~ Annis Bell: „Die schwarze Orchidee“ ~

Note to my english-speaking readers: the quotes of the book are only in german language. If you would like to read the english version, it is titled „The black Orchid“.

Es ist immer schön, wenn man von Autoren und Musikern über die sozialen Netzwerke angeschrieben wird und man dadurch neue Werke entdecken kann.

Über Twitter hat mich auch die Autorin Annis Bell kontaktiert.

Die Schriftstellerin liebt es zu reisen und war bereits längere Zeit in England und Amerika zu Hause. Derzeit ist sie als freie Autorin in England und Deutschland tätig – mit besonderem Fokus auf das England der viktorianischen Zeit.

Its always nice to get contacted by authors and musicians via the social networks and to be able to explore new things this way.

Via Twitter the author Annis Bell contacted me a while ago.

She loves to travel and has been for a longer time living in England and the United States. Right now she works as a freelance author in England and Germany – with a special focus on the England at victorian times.

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Annis Bell stellte mir dieses Buch zur Verfügung – den zweiten Teil ihrer Romanreihe um Lady Jane.

Und bereits der Anfang ist interessant gestaltet:

„Das Moor schmatzte und gluckste, als wäre es lebendig. Ein Tier, das sich jeden Augenblick erheben und sie verschlingen konnte, dachte Rachel und hob die Laterne höher, um den Pfad nicht aus den Augen zu verlieren. Es war eine große Dummheit, nachts allein hier herauszulaufen, aber es gab Dinge, die es wert waren, etwas zu wagen.

(…)

Ihre neue Herrin schien das Klima hier oben auch nicht zu ertragen. Die arme Frau sah blass wie ein Leichentuch aus und wirkte sehr zerbrechlich. Sie konnte einem leidtun, denn Lady Charlotte war eine freundliche Herrin, die es nicht leicht mit ihrem Gatten hatte. Sir Frederick war launisch, kurz angebunden und er schlug gern zu.

(…)

Der weiche Boden verschluckte das Geräusch heraneilender Schritte, doch sie spürte die Schwingungen des Bodens. Noch bevor sie den Aufprall spürte, nahm sie einen seltsamen Geruch war. Der Geruch war ihr nicht unbekannt, doch sie hatte keine Zeit zum Überlegen, denn der Angreifer traf sie mit solcher Wucht, dass sie kopfüber sürzte und erst danach den scharfen Schmerz in ihrem Rücken fühlte. Warum?

Bevor ihre Sinne gänzlich schwanden, nahm sie noch wahr, dass man sie in den Morast wälzte, und diesmal wehrte sie sich nicht, als der weiche gluckernde Schlamm sich beinahe tröstend um ihre Glieder schmiegte.“

(page 7; 8; 11)

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Lady Jane begibt sich – nach einiger Gegenwehr ihres Mannes, Captain David Wescott – auf den Weg zu ihrer Freundin Lady Alison. Zunächst war es nur als Freundschaftsbesuch geplant – obwohl auch Lady Alison sich Sorgen um die Dame des Hauses, Lady Charlotte, macht.

Schon bald sieht sich Jane gezwungen, Nachforschungen anzustellen, um das Leben der beiden Damen zu retten.

Lady Jane – after some quarrel with her husband, Captain David Wescott – starts her journeys to her friend Lady Alison. What first was only meant to be a friendly visit soon turns out to be a live-saving adventure.

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Ganz interessant finde ich, dass es in dem Roman nicht nur die „normalen“ Passagen gibt, sondern auch Kapitel in Briefform.

Geschrieben von Derek Tomkins, dem Orchideenjäger der für Sir Frederick arbeitet, geben sie einen schönen Einblick in die Arbeit des Blumenjägers, die nicht immer ungefährlich ist. Diese „Briefe“ geben dem Buch einen weiteren abenteuerlichen Hauch und vervollkommnen das Bild, dass sich im Geiste beim Lesen zeichnet.

What I found really interesting is, that there are not only the „normal“ chapters, but also the chapters who are written as letters.

Written by Derek Tomkins, who is Sir Fredericks Hunter for the Orchids, is showing us insights of his work which is not always riskless. These letters have an additional touch of adventure added to the picture that is formed while reading this book.

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Ohne hier weiter auf die Handlung einzugehen kann ich dieses Buch nur empfehlen. Die Geschichte liest sich flüssig und auch die Charaktere sind schön entwickelt.

Annis Bell schafft es, den roten Faden der Geschichte schön zu spinnen und bis zum Ende aufrecht zu erhalten.

Die diversen Nebencharaktere sind ebenfalls gut gezeichnet und verlieren nichts an ihrer Intensität.

Without going further into the plot 0f the story I can definitely recommend this book. The story is easy to read and also the characters are well formed.

Annis Bell created an interesting golden thread to the story and keeps it upright to the end.

The different characters – not only the main ones – are well formed and are never loosing their intensity.

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Wer sich auch für den ersten Teil der Geschichte rund um Lady Jane interessiert, kann sich den Titel „Die Tote von Rosewood Hall“ näher ansehen.

If you are interested in the first part of the story about Lady Jane – it is titled: „The Girl at Rosewood Hall“.

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Habt ihr schon Bekanntschaft mit Lady Jane geschlossen?

Have you already taken a closer look into the adventures of Lady Jane?

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Ein Interview mit der Autorin gibt es übrigens hier und Informationen zur Faszination der Orchideen zu Zeiten Queen Victorias gibt es auf den letzten Seiten des Buches und auch hier.

„Der letzte Gentleman“ und zwei Filme für psychische Anspannung

Nach einiger Zeit melde ich mich mal wieder zu Worte. Der Grund für meine kurzzeitige Abwesenheit: ich miste aus. Inventur sozusagen. Man sammelt ja über die Jahre doch immer viel zu viel Dinge an, die man dann irgendwann wieder loswerden möchte, sei es, weil sich der eigene Lese- und Sehgeschmack geändert hat – oder weil man einfach Platz für Neues braucht oder generell etwas minimalistischer leben möchte.

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Wer von euch an den vergangenen zwei Freitagabenden arte geschaut hat, wird in den Genuss der britischen Serie „Parade’s End“ gekommen sein. Wer dieses kleine Filmjuwel mit Benedict Cumberbatch (Sherlock; Atonement, Star Trek Into Darkness), Adelaide Clemens und Rebecca Hall in den Hauptrollen noch nicht gesehen hat, sollte sich unbedingt auf der arte-Website umschauen. Derzeit sind leider nur noch die letzten drei Folgen online zu sehen. Aber besser als gar nichts.

Bildquelle: http://i.huffpost.com/gen/743593/thumbs/o-PARADES-END-570.jpg?4

Die Literaturverfilmung von Ford Madox Ford’s Roman bietet als Schauplatz die Zeitspanne vor bis nach dem ersten Weltkrieg aus britischer Sicht. Christopher Tietjens (Cumberbatch) ist ein traditionsbehafteter, kluger Mann, der sich – nachdem er einmal seiner momentanen Gefühlswelt nachgegeben hat – aus Pflichtgefühl in die Fänge der Ehe mit Sylvia gedrängt fühlt. Diese erwartet nämlich ein Kind und Tietjens sieht sich als moralisch-korrekter Mann dazu verpflichtet, ihr und dem Kind ein Heim zu bieten. Allerdings hat er Zweifel, ob es sich bei dem Jungen tatsächlich um seinen Nachkommen handelt.

Aber – wie fast immer bei dem von Benedict Cumberbatch wundervoll dargestellten Charakter – überwiegt das Ehrgefühl und die Pflichterfüllung – auch über das eigene Glück hinweg.

So hat sich Christopher Tietjens in eine junge Frau verliebt, die der Sufragettenbewegung angehört. Die junge blonde Schönheit namens Valentine ist ihm ebenso zugetan, allerdings stehen die Zeichen nicht gut für die beiden.

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Diese Serie entführt uns in eine Zeit, die wir nur aus Geschichten älterer Verwandter oder Büchern kennen. Zwar spielt die Entwicklung hin zum Frauenwahlrecht und dem Kriegsanbruch und -ende eine gewisse Hintergrundrolle, dennoch konzentrierte man sich mehr auf die Lebens- und Leidensgeschichte von Christopher Tietjens, der sich nicht aus seinen erlernten Zwängen der unbedingten Höflichkeit befreien kann. Selbst als ihm der Rat gegeben wird, sich doch scheiden zu lassen kann er sich nicht überwinden, obwohl weder er noch Sylvia in dieser Ehe glücklich sind. Sylvia weiss sich jedoch zu helfen und sucht anderweitig Abwechslung und versucht, aus Wut über dessen Moralverständnis ihrem Mann immer wieder zu schaden.

ABER: Ende gut, alles gut. In den letzten Minuten der Serie kann sich Christopher Tietjens aus seinem „Gefängnis“ befreien und man sieht die ersten zarten Augenblicke zukünftigen Glücks, dass ihm wohl jeder gönnt.

Bildquelle: http://i.telegraph.co.uk/multimedia/archive/02341/parade_s_2341931b.jpg

Wer sich Kritiken zur Serie durchlesen möchte, kann dies

hier

hier

hier

hier

und

hier tun.

 

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Gestern abend war auch wieder ein guter Zeitpunkt für Filmfans: zunächst lieferte der Hitchcock-Thriller „Das Fenster zum Hof“ spannende und blutlose Unterhaltung und danach hieß es für alle, die den Gedanken an Haie in den Sommermonaten am liebsten verdrängen einen spannenden Thriller namens „The Reef – Schwimm um dein Leben“, der im Vergleich zu anderen relativ blutleer auskommt, aber dennoch in seinen Bann zieht.

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Zunächst zu „Das Fenster zum Hof“:

Bildquelle: http://www.moviepilot.de/files/images/0248/8836/das_Fenster_zum_hof.jpg

Der 1954 entstandene Film des 1980 verstorbenen Alfred Hitchcock wartet mit James Stewart und Grace Kelly in den Hauptrollen auf und zeigt, was Besessenheit von einer Tat mit einem Menschen machen kann.

James Stewarts Charakter Jeff muss nach einem Unfall den Rollstuhl als zeitweiligen Lebensgefährten ertragen und beobachtet – auch auf Grund seiner Tätigkeit als Fotograf – gern die Menschen in seinem Wohnumfeld.

Als er eines Abends den Nachbarn Thorwald bei mehreren Spatziergängen mit einem Koffer beobachtet und Tags darauf dessen Frau verschwunden ist, wächst in dem Fotografen ein schrecklicher Verdacht…

„Das Fenster zum Hof“ ist ein Filmjuwel und ein Meisterwerk Hitchcocks. Da in den heutigen Zeiten Actionszenen und „Krach-Bumm“-Effekte zur Normalität geworden sind, ist so ein ruhiger aber dennoch fesselnder Film eine gelungene Abwechslung von der heutigen Effektehascherei. Simple, einfache Methoden, die in ihrer Sprache dennoch überzeugen.

 

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„The Reef“ – ist ein Film des Regisseurs Andrew Traucki, der im Jahr 2007 schon „Black Water“ schuf – ein ebenfalls fesselnder Schocker mit einem Krokodil in der Hauptrolle. Ich habe den Film hauptsächlich wegen Zoe Naylor angeschaut, die mir aus ihren „McLeods Töchter“-Tagen gut in Erinnerung ist.

Bildquelle: http://covers.box.sk/newsimg/dvdmov/max1302549634-frontback-cover.jpg

Was wäre, wenn ihr auf Segeltour seid, euer Boot kentert und ihr habt nur eine Wahl – schwimmen…

So ergeht es den fünf Charakteren des Films. Zunächst ist der Segelausflug richtig schön und alle genießen die Zeit. Es wird auch auf einer kleinen Insel halt gemacht. Dann setzt die Ebbe ein und die vier müssen zurück aufs Schiff. Dieses hat einen Motorschaden erlitten, kann jedoch wieder mobilisiert werden. Der Ausflug geht weiter. Am nächsten Morgen werden sie unsanft wachgerüttelt, das Boot ist gekentert… (obwohl ich mich an dieser Stelle schon gefragt habe, wie ein etwas größeres Segelboot bei sanftem Wellengang komplett umstürzen kann und dann mit der Unterseite zu oberst im Wasser treibt – war ja auch kein Riff an dieser Stelle, wo es hätte Schrammen geben können…)

Jedenfalls retten sich alle zunächst auf das über dem Wasser liegende Schiffsteil. Da sie keine andere Möglichkeit sehen, beschließen sie zur nächstgelegenen Insel zu schwimmen – 12 Meilen!

Einer der Gruppe bleibt auf dem Bootsteil – die Angst vor Haien hindert ihn daran, die anderen zu begleiten.

Bildquelle: http://www.moviepilot.de/files/images/0658/8067/The_Reef_2.jpg

Die kleine Vierergrupe macht sich auf den Weg in aus dem Wrack geretteten Neoprenanzügen hin zur rettenden Insel….

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Wie bei jedem Horror- oder Schauerfilm gibt es auch bei „The Reef“ letztendlich nur einen Überlebenden.

Was an diesem Film gut ist: keine Massenpanikattacken oder genmutierte und einem Wachstumsschub ausgesetzten Monsterhaie. Nein – diesen Film dominiert die menschliche Psyche und die Angst vor einem Raubtier, das bereits zu Zeiten der Dinosaurier auf der Erde existierte.

Bei „The Reef“ sind es die kleinen Momente, die ängstigen: das Suchen durch die Taucherbrille nach Bewegungen unter Wasser, die Ruhe, die eigenen Angstgefühle…

Bildquelle: http://www.moviepilot.de/files/images/0658/8053/The_Reef_1.jpg

Es ist keine Horde von Haien – sondern ein Hai, der sich dem Grüppchen nähert und das Grauen in ihnen auslöst. Es folgen die typischen Reaktionen: hektisches und stockendes Atmen, Schockstarre und verzweifeltes Planschen.

Ein gut gemachter Film, der hoffen lässt, dass man sich nie selbst in so einer Situation befindet. Letztendlich bringen alle Ratschläge von Kennern der Fische, wie „möglichst ruhig atmen“  und „nicht hektisch planschen“, in der Realität nicht wirklich viel. Man wird in so einer Situation immer hektisch reagieren und nicht ruhig atmen können…

Wer einen Vorgeschmack haben möchte, hier kann man sich den Trailer anschauen.

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FAZIT:

Es gibt in der Fernsehwelt mit all ihren Reality-Soaps und manchmal verblödenden Inhalten auch wahre TV-Schätze, die nur gefunden werden müssen. 

Hitchcock und „Parade’s End“ sind definitiv zu empfehlen und „The Reef“ ist was für Menschen, die auch im Sommer keine Angst vor Haien in offenen Gewässern haben.