diesjährigen Buchmesse in meiner Heimatstadt Leipzig.

Ich hoffe, ihr habt euren Besuch genossen und ebenfalls interessante Lesungen besucht, die schönen Cosplayer bewundert und vielleicht seid ihr ja auch – so wie ich heute – Cinderella begegnet 😉

~ Kino der besonderen Art: NT’s „Frankenstein“ ~

Gestern war ich im Kino.

Dieser Satz ist eigentlich nicht ungewöhnlich und doch war es ein besonderer Nachmittag/Abend.

Zu verdanken hatte ich ihn meiner Freundin Kathrin, die Tickets für den Abend reserviert hatte. Getroffen hab ich mich dann mit meiner Freundin Vicky, die den Kinobesuch ebenfalls sehr genossen hat.

Nun zum Wichtigsten – dem Stück:

Poster
Courtesy of NT and cumberbatchweb

Gezeigt wurde – und das nur an diesem einen Tag – die aufgezeichnete Version von „Frankenstein“ – einem Theaterstück des National Theatre in London. Weiterhin war es ein guter Abend, da das Stück natürlich im englischsprachigen Original gezeigt wurde und man für gut zwei Stunden die Sprache genießen konnte.

***

Das Stück setzt den Fokus auf die erschaffene Kreatur und ihre Schritte in die ihm unbekannte Welt. Wie ein Kind lernt es, seine zunächst unbeholfenen Bewegungen zu koordinieren und seine Neugier auf alles befriedigen zu wollen.

Doch auf seine Neugier und sein Bedürfnis nach menschlicher Nähe reagieren die meisten Menschen auf Grund seiner äußeren Erscheinung abgeschreckt und mitunter bösartig.

Die noch namenlose Kreatur wird geschlagen, getreten und in ihrem Vertrauen zutiefst erschüttert. Dann trifft er auf einen alten, blinden Mann, der ihm hilft. Dieser lehrt ihn neben den Kulturtechniken des Lesens und Schreibens noch andere wissenschaftliche Erkenntnisse.

Die Kreatur hat endlich einen Freund gefunden.

Freundschaft
Courtesy of NT and cumberbatchweb

Doch auch diese interessante, lehrreiche und positive Zeit hat ihr Ende.

Sie wird beendet durch einen Akt der Gewalt, hervorgerufen durch die erneute Zurückweisung und Gewalt gegenüber der Kreatur, die sich nur anpassen will und wieder in ihrem Vertrauen betrogen und enttäuscht wurde.

Und das ist erst der Anfang…

***

Leicht könnte ich an dieser Stelle den gesamten Inhalt erzählen, der diesen wunderbaren Abend so interessant machte.

Lieber werfe ich allerdings einen Blick auf die Leistung der Darsteller, allen voran Jonny Lee Miller und Benedict Cumberbatch, die alternierend die jeweiligen Rollen dargestellt haben.

Deal
Courtesy of NT and cumberbatchweb

Unsere Kinoversion zeigte Jonny Lee Miller in der Rolle der Kreatur und Benedict Cumberbatch als dessen Erschaffer Victor Frankenstein.

Beide erhielten übrigens für ihre Leistung einen Olivier-Award.

Grandios stellte Mr. Miller die Kreatur da – ihre Stärke und Wut einerseits und ihre Verletzlichkeit auf der anderen Seite. Wunderbar war der Beginn des Stückes, wo man die Kreatur bei der Erlangung ihrer motorischen Fähigkeiten beobachten konnte – unkontrolliert wirkende Bewegungen, die natürlich vollkommen kontrolliert durch den Schauspieler abgelaufen sind.

Auch die sprachliche Ebene ist hervorzuheben, die zunächst nur aus Lauten besteht, sich dann aber in formulierte Worte wandelt.

Man wird Zeuge einer enormen Entwicklung, die fantastisch dargestellt wurde durch den Wandel in Kleidung, Sprache, Verhalten und Motorik.

Auch in Victor Frankenstein gehen Wandlungen vor sich.

Er ist ein besessener Wissenschaftler, der von seiner Erfindung heimgesucht wird und nichts als Trauer, Wut und Verzweiflung zum Vorschein bringt. Obwohl er ebenfalls nur eines sucht: Liebe.

Dies scheint ihm gegeben zu sein – durch die Verbindung mit seiner Angetrauten Elizabeth. Diese liebt ihn ehrlich und tief, hat auf ihn jahrelang gewartet und versucht, in seine Welt Einlass zu finden.

love?
Courtesy of NT and cumberbatchweb

Dies gelingt ihr nicht, da Frankenstein über eine höhere Bildung verfügt und sich seine Zukünftige nicht als seine Assistentin vorstellen kann. Und auch mit der Liebesbekundung Elizabeth‘ hat er so seine Probleme.

Dies führt zu einigen humorvollen Szenen innerhalb des Stückes und es macht die Charaktere nur noch interessanter und trotz allem auch liebenswerter.

Und doch wird es für keinen von ihnen einen guten Ausgang haben…

Trust?
Courtesy of NT and cumberbatchweb

„Frankenstein“ ist ein Stück voller Emotionen, das einen fesselt und nicht einfach in den Alltag entlässt.

Es ist eine Geschichte über Vertrauen, Enttäuschungen, Liebe, Hass, Neugier, Wut und die ganzen Zwischentöne.

Es ist am Ende eine Art „Katz-und-Maus-Spiel“ zwischen einer enttäuschten und auch wütenden Kreatur und einem hasserfüllten und rachesuchenden Wissenschaftler.

Beide sind aneinander gebunden und werden nie Ruhe finden.

Jagen und Gejagt-werden, Folgen und Anführen – da spielt die Zeit keine Rolle mehr…

End?
Courtesy of NT and cumberbatchweb

Einen sehr guten Artikel zu „Frankenstein“ gibt es hier.

***

Falls sich nochmal die Gelegenheit bieten sollte, „Frankenstein“ im Kino zu sehen – seid dabei und lasst euch für zwei Stunden in diese düstere Welt entführen und faszinieren…