Tanya Carpenter: „PurpurNacht“

Note to my english-speaking readers: This article will only be available in german language. Please use translation-apps if you would like to read this article in your language. Thank you

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Mit historischen Romanen ist es wie mit allen anderen Buchgenres auch: entweder sie fesseln einen auf den ersten Blick – oder sie erweisen sich als Fehlgriff im Leserleben.

Eine besondere Freude ist es für mich daher immer, wenn ich nicht nur ein gut geschriebenes Buch finde, sondern auch, wenn ein gutes Buch mich findet – in diesem Fall durch einen Mitarbeiter von Edel Elements, einem Verlag der Edel Germany GmbH. Dieser kam vor gut zwei Wochen via Email auf mich zu und berichtete mir von diesem tollen Roman. Nach einer kurzen Recherche nahm ich das Angebot des mir angebotenen Rezensionsexemplars gern an und seitdem begleitete mich „PurpurNacht“ auf den täglichen Fahrten zu meiner Arbeit.

Übrigens: „PurpurNacht“ von Tanya Carter ist seit gestern als E-Book im Handel erhältlich!


Tanya Carpenter – PurpurNacht

Wie in allen Romanen haben wir auch in „PurpurNacht“ eine solide Kerngeschichte, welche die Autorin noch um reichlich interessante Details und Beschreibungen erweitert. Zu Beginn der Geschichte befinden wir uns im Frankreich des Jahres 1672, kurz vor dem Niederländisch-Französischen Krieg, der jedoch in der Geschichte nur eine – wenn auch recht interessante – Nebenrolle spielt.

Unsere Protagonistin hört auf einen wohlklingenden Namen, der mich immer an die Buchreihe von Anne Golon und die darauf basierenden Filme erinnert:

„Angelique liebte die Stille dieses Ortes. Es war so friedlich. Hier glitten alle Sorgen, Ängste und jeder Kummer von ihr ab. Das war schon immer so gewesen. […] Damals natürlich am Tage. Niemand kam des Nachts hierhier, nicht einmal ihre Maman. Aber Angelique tat es – und sie liebte es.“

(Tanya Carpenter: PurpurNacht, Edel Elements, E-Book, ohne Seitenangabe)

Zu Beginn der Geschichte scheint das Leben von Angelique Renier gut zu verlaufen – sie hat ein stabiles Elternhaus, ihr Vater ist ein angesehener Händler und die Mutter Heilkundige, die schon öfter den Kranken des Dorfes geholfen hat. Zudem stehen sie mit dem Comte de Frené auf gutem Fuße und dieser hält auch in den Zeiten der Hexenverfolgungen und -verbrennungen nicht viel auf abergläubisches Gerede und ist ein aufgeklärter Landsherr.

„Liebe Freunde, ich bin auch in diesem Jahr wieder dankbar und glücklich, dass ihr alle meiner Einladung gefolgt seid und mit mir gemeinsam beweist, dass sich alte Traditionen und der christliche Glaube nicht widersprechen müssen, sondern miteinander Hand in Hand gehen, weil sie uns dasselbe lehren: Liebe im Herzen. Mitgefühl gegenüber unseren Mitmenschen. Respekt und Achtung vor Mutter Erde und ihrem Rad des Lebens, das sich Jahr für Jahr in immer gleicher Weise dreht.“

(Tanya Carpenter: PurpurNacht, Edel Elements, E-Book, ohne Seitenangabe)

Angelique ist in Kindertagen mit den Nachkommen des Comte aufgewachsen und hat mit ihrem Freund aus diesen Tagen, dem Sohn des Comte, Pierre, viel Zeit verbracht – und jetzt im Erwachsenenalter ändert sich das Verhältnis der beiden hin zu einer vorsichtigen ersten Liebe. Nicht nur Angeliques Leben verläuft zu Beginn in positiven Bahnen, auch ihre Eltern leben ein gutes Leben.

Die Autorin, Tanya Carpenter, schafft es mit ihren Beschreibunen, das häusliche Umfeld der Familie Renier lebendig werden zu lassen und den Leser ein wenig mehr in die Zeit und Umgebung der Handlung zu ziehen. Sie nimmt sich die Zeit (und die entsprechende Seitenzahl), um uns die handelnden Figuren näher zu bringen und tiefer in die Geschichte einzudringen, bevor sie zum ersten Schlag gegen ihre Protagonistin ausholt.

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Angelique gibt während eines Treffens mit Pierre diesem Ihr Eheversprechen und Pierre will es zeitnah seinem Vater berichten und offiziell um die Hand seiner Freundin anhalten. Doch dazu kommt es nicht.

Jean, Pierres Bruder, der mit mehr als einem kalten Herzen ausgestattet ist, hat einen finsteren Plan und gaukelt seinem Vater, dem Comte de Frené vor, Angelique würde ihn lieben und ihn heiraten wollen. Als wenn das nicht genug Verwirrung stiften würde, vergewaltigt er die junge Frau und stellt es hinterher als Fehlverhalten von Seiten Angeliques dar. Daraufhin spricht der Comte, der seinem Sohn Glauben schenkt, Gericht über Angelique und ihre Familie und wirft unsere Heldin ins Gefängnis.

Zu der Zeit hat Angelique bereits festgestellt, dass sie ungewollt schwanger ist, hat aus Verzweiflung versucht, sich das Leben zu nehmen und sieht nun einer Zukunft hinter Gittern entgegen.

Alles wäre erträglich, wenn nicht Jean seinen ganz persönlichen langfristigen Racheplan verfolgen würde, der große und weitreichende Veränderungen für Angelique, ihre Eltern und auch für Pierre bereit hält…

„Die Kälte zog sich tief in sein Inneres zurück, während sein Körper zu glühen schien. Warmes Blut tränkte seine Handschuhe, benetzte sein Gesicht. Sein Rappe stieg, doch er hielt sich mühelos im Sattel, trieb das Pferd immer weiter vorwärts, überrannte jeden, der ihm in den Weg kam.“

(Tanya Carpenter: PurpurNacht, Edel Elements, E-Book, ohne Seitenangabe)


„PurpurNacht“ ist ein historischer Roman voller Spannung, großer Wendungen, aber auch der Gefühle – von zarter Liebe und Vertrauen, über grenzenlosen Hass, Mordlust und große Opfer bis hin zu tiefer Freude und persönlichem Glück.

Angelique Renier ist eine starke Romanheldin, die jede noch so schwierige Herausforderung ihres Lebens irgendwie überlebt, jedoch nie gekünstelt wirkt, sondern von Tanya Carpenter sehr real und nahbar ins Leben gerufen wurde.

Ich kann „PurpurNacht“ als Buch nur empfehlen. Lernt Angelique kennen, verfolgt ihren Lebens- und Leidensweg und urteilt am Ende selbst, ob die Geschichte euch genauso gefallen hat wie mir.


An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Edel Elements, die mir das E-Book zur Verfügung gestellt haben.

~ Miss Daisy, eine Leiche… und der erste Advent/ Miss Daisy, a dead body… and the first advent ~

Note to my english-speaking readers: the quotes of the book will be only in german language. If you are interested in the english versions – I highly recommend reading the book 🙂

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Zunächst möchte ich meinen Lesern einen wunderschönen und geruhsamen ersten Advent wünschen.

Weihnachten ist nun nicht mehr allzu weit entfernt und  die kalte Jahreszeit macht es noch verlockender, sich mit einer Decke, einem heißen Getränk und einem guten Buch gemütlich zu machen und das Wochenende zu genießen.

First I would like to send  wonderful first Advent greetings to my readers and wish you a lovely pre-christmas time.

Since christmas isn’t that far away its a wonderful thing to use the cold season to grab something warm to drink, a good book and get cozy with a warm blanket to spend the weekend reading and relaxing.

Mein Tipp für Freunde von guten englischen Kriminalgeschichten, interessanten Charakteren und Kurzweil beim Lesen: die Romane rund um Miss Daisy.

Der erste Roman aus der Reihe von Autorin Carola Dunn um die britische Lady Daisy Dalrymple, „Miss Daisy und der Tote auf dem Eis“ (im englischen Original: Death at Wentwater Court), spielt im Jahr 1923 als Daisy ihre Arbeit als Journalistin beginnt und ist ein gutes Buch für den Einstieg in die Serie.

I recommend – if you are a fan of nice english crime stories, interesting characters and fun while reading – the stories of Miss Daisy.

The first book in the series by Carola Dunn of the adventures of Lady Daisy Dalrymple is called „Death at Wentwater Court“ and is set in 1923, where Daisy starts her work as a journalist and is a good starting point for her adventures.

source: http://www.aufbau-verlag.de/media/Upload/cover/9783746633688.jpg

Alles fängt so gut an – Daisy Dalrymple hat den Auftrag bekommen, für „Town and Country“ einen Artikel über Wentwater Court zu schreiben – inklusive Geschichte des Anwesens, Informationen zu den Bewohnern und Fotografien.

Everything starts so well for Daisy – she has a whole article to write for „Town and Country“ – including information about history and people of Wentwater Court and with some photographs to take.

So Daisy travels to the estate, starts her research, is taking the first photographs – and then she – along with others finds a dead body…

So kommt Daisy also auf dem Anwesen an, beginnt ihre Recherchen, macht erste Fotos – und stößt dann – gemeinsam mit einigen Bewohnern und Gästen des Hauses – auf einen Toten:

„Laute Schreie zerrissen den friedvollen Morgen, und Daisy raste den Uferpfad entlang zur Brücke. Vorsichtig trat sie auf das Eis und befand sich schon unter der steinernen Brücke, als sie entdeckte, was James und Fernella so plötzlich hatte innehalten lassen.

Im Schatten war das Eis gebrochen, und in dem tintenschwarzen Wasser lag ein Mann, das Gesicht nach unten.“

(S. 52, Taschenbuchausgabe)

Da ein Mitarbeiter von Scotland Yard, Detective Alec Fletcher, bereits in der Gegend zu tun hat und als sehr diskret gilt, wird er auch gleich für die Ermittlungen hinzugezogen – schließlich muss geklärt werden: war es ein Unfall oder Mord?

Since a detective of Scotland Yard is working in the area and seems to be very discreet, he – named Alec Fletcher – is asked to work at this case and solve the question: accident or murder?

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Wenn auch ihr das Rätsel um den Toten auf dem Eis lösen wollt – oder zumindest das wunderbare Kopfkino beim Lesen mitverfolgen möchtet, kann ich euch „Miss Daisy und der Tote auf dem Eis“ nur ans Herz legen.

If you want to solve the riddle of the dead body on the ice – or just enjoy the film going on in your mind while reading – I highly recommend reading „Death at Wentwater Court“.

(Im Aufbau-Verlag sind übrigens noch weitere Romane aus der Reihe erschienen – oder werden erscheinen.)

~ Eva Stachniak: „Der Winterpalast“ / „The Winterpalace“ ~

Spione. Immer und überall gab es sie – und wird sie auch in Zukunft geben.

Spies. Forever and always they have been working – in the past and definitely in the future.

„Spione bleiben normalerweise unsichtbar, außer sie werden enttarnt, oder sie treten freiwillig ans Licht der Öffentlichkeit. Die Ersteren waren so töricht, verräterische Spuren zu hinterlassen, die Letzteren haben ihre eigenen Gründe, sich zu offenbaren.“

(S. 11)

Bildquelle: https://i2.wp.com/www.suhrkamp.de/cover/200/35895.jpg
Bildquelle: http://www.suhrkamp.de/cover/200/35895.jpg

Was passiert, wenn man als Spionin sein Misstrauen verliert und menschliches Vertrauen entgegenbringt?

Lauern überall Verräter – wem kann und darf man noch vertrauen?

What happens, if – as a spy – you loose your distrust and give trust?

Are the traitors everywhere? Whom can you trust – and whom should you?

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Diese Fragen stellt sich die junge Warwara nicht, als sie als Tochter eines polnischen Buchbinders und einer verarmten Adligen geboren wurde, ihre Kindheit erlebte und nach Sankt Petersburg kam. Ihr Vater hatte dort gute Aufträge und arbeitete auch für Kaiserin Anna.

These are no questions for young Warwara when the daughter of a polish bookbinder and an impoverished aristocratic was born and lived through her childhood and then came to Sankt Petersburg. Her father had many orders on hand and also worked for emperess Anna.

Die spätere russische Kaiserin Elisabeth nahm Warwara nach dem Tod ihres Vaters unter ihre Fittiche und nach einer anfänglich sehr schlimmen Zeit für Warwara wird sie zur „Zunge“ – zur Informantin im Auftrag verschiedener Herren. Sie spioniert anfangs noch für ihren Lehrer, den Kanzler des Reiches, später für die Kaiserin selbst und die Großfürstin Katharina. Der ehemaligen Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst soll sich die junge Warwara nähern und ihre „Freundschaft“ anbieten.

The new emperess – Elisabeth – is looking after Warwara after her father died. Nevertheless the young woman had a horrible time until she is trained to be a „tongue“ – a spy by order of many. First she spied for her teacher – the chancellor of Russia, later on for the emperess herself – and for the grand duchess Katharina. The former princess Sophie of Anhalt-Zerbst should become „friends“ with Warwara – and she will have to do her job.

 

„Du könntest ihre Freundin werden, hatte die Kaiserin im Januar gesagt, als wir auf die Ankunft der Prinzessin warteten. […] Ist das der Grund, warum ich zum ersten Mal sehenden Auges gegen alle Gebote handelte?“

(S. 97/ 105)

 

Warwara ist nicht mehr nur die Spionin, die stur ihre Informantenaufgabe erledigt – sie hat Sehnsucht nach Vertrauen – auch wenn es nur ein flüchtiges Gefühl sein sollte. Sie beginnt, sich wichtig zu fühlen und natürlich wird ihr auch ein bestimmtes Vertrauensgefühl von ihren Auftraggebern entgegengebracht.

Aber wie zerbrechlich dieses Vertrauen und ihre Stellung ist, soll Warwara noch früh genug erfahren…

Warwara is no longer just the spy who does his job – she longs for trust – even if it is a fleeting feeling. She begins to feel important and definitely she is trusted by her clients.

But she soon learns how fragile this trust is …

 

Warwara wird auf Befehl der Kaiserin Elisabeth mit einem Soldaten verheiratet und sie ist mehrere Male nah dran, das ihr entgegengebrachte „Vertrauen“ zu verlieren. Doch sie fängt sich immer wieder und denkt, sie tue das Richtige.

Rückblickend wird ihr jedoch bewusst, dass sie nie eine wirkliche „Vertraute“ von Katharina war, sondern nur eine von vielen…

Warwara is married to a soldier – by the wish of Emperess Elisabeth and she nearly looses the „trust“ of her clients. But she always falls on her feet and thinks she is doing the right thing.

In Retrospective she sees things clearer and is more aware than ever that she was not a real „confidante“ but only one of many…

„Drei Personen, die immer um sie sind und nichts voneinander wissen, berichten mir, was vorgeht, und werden mich unfehlbar davon in Kenntnis setzen, wenn der entscheidende Moment gekommen ist.

(S. 9/ Brief Katharina an den britischen Gesandten am Hofe von Kaiserin Elisabeth)

 

* Wie ergeht es den Kindern von Warwara – und Katharina? What happens to the children of Warwara and Katharina?

* Welche Intrigen und Machenschaften werden am russischen Zarenhof gesponnen? What kind of intrigues are made at the royal court?

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Eva Stachniak zeigt uns in „Der Winterpalast“ eine spannende Geschichte, mit vielen Details und historischen Persönlichkeiten, die sich zu einem farbenprächtigen Bild verbinden.

Eine Zeit, die von Umbrüchen gezeichnet ist, von dem Wunsch der Herrscher, zu strahlen und dem Wunsch der Bediensteten, zu gefallen.

Wir werden durch den wunderbaren Schreibstil tief hineingezogen in diese Geschichte, die mit „Die Zarin der Nacht“ eine Fortsetzung findet.

Mir fiel es unglaublich schwer, diesen historischen Roman aus der Hand zu legen – aber man braucht ja auch mal eine Pause.

Ich habe „Der Winterpalast“ regelrecht verschlungen und kann auch jedem nur halbwegs Interessierten diese Geschichte ans Herz legen.

Hier kann  man eine kurze Leseprobe erhalten.

Ich freue mich, wenn ihr mir eure Gedanken zum Buch mitteilt und ob es euch gefallen hat.

„Le Temps Viendra II: A novel of Anne Boleyn“

Nun ist es endlich soweit: ich habe den zweiten Teil des Buches der Autorin Sarah Morris beendet.

Le Temps Viendra
Le Temps Viendra

Schon von „Le Temps Viendra I“ war ich total begeistert und der zweite Band ist ebenso ansprechend und faszinierend wie der erste.

Wir begegnen als Leser wieder den beiden Anne’s – und wandeln mit der Anne aus der heutigen Zeit in den Schuhen der Ehefrau Heinrich VIII. Sarah Morris hat gut recherchiert und die wundervollen Beschreibungen von Orten und Bekleidungen lassen eine Zeit im inneren Kopfkino auferstehen, die neben ihrem Schrecken auch ihre eigene Faszination ausübt.

Einzelne Passagen sind natürlich auch rein fiktiv und darauf weist die Autorin auch am Ende des Buches hin. Dort fasst sie in Worten zu den einzelnen Kapiteln zusammen, wenn genau recherchierte und fiktive Details kombiniert wurden.

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Der Leser steigt im Jahre 1532 in die Lebenswelt von Anne Boleyn ein und erlebt mit ihr die Zeiten im Greenwhich Palace, in Whitehall und in Windsor Castle. Wir sind mit dabei, wenn Anne Boleyn dem Werben Heinrichs nachgibt, den Titel einer Marquess erhält, zur Königin gekrönt wird und ihrer Tochter Elizabeth das Leben schenkt.

Wir sind aber auch dabei, wenn die Gedanken von Anne in ihre heutige Zeit abdriften und sie die Parallelen zu ihrem historischen „Ich“ sieht.

Auch sind wir dabei, wenn Anne langsam aber sicher durch ihre Handlungen den guten Willen und die Liebe Heinrichs aufs Spiel setzt.

Der Ausgang des Lebens von Anne Boleyn ist dem Leser sicherlich durch den Schulunterricht bekannt, zumindest hat man schon einmal von ihrem kurzen Leben gehört.

Sarah Morris schafft es, Sympathien für Anne und ihre Mitmenschen zu wecken (wenn man diese nicht schon vorher hatte) und man hofft – wie auch die „heutige“ Anne – dass die Geschichte eventuell doch noch umgeschrieben werden könnte…

„Remember me when you do pray, that hope doth spring from day to day.“ Anne Boleyn (page 4)

 

… obwohl dies natürlich nicht möglich ist und beide Anne’s sich unwiderruflich am Ende der Geschichte und ihres Lebens im Tower von London wiederfinden…

 

FAZIT:

„Le Temps Viendra II“ ist nicht nur ein Buch für alle an Anne Boleyn Interessierten, sondern auch für Liebhaber der englischen Sprache.

Durch die diversen Beschreibungen von Kleidungsstücken, Raumausstattungen und ähnlichem zieht diese Geschichte in ihren Bann.

Obwohl das Ende der historischen Anne Boleyn bekannt ist, ist es doch eine Freude, wieder ein gut recherchiertes Buch zu lesen, dass keine Aneinanderreihung von Fakten ist, sondern den Personen zu neuem Leben verhilft, wenn auch nur für die Dauer des Lesens.

Wenn die Zeit einem keine Wahl lässt: Pam Jenoff’s „Der Kommandant und das Mädchen“

Bereits in meinem letzten „Zu Empfehlen…“-Artikel habe ich euch auf den Roman „Der Kommandant und das Mädchen“ von Pam Jenoff aufmerksam gemacht.

Heute nun möchte ich euch dieses wunderbare Buch ein wenig näher vorstellen:

Bildquelle: https://dksw3hw5iu1be.cloudfront.net/1773658/thumbs/205.gif

 

„Als wir den weitläufigen Marktplatz überqueren, auf dem sich Tauben rund um die abgestandenen Pfützen scharen, betrachte ich argwöhnisch den Himmel. Ich greife Lukasz‘ Hand noch etwas fester, um den Jungen zur Eile anzutreiben. Ein erster Regentropfen verfängt sich in seinen blonden Locken. Gott sei Dank, dass es wenigstens blonde Locken sind.“ (S. 11)

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In diesen Anfangszeilen begegnen wir einer jungen Jüdin. In Rückblenden erzählt sie, wie sie ihren Ehemann Jakub kennengelernt hat und wie sie schließlich heirateten.

„“Wir leben in einer Zeit der Ungewissheit“, […] Aber ich weiß, egal, was uns erwartet, ich möchte meinem Schicksal gemeinsam mit dir begegnen. Würdest du mir die Ehre erweisen und meine Frau werden?– „Ja“, hauchte ich, als er den silbernen Ring mit einem eingefassten winzigen Diamanten über meinen linken Ringfinger schob.““(S. 21)

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Doch die Zeiten ändern sich. Emma verliert, wie viele zur damaligen Zeit, ihre Arbeit und ihre Eltern werden von den deutschen Besatzern in ein Ghetto verschleppt. Zudem muss sie mit ansehen, wie die schwangere Frau des ansässigen Rabbis vor ihren Augen und vor den Augen ihres Jungen (Lukasz) und ihres Mannes erschossen wird.

Die Grausamkeiten sind für die junge Frau fast unerträglich. Noch dazu ist die junge Frau von ihrem Mann getrennt, der für den Widerstand arbeitet.

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Doch Emma hat Glück im Unglück. Sie wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Ghetto begfreit und findet Unterschlupf bei Krysia – der Tante ihres Mannes.

„Krysias warmherzige Begrüßung erschien mir damals ausgesprochen ironisch, da sie nicht mal Jüdin, sondern eine strenggläubige Katholikin war. […] Mir wurde schnell klar, wieso Jakub seine Tante so bewunderte. Ihre Mischung aus Eleganz und unberechenbarem Temperament war einfach unwiderstehlich. […] Angesichts ihrer stattlichen Erscheinung schämte ich mich für meine abgetragene Kleidung und mein zerzaustes Haar, doch sie nahm meine Hand, zog mich zu sich ins Haus und schloss mich in ihre Arme.“ (S. 68-70)

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Um ihre wackelige Sicherheit nicht zu gefährden, bekommt Emma neue Papiere und nennt sich ab diesem Zeitpunkt Anna. Anna Lipowski. Auch ihre Identität als Gläubige wird umgekrempelt: sie ist nun laut den Papieren keine Jüdin mehr, sondern katholische Polin. Und Jakubs Tante Krysia fungiert nun auch als ihre Tante.

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Nach einer Weile beginnt auch sie für den Widerstand zu arbeiten und nimmt eine Arbeit als Sekretärin beim hochrangigen deutschen Kommandanten Georg Richwalder an. Nach und nach verlangen die Mittelsmänner des Widerstandes auch Aufgaben von Anna: das Entnehmen von Passierscheinen, die Suche nach interessanten Details zu zukünftigen Aktionen der Nazis.

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Anna fühlt sich immer mehr zu ihrem eigentlich verhassten Arbeitgeber hingezogen und soll auch seine Nähe suchen, um an Informationen zu gelangen. Sie wird immer vertrauter mit dem Kommandanten und er ist ebenfalls von ihr fasziniert.

Auf Anraten des Widerstandes beginnt Anna eine Affäre mit Georg Richwalder, der diesem Lauf der Dinge sichtlich zugetan ist.

Allerdings hat Anna nie ihre Eltern vergessen, die im Ghetto ihr Dasein fristen müssen – und schon bald tauchen Pläne auf, die die zukünftige Schließung des Ghettos beinhalten…

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Anna erfährt außerdem von der ersten Frau des Kommandanten: Margot. Sie hat sich das Leben genommen. Sie war eine Halbjüdin – und der Kommandant hatte sich geweigert, ihren Vater zu retten. Aus Angst, ihre Identität zu verraten und sie ebenfalls zu verlieren. Verloren hat er sie. Sie und ihr ungeborenes Kind.

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Die Affäre zwischen Richwalder und Anna nimmt neue Ausmaße an, als die junge Frau entdeckt, dass sie schwanger ist…

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* Wird Anna das Kind behalten?

* Wie reagiert der deutsche Kommandant auf diese Neuigkeiten?

* Was, wenn er erfährt, dass Anna ihn die ganze Zeit angelogen hat?

 

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„Der Kommandant und das Mädchen“ ist ein mitreißendes Buch, das den Leser nicht unberührt zurücklässt.

Sicher ist man als erstes einmal in einer eher abgeneigten Haltung dem deutschen Kommandanten gegenüber, lässt diese Wand allerdings schnell ein wenig einfallen.

Sicher hat man die Greueltaten der Nazis in den Zeiten der Herrschaft Hitlers im Hinterkopf, dennoch kommt man nicht umhin, Sympathien für alle Charaktere des Buches zu entwickeln – so auch für den Kommandanten.

Georg Richwalder ist – wie auch Anna/ Emma – ein von der Zeit überrumpelter Charakter.

Er ist in den Kommandantsposten gesetzt worden und hat ihn ohne zu Murren übernommen, auch wenn im Buch mehrfach deutlich wird, dass er dem was er tut/ tun muss, zwiegespalten gegenübersteht.

Er ist viel in Erinnerungen an die Vergangenheit versunken und doch in der Beziehung zu Anna hoffnungsvoll und glücklich.

Diese Beziehung, die eigentlich nicht sein darf, gibt ihm den Halt, den er braucht und den er seit dem Tod seiner Frau (oder schon früher) verloren hat.

Beide – Anna und Georg – sind verlorene Seelen auf der Irrfahrt durch die Wirren der Nazizeit.

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Pam Jenoff ist es gelungen, mit „Der Kommandant und das Mädchen“ einen Roman zu schreiben, der fesselt, fühlen lässt und auch die Unsicherheiten und Zwiespalte des Lebens und der eigenen Entscheidungen einbezieht.

Ihre Charaktere sind liebevoll, zornig, sie vergeben, sie lügen und sie lieben.

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Mit „Die Frau des Diplomaten“ liefert Pam Jenoff auch einen Nachfolgeroman, der sich um die Jüdin Marta dreht, die eine Freundin Annas ist/war und deren Schicksal im ersten Buch offen gelassen wurde:

Bildquelle: http://www.mira-taschenbuch.de/typo3temp/pics/e548f58611.jpg

 

AUF JEDEN FALL IST „DER KOMMANDANT UND DAS MÄDCHEN“ EIN BUCH, DAS MAN ZUMINDEST EINMAL GELESEN HABEN SOLLTE. EINE ANRÜHRENDE UND FESSELNDE GESCHICHTE IN DEN ZEITEN DER NAZIHERRSCHAFT – EINE LANGSAM WACHSENDE ANZIEHUNG ZWEIER MENSCHEN, DIE DAS SCHICKSAL NICHT FÜREINANDER BESTIMMT HAT!

 

 

Ines Thorn: „Das Mädchen mit den Teufelsaugen“

So, nachdem ich jetzt eine Weile den blauen Header versucht habe, bin ich doch der Ansicht, der lilafarbene Hintergrund ist passender – und bin zum Altvertrauten zurückgekehrt.

Fandet ihr den blauen Hintergrund besser?

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Jetzt aber mal wieder zu einer Buchbesprechung.

Diesmal handelt es sich um einen historischen Roman. Eigentlich bin ich dieser Kategorie von Büchern bis jetzt nur zugetan gewesen, wenn es sich um eine historische Persönlichkeit gehandelt hat – sei es Marie Antoinette, Katharina die Große, Anne Boleyn oder deren Schwester Mary – waren es historische Persönlichkeiten (die mich auch interessierten), war ich als Leser dabei.

Jetzt mal ein historischer Roman, der sich nicht explizit mit einer Persönlichkeit beschäftigt.

Na dann schauen wir mal.

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Wenn ich ein Buch in die Hand nehme, schaue ich mir zuerst die vierte Umschlagseite an, also diejenige, auf der die „anheizenden“ Worte stehen, die den Käufer dazu bewegen sollen, eben jenes Buch zu kaufen.

Bei Ines Thorns Werk las ich da folgendes:

„Sie trägt das Zeichen des Bösen…

Die Frauen erschrecken und bekreuzigen sich, die

Männer fliehen, wenn sie Rosamund sehen. Denn

sie hat „Teufelsaugen“, ein blaues und ein braunes.

Ihr einziger Zufluchtsort: die Malerwerkstatt des

Vaters. Dort lernt sie schnell, mit Pinseln und

Pigmenten zu arbeiten. Doch dann geschieht ein

Unglück in der Werkstatt – und alle erinnern

sich an das Mädchen, das nur Unheil bringt…“

So weit so gut – klingt alles sehr interessant und auch das Cover des Buches ist sehr ansprechend gestaltet:

Nun zum Inhalt:

Zunächst einmal: dieses Buch lässt sich richtig gut lesen. Es gibt ja Bücher, mit denen man sich beim Lesen ein wenig quälen muss – dieses hier macht keine Mühe…

Wie die Rückseite des Buches schon mitteilte, geht es in diesem historischen Roman um Rosamund, ihres Zeichens älteste Tochter von Lisbeth und Ruppert Hoffmann. Er ist Weißbinder und ein guter, wenn auch etwas zaudernder Mann, der mit seiner etwas ruppigeren Frau ein schwieriges Los gezogen hat. Er ist mit dem zufrieden, was er hat – und sie will immer mehr um mehr.

Eines Tages steht eine junge Zigeunerin vor der Tür und Ruppert lässt sie eintreten. Ihr Name ist Tonia, sie wird von Ruppert mit Essen versorgt und darf – auch gegen den Willen der Hausherrin, bei der Familie übernachten und bleiben. Zum Dank liest sie Lisbeth aus der Hand und die Schwangere ist auch da nur auf den Gewinn, Ruhm und Ehre aus – Geld und Macht spielen eine große Rolle in ihrem Leben.

Tonia ist zur Stelle, als Lisbeth eine Tochter zur Welt bringt – Rosamund. Bereits bei Geburt hat sie ein blaues und ein braunes Auge.

Schnell werden die Augen als „Teufelsaugen“ verschrien und Tonia bindet Rosamund eine Binde über das eine Auge, so dass niemand es erkennen kann.

Tonia und Rosamund verbringen eine schöne Zeit miteinander, bis die Zigeunerin eines Tages auf Grund einer Verleumdung verhaftet und später hingerichtet wird.

In der Zeit vor ihrer Hinrichtung wird Tonia von Ruppert und seiner Tochter im Gefängnis besucht und hier erfährt der Leser, dass sich Ruppert in Tonia verliebt hat und es kaum verkraften kann, diese Liebe, diese nette Gefährtin zu verlieren.

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Das Paar wird später noch eine weitere Tochter willkommen heißen – Ursula. Sie kommt eher nach der Mutter und ist ein eingebildetes Wesen, nur auf Ansehen und Geld aus.

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Als Leser kann man Rosamunds Lebensweg verfolgen – sie hat viele Schwierigkeiten zu überwinden, wird als Teufelsweib verflucht, kommt in ein Kloster, dieses brennt später ab. Sie bleibt auf dem Klostergelände, bewacht die dortigen Heiligtümer und malt Heiligenbilder – bekommt dafür von den Dorfbewohnern Essen. Hier wird sie als Heilige angesehen – weil ein Junge, den sie hat bei sich übernachten lassen, sie umringt von einem Heiligenschein gesehen haben will…

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Rosamund  überwindet noch einige Anfeindungen seitens der Familie und findet schließlich im aus Italien stammenden Matteo einen guten Ehemann, der sie aufrichtig liebt.

Doch auch dieses Glück ist nicht von Dauer – Matteo hat einen Unfall und ist nicht mehr in der Lage, mit der rechten Hand zu malen – gerade zu dem Zeitpunkt, als ein wichtiger Auftrag ansteht.

Rosamund, die ebenfalls sehr talentiert im Zeichnen ist, stellt den Auftrag fertig – bevor Matteo sie in seiner Wut und seinem Schmerz aus dem Haus wirft…

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Doch das ist noch nicht das Ende des „Mädchens mit den Teufelsaugen“…

Meine Beurteilung:

„Das Mädchen mit den Teufelsaugen“ ist ein netter, ruhiger Historienroman, in dem auch sporadisch historische Persönlichkeiten erwähnt werden. Dennoch geht es in dieser Geschichte vorrangig um Rosamund und ihr Leben.

Ein wenig erinnert die Geschichte an Aschenputtel, was jedoch nicht weiter auffällt und nur am Rande bemerkt wird.

Wie schon eingangs erwähnt, liest sich Ines Thorns Roman sehr leicht und man kann sich auch gut in die Geschichte hineinfühlen.

Allerdings ist sie an manchen Stellen auch etwas langatmig geschrieben, aber das tut der Geschichte nichts Schlechtes.

Wer einen netten Roman lesen möchte, mit einer sympathischen Hauptfigur, der ist bei Ines Thorns „Das Mädchen mit den Teufelsaugen“ gut beraten.