Die andere Seite der Geschichte – Paule trifft auf Julchen…

Vor kurzem habe ich euch Julchen vorgestellt – eine kleine Käuzin auf der Suche nach Fressen und Anschluss…

Nun könnt ihr im Anschluss die Ereignisse des Abends aus der Sicht des Kauzes miterleben, dem Julchen ihre Maus verdankt: sein Name – Paule.

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Es war kurz nach Mitternacht als die Gemeinschaft der Käuze in einer kleinen Baumgruppe am Waldrand beschloss, endlich auf Nahrungssuche zu gehen. Auch Paule war diesmal dabei.

Der junge Kauz war in der Beschaffung von Nahrung noch ein wenig unbeholfen – gerade erst dem mütterlichen Nest entwachsen hatte er noch Einiges zu lernen.

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Langsam sammelte sich die Gruppe und man machte sich gemeinsam auf den Weg. Sicher, nach einiger Zeit würden sie sich trennen, aber gerade für die jüngeren Gemeinschaftsmitglieder brachte so ein gemeinsamer Start gute Erfahrungen. Sie wurden langsam mit der Flugroute vertraut und die Chance war größer, dass sie sich später wieder unversehrt an der Baumgruppe einfinden würden.

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Paule setzte an und flog los. Die Nacht war klar und es wehte ein leichter Wind, der jedoch nicht aufdringlich oder störend wirkte. Der junge Kauz genoss den Flug und konnte sein kleines Problem, das er immer mit sich herumtrug, ein wenig vergessen.

Sein gesamtes Leben würde er mit diesem Problem fertigwerden müssen – und es war gut, dass er bereits jetzt lernte, damit umzugehen. Außerdem hatten die älteren Gruppenmitglieder versprochen, ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Der Jüngling war nun über einer größeren Lichtung angekommen und zog leise und ruhig seine Runden. Währenddessen ließ er seinen scharfen Blick über den entfernten Boden gleiten und merkte gleichzeitig, dass sein Magen doch schon bedenklich knurrte. Jetzt wurde es aber Zeit!

Da! Und da! – Paule konnte es kaum glauben – er hatte tatsächlich Glück!

Unter ihm bewegte sich das Gras und zwei kleine Mäuse tauchten auf. Vorsichtig schnupperten sie mit ihren kleinen Nasen in die Luft, schienen sich aber nicht zu fürchten.

Das war die Chance für Paule!

Leise flog er näher – und nach einem kurzen Blick auf seine Krallen – stieß er nach unten und griff zu!

Geschafft!, dachte er triumphierend. Da  er eine Kralle weniger hatte, war es für ihn noch immer etwas schwieriger, die Beutetiere ordentlich zu fassen. Aber Paule wurde besser! Es brauchte eben doch alles ein wenig Übung.

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Nachdem Paule als glücklicher Sieger dieses Raubzuges hervorgegangen war, suchte er sich in der Nähe einen Baum um sich ganz seiner verdienten Speise zu widmen.

Gemütlich fing er an, an der kleinen, toten Maus herumzuzupfen und kleine Stückchen wanderten im Anschluss seinen Schlund hinunter.

Plötzlich wurde er von seinem Festmahl aufgeschreckt!

Paule sah sich um…

Auf „seinem“ Ast saß jemand! – Eine kleine Kauzdame hatte sich am anderen Ende des Astes niedergelassen und sah ihn mit großen Augen an…

Augen, die irgendwie hungrig schienen…

Das hatte Paule gerade noch gefehlt – und jetzt rückte sie auch noch näher… Paule zweifelte: `Hat man denn nirgends seine Ruhe…`

Paule machte einen kleinen Hopser in die entgegengesetzte Richtung und hoffte, die Kauzdame würde diesen Hinweis verstehen.

Falsch gedacht! Sie kam schon wieder näher…

Da hatte sich Paule wohl den falschen Ast gesucht – aber nun war es zu spät, um sich noch aus dem Staub zu machen…genüsslich schluckte er einen weiteren Mäusehappen hinunter und schielte zu der jungen Käuzin hinüber.

Irgendwie sah sie traurig aus…

…und da Paule ein freundlicher Vertreter seiner Art war, beschloss er, ihr entgegenzukommen.

Als sie wieder näher an ihn heranrückte, blieb er dieses Mal einfach sitzen.

Und siehe da – es half. Schüchtern blickte sie zu ihm und dann auf die Mäusehälfte, die er in seinen Klauen hielt.

Paule entschloss sich, der Kauzdame noch einen Gefallen zu tun – langsam löste er seine Krallen von dem toten Körper der Maus und schob sie ein Stück weiter auf die Käuzin zu.

Sie nahm dankbar sein Geschenk an und begann, zaghaft an dem Mausestück herumzuzupfen. Dann schluckte sie die kleinen Bissen hinunter und blickte Paule dankbar an.

Und Paule dachte so bei sich: „Da hab ich doch heute nicht nur erfolgreich mein Essen gefangen. Ich scheine auch noch eine Freundschaft geschlossen zu haben. Gar nicht mal so schlecht für einen Abend.“

Zufrieden schaute er der jungen Käuzin zu und genoss den lauen Abendwind…

Eine Kauzdame namens Julchen

Das Schöne an einer Weiterbildung auf dem Gebiet der Online-Redaktion: man beschäftigt sich auch mit Kreativem Schreiben 🙂

 

Heute nun haben wir zum zweiten Mal unseren kreativen Gedanken innerhalb von 15 Minuten freien Lauf gelassen. Der Anfangssatz lautete „Es war kurz nach Mitternacht…“ 

Herausgekommen sind sehr schöne und interessante Geschichten, Gedichte und Gedanken. 

Meine Geschichte möchte ich euch an dieser Stelle einmal vorstellen. Vorhang auf für: Julchen.

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Es war kurz nach Mitternacht, als sich Julchen auf den Weg machte. Wohin, das wusste sie auch noch nicht so genau. Im Vorfeld hatte sie sich noch schön gemacht, ihr Federkleid geputzt und als Wegzehrung eine kleine Maus verspeist.

Jetzt saß sie auf einem Ast, ging noch einmal ihre Flugfedern durch und schaute mit großen Augen auf den vor ihr liegenden Wald. Noch ein Mal gestreckt – und schon breitete Julchen die Flügel aus und hob ab. Sie flog und flog.

Vom Himmel der dunklen Nacht aus konnte sie alles überblicken. Julchen liebte diese Zeit – den ganz frühen Morgen eines neuen Tages. Alles war ruhig, kein Verkehr, keine Lärmbelästigung durch schreiende Kinder – einfach nur Ruhe und Frieden.

Schon nach kurzer Zeit verspürte Julchen ein leichtes Hungergefühl und sie suchte sich erneut einen kleinen Nach-Mitternachts-Imbiss… nichts großes… nur ein kleines Mäuschen oder so – den größten Hunger hatte sie ja schon vor einiger Zeit gestillt.

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Julchen war das Jagdglück Hold und so saß die kleine Kauzdame bald auf einem Ast im nächstgelegenen Waldstück und verzehrte eine winzige Maus.

 

Bald darauf hörte Julchen Geräusche – auch andere ihrer Artgenossen waren heute Nacht unterwegs.

„Das ist meine Chance“, dachte sich die junge Kauzdame und setzte wieder zum Flug an. Endlich Gesellschaft zu haben – dieser Wunsch trieb sie an und führte sie auf ihrem Weg durch die Nacht auf geradem Weg zu der schon versammelten Kauzgesellschaft am anderen Ende des Waldes.

Julchen war schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Partner – einer, mit dem sie ihr Nest teilen konnte und der ihre Vorliebe für kleine Mäuse teilte. Sicherlich – sie könnte auch größere Nahrung fangen und vertilgen. Aber kleine Mäuschen waren „handlicher“ und schneller verspeist, als beispielsweise ein Eichhörnchen.

Mit ihrem Ziel fest im Blick ließ sich die junge Käuzin auf einem Ast nieder – gerade in der Nähe eines jungen Kauzes, der mit seiner frühmorgendlichen Nahrungsaufnahme beschäftigt war. Und zur Freude der jungen Kauzdame handelte es sich dabei auch um ein kleines Exemplar einer Maus – klein, grau – und bereits tot.

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Julchen rückte langsam näher – und der andere Kauz ging auf Abstand. Julchen gab nicht auf – und nach einer kleinen Weile (sie waren bereits am Ende des Astes angelangt) entschloss sich der Kauz, einen kleinen Rest seiner Beute abzutreten.

Julchen war begeistert – und sie war sich sicher: Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…