~ Martin Windrow: „Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank“ ~

„Mein Leben mit Mumble“ – so lautet der Untertitel dieses wunderschön geschriebenen Buches, welches zugleich eine Erinnerung an einen faszinierenden und belebenden Lebensabschnitt des Autors ist.

„Life with a lovable tawny owl“ – that’s the subtitle of this wonderfully written book which is also a memory of a fascinating and enlivened part of the live of author Martin Windrow.

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Bildquelle: http://files.hanser.de/hanser/pics/978-3-446-44328-0_20141127113530502.jpg

Über dieses Buch bin ich durch Zufall auf der Leipziger Buchmesse gestolpert – in der Autorenbuchhandlung. Und ich bin richtig zufrieden mit dieser zufälligen Begegnung. Das erste, was mich in den Bann gezogen hat, war das liebevoll gestaltete Cover, welches gleich einen guten Eindruck davon vermittelt, was einen im Buch erwartet.

In zehn Kapiteln führt uns der Autor Martin Windrow nicht nur in sein kurzes Leben mit Mumble – er berichtet auch auf nicht aufdringliche und verständliche Weise über die Hintergründe. Kurz gesagt: wir erfahren eine Menge – nicht nur über Mumble, sondern auch über die Spezies der Eulen insgesamt.

I stumbled upon this wonderful book at the Leipzig Book Fair – at the author’s bookshop. And I am really happy about this. The first thing that drew me to this book was the lovely cover which shows in a cute way what you can expect from the book.

In ten chapters the author Martin Windrow drags us in his too short life with Mumble – and – tells us a little about owls in general. Not in an invasive way but with his lovely way of writing.

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Bildquelle: https://farm6.staticflickr.com/5583/14529623658_f19c77fbc7_m.jpg

 

Schon der Titel des ersten Kapitels lädt zum Schmöckern ein: „Mann begegnet Eule – Mann verliert Eule – Mann begegnet der Eule seines Lebens“. Klingt doch schon mal interessant, oder?

Even the first chapter of the book sounds interesting, right? „Man meets Owl – Man looses Owl – Man meets his one true Owl“

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„Fast immer spatzierte sie davon, wenn ich die Dusche aufdrehte; doch schon bald nachdem das Wassergeräusch verstummt war – meist saß ich dann auf der Badewanne und trocknete mir die Füße ab -, vernahm ich ein fragendes Gurren, und schon erschien in der Badezimmertür ihr Gesicht, mit großen neugierigen Augen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund war sie offenbar zu dem Schluss gekommen, dass sich dieser Moment perfekt dazu eignete, sich den Kopf kraulen zu lassen.“

(S. 94)

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Information for my english-speaking readers: I am leaving out the translated quotes because I only have the german edition here. But believe me – reading this book is worth it.

Garniert werden die Ausführungen von Martin Windrow von wunderschönen Zeichnungen der Künstlerin Christa Hook, die Mumble zu jener Zeit in Aktion erleben durfte.

Another highlight of the book of Martin Windrow are the wonderful drawings by artist Christa Hook who was lucky enough to have witnessed parts of Mumble’s life.

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source: http://www.christahook.co.uk/img/uploads/chweb_img_2663.jpg

Natürlich müssen sich auch die Gäste von Martin auf Mumble einstellen und so kommt es im Laufe der Zeit zu einigen interessanten Begegnungen:

„[…] Langsam und bedächtig tat Mumble scharrend ein paar Schritte nach vorn und beugte sich über den Rand. Als erstes sah Gerry die glänzenden Spitzen von vier rasierklingenscharfen Krallen, die sich um den vorderen Rand des Helms krümmten. Dann erschien zwischen ihren auseinanderstehenden Füßen kopfüber ihr Gesicht, und sie starrte Gerry direkt in die Augen. Während Mumble in dieser Pose verharrte – fasziniert, unschlüssig, was sie als Nächstes tun sollte -, spottete Gerrys Miene jeder Beschreibung, und wir drei brachen in schallendes Gelächter aus. Daraufhin hob Mumble senkrecht ab, und ich schenkte Gerry Wein nach.“

(S. 151)

 

Natürlich muss man bedenken, dass Mumble mit Martin zusammen die ersten gemeinsamen Jahre in einer Londoner Wohnung lebte. Erst später zogen sie in ein ländlicheres Häuschen, wo Mumble auch eine größere Voliere bekam. Trotzdem flog sie öfters im Haus durch die Gegend.

Sure you have to think about the fact that Mumble and Martin lived the first time in his flat in London. Little time later they moved to a more peaceful place where Mumble had a much bigger place – nevertheless she used the possibilities to get into the house.

„Haben den Samstagmorgen wie immer gemütlich zusammen in der Küche verbracht. Während ich das Frühstück zubereitete, ließ Mumble sich ihr Frühstück im offenen Nachtkäfig schmecken. Als ich hörte, wie sie auf die Käfigschwelle hüpfte, ging ich zu ihr hin, und sie begrüßte mich zärtlich – vielleicht eine Spur zu zärtlich, da sie ihren kükenverklebten Schnabel noch nicht abgewischt hatte. Dann sprang sie auf meine Schulter und kam mit an den Küchentisch, wo ich bei meiner zweiten Tasse Kaffee saß. Wie damals in der Londoner Wohnung ist dies die wichtigste Zeit, die wir miteinander verbringen, und wir genossen eine schöne Schmuse- und Gefiederpflegestunde.“

(S. 285/286)

 

FAZIT:

„Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank“ ist eine wunderbar gefühlvolle Geschichte garniert mit viel Wissenswertem über Eulen generell und sehr schönen Zeichnungen.

Geeignet ist dieses Buch nicht nur für Tierliebhaber, sondern für Menschen, die Geschichten mögen und über die Fähigkeit zur Empathie verfügen.

Auch wer Eulen vorher eventuell nicht mochte – gegen Mumble kommt man nicht an und schon nach kurzer Zeit wird man sie ins Herz geschlossen haben.

RESULT:

„The owl who liked sitting on Ceasar“ is a wonderful and emotional story with lots of interesting facts about owls in general and really beautiful drawings.

This book is not only a good choice for animal lovers – it’s also something for people who like stories and like to build relationships with characters.

Even if you didn’t like owls before – you just have to like Mumble in a short period of time.

Artikel zum Buch gibts… / Articles you can find…

* im Guardian

* der NY Times

* der Washington Post

 

Ich kann dieses Buch nur empfehlen und bin froh, diese Entdeckung gemacht zu haben.

I highly recommend this book and am glad to have made this discovery.

~ Tag 3 auf der LBM / Day 3 at the Book Fair ~

Nachdem ich nun den ersten und zweiten Buchmessetag hinter mich gebracht habe, machte ich mich nun heute auf zu Tag 3 auf dem Messegelände. Dabei sah ich natürlich auch heute wieder gut gekleidete Cosplayer mit schönen Kostümen, nur hatte ich leider nicht immer die Zeit zum anhalten und fotografieren bzw. für ein kurzes Gespräch. Vielleicht wird das ja morgen besser 🙂

So, after a good first and second day on the book fair today was my third day at the convention. Of course there were many many well dressed Cosplayers with lovely costumes but sadly I didn’t have enough time to take fotographs or talk a little bit with them. Maybe tomorrow…

Meine erste Veranstaltung führte mich heute zu PEN. Diese Abkürzung steht für Poets, Essayists und Novelists – also für die Schreiber verschiedener literarischer Kategorien.

Die Mitarbeiter von PEN kümmern sich um inhaftierte bzw. im Exil lebende Autoren und versuchen, ihnen ein Stück ihrer künstlerischen Identität wiederzugeben. Laut den gegebenen Informationen ist die gefährlichste Gegend für Schriftsteller momentan China und Mexiko die Tödlichste.

In dieser Veranstaltung nun wurden kurze Werke inhaftierter bzw. schon verstorbener Künstler von Mitarbeitern von PEN vorgetragen. Hierbei handelte es sich um Gedichte, Kurze Geschichten bzw. Auszüge von Romanen. Die betreffenden Autoren sind Liu Xiabo, Abdalrachman Munif und Fadhil al-Azzawi.

An sich fand ich diese Veranstaltung sehr lehrreich und informativ, wenn auch etwas kurz! Von den zur Verfügung stehenden 30 Minuten wurden gut 15 genutzt und dann wurden die Zuhörer „entlassen“. Vielleicht waren die Veranstalter „messemüde“, aber ich hätte mir ein besseres Szenario für diese Veranstaltung vorstellen können. Man hätte zum Beispiel auch die Autoren beleuchten können, die in unserem Land im Exil leben und von PEN gefördert werden – hier wären auch Gastauftritte möglich gewesen, um auf die Komplexität des Themas hinzuweisen.

Vielleicht nächstes Mal…

My fist event today was leading me to a reading of PEN, which stands for poets, essayists and novels – for the writers of different kinds of literature.

The people of PEN care for Writers in prison or those living in exile and are trying to give them back a part of their artistic identity. It was told that the most dangerous region for authors right now is China and Mexiko being one of the deadliest.

During this event members of PEN read short creations of artists which are in prison right now or have already died. There were creations by Liu Xiabo, Abdalrachman Munif and Fadhil al-Azzawi.

At first sight this event was really informative – but a bit short! They had 30 minutes time and only used 15! Maybe they were already tired of the fair, but I could think of better ways to tell people about their work. They could have told the people not only about the writers in prison but also about the writers in exile. Then they maybe could have some guest readings as well to show the good work to the listeners.

Maybe next time…

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Als nächstes ging es zum „Wagnis in Amerika“. Dort erzählte die Autorin Dorothe Kress eine Geschichte, die von Kulturschocks handelt, von der Liebe, vom Leben in einem fremden Land und von den Problemen, die mit allem verbunden sind. Zu erwähnen ist hier noch, dass es sich bei diesem Titel um eine romanhafte Biografie handelt und die Autorin selbst all dies durchlebt hat.

Bereits in dem ersten Buch von Frau Kress wird beschrieben, wie die Lehrerin aus dem Erzgebirge den jungen Amerikaner kennenlernt und sich in ihn verliebt. In diesem Buch nun gibt es die Fortsetzung, obwohl die Autorin betonte, dass auch beide Bücher unabhängig voneinander gelesen werden können.

Sie beschreibt die Anfänge in den USA, die interessant, verwirrend und schockierend zu gleich waren. Den Alltag in der Schule für die Kinder, der auf Grund der fehlenden Sprachkenntnisse zunächst auch nicht sonnig war – und die Schwierigkeiten der alltäglichen Anpassung. Da geht es auch ums Bezahlen mit Kreditkarte, schließlich kannte die Ostdeutsche so eine Art von Bezahlung nicht. Auch die Kommunikation spielt eine Rolle, ebenso wie die unterschiedlichen Feiertage in dem „fremden Land“.

Auf alle Fälle ein sehr interessantes Buch, welches ich mir merke…

Next I got to listen to a story of Dorothe Kress. She read from her new book which deals with culture shocks, love, the life in a new country and the problems everybody has to face. You should know that this title, „Wagnis in Amerika“, is a biografical romance.

In the first book the author has described how the young teacher met and fell in love with the young American and now this is the following book – but Dorothe Kress stressed that one could read both books autonomous.

She writes about die start in the USA, which were interesting, crazy and shocking at the same time. The normal day at school for her children – which isn’t always so nice because of the missing knowledge of the english language. Its also about the small things that are different between the former GDR and the USA – f.e. paying with credit card or the differences between the holidays they know and the kind of holidays they have in America.

A really interesting book which I definitely keep in mind…

 

Danach ging ich zu meiner nächsten Lesung/ Vortrag, zu dem ich etwas früh dran war. Deshalb konnte ich noch den Rest der vorigen Lesung erleben, in der es um Transplantationen und die Auswirkungen ging. Die Autorin erzählte vom Organgedächtnis und erzählte auch anhand von persönlich erlebten Geschichten die Auswirkungen solcher Eingriffe.

Da wäre eine Frau, die unheilbar erkrankt war und dringlichst ein Spenderherz benötigte. Sie hatte eine unglaubliche Ausstrahlung mit glänzenden Augen und einem wachen Geist. Die Transplantation hat zwar für einige Zeit ihr Leben verlängert, aber ihren Charakter total verändert. Das Strahlen war weg und sie selbst und auch ihr Ehemann fühlten sich nicht mehr so stark verbunden wie vorher.

Die nächste interessante Geschichte drehte sich um einen introvertierten Mann, der ebenfalls eine Herztransplantation benötigte. Nach der Operation hat sich sein komplettes Leben verändert. War er vorher introvertiert, wich dieses Naturell nun einem extrovertierten – mit allen negativen Auswirkungen. Im ersten Jahr nach dem Unfall hatte er drei Unfälle. Hängt es damit zusammen, dass das Herz von einem extrovertierten Motorradfahrer stammt, der tödlich verunglückte?

Genug Stoff zum Nachdenken!

After this I walked to my next reading. I was too good in time so I catched the last minutes of the earlier reading. It was about transplantation and the impacts of this. The author told us about the memory of the organs and also about two incidents she witnessed.

The first was about a woman who was terribly ill and could only be saved by a transplantation (heart). She had a wonderful charisma with glowing eyes and a good spirit. The transplantation had saved her life for a little time – but she completely lost her self. The glowing eyes were gone and also her husband wasn’t as close to her as before.

The next story was about an introvert young man who also needed a new heart. After the surgery his whole life changed. Not only did he become a total extrovert, he also had 3 accidents in the first year after the surgery. Is this related to the fact that his new heart belonged to a young motorcycle-driver who had a horrible accident before he died?

Enough things to think about…

***

Dann kam eine ruhige und angenehme Messezeit, in der ich mal nicht von Termin zu Termin hastete, sondern mich mit Kathrin von Phantasienreisen traf. Wir hatten uns lange nicht gesehen und so wunderte es auch nicht, dass wir uns in die Bloggerlounge verzogen und erstmal redeten. Kathrin kam von einer Signierstunde mit Benjamin Lacombe und ich muss zugeben, dass mich seine Werke optisch definitiv ansprechen. Wir stromerten dann noch ein wenig durch die Halle und landeten dann zu unserer letzten Lesung für den heutigen Tag.

Then came a quieter and more peaceful time of the fair where I don’t had to „run“ from event to event. I met with Kathrin of Phantasienreisen and since we hadn’t seen each other in a while we went to the Bloggerlounge and began talking. Kathrin came from a signature with Benjamin Lacombe and I have to confess that I also like his works. We walked a little bit around the hall and then went on to listen to our last reading for the day.

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Bildquelle: http://www.ostsee-portal.info/images/stories/Literatur2/Im_Eisland_Bd1_01901.jpg

Diese drehte sich um die Franklin Expedition, die spurlos verschwand und dessen Mitglieder nicht mehr gefunden werden konnten. Viele Geheimnisse gibt es noch heute um dieses Thema und die Autorin und Illustratorin des Werkes, Kristina Gehrmann, beantwortete viele Fragen rund um ihre Arbeitsweise und um die Entstehung der Graphic Novel. Gut ein halbes Jahr arbeitet sie an einem Buch – ohne die Recherchen! Für diese zieht sie Fachliteratur aber auch Romane hinzu und hat Hilfe erhalten von Fachleuten auf diesem Gebiet, die unter anderem auch Schiffsmodelle bauen, die sie für ihre Zeichnungen verwendet. Die ganze Vorbereitung geschieht (bis auf das Storyboard) am PC und „Im Eisland“ ist die erste Graphic Novel, die der Hinstorff Verlag herausgebracht hat.

Nähere Informationen zur Künstlerin findet man u.a.  hier und hier.

The last reading is about the Franklin Expedition which got lost completely and whose memnbers couldn’t be found – not even the skeletons of them. Until today there are many mysteries surrounding this theme and the author and illustrator Kristina Gehrmann answered to many questions regarding her work and the formation of the Graphic Novel. She works half a year on one book – just the drawing – without the research! For this she is using specialist literatur as well als novels and got help by specialists at this theme who also built models of the ships which Kristina used for her drawings. The whole work (except the storyboard) is done on computer. „Last Man Standing: Franklin Expedition“ is the first graphic novel being published at the Hirnstorff.

Information on the artist can be found f.e. here or here.

 

 

So, dieser Buchtag ist auch zu Ende gegangen – und ich hab „nur“ 2 Bücher mitgenommen: einmal „Im Eisland“ (signiert) und dann hab ich noch eins zufällig gefunden: „Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank“ – ein sehr hübsches Buch mit schönem Cover und anrührender Geschichte.

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Bildquelle: http://files.hanser.de/hanser/pics/978-3-446-44328-0_20141127113530502.jpg