~ Das Oster- Q & A: Matthias Czarnetzki ~

An Karfreitag ist laut Überlieferung Jesus gekreuzigt worden und hat den Tod gefunden.

Auf meinem Blog stirbt heute keiner.

Die Q & A wird „wiederbelebt“ – nach einiger Zeit der Abwesenheit ist die Frage-/Antwortrunde zurück 🙂

 

Mein bereitwilliges „Opfer“ diesmal: der Leipziger Autor Matthias Czarnetzki, dessen bekannteste Heldin Lutetia Stubbs ich in einem früheren Artikel schon einmal vorgestellt habe.

 

Einige kurze Worte zum Autor:

Matthias Czarnetzki ist nicht der typische „Ich werde jetzt Schriftsteller“-Typ von Autor. Er ist mehr. Er hat als Banker und Journalist gearbeitet, Informatik studiert und ist neben seiner Arbeit an künftigen Büchern auch immernoch als Software-Architekt tätig.

Seine Bücher findet man auf amazon und Leseproben gibt es ebenfalls dort oder auf seiner Homepage.

 

Nun… das Q & A:

1. Deine Bücher über Lutetia Stubbs umfassen bisher drei Geschichten, eine vierte ist in Arbeit.
Lutetia ist ja nun keine alltägliche Person und sicherlich möchte man ihr nicht an einem ihrer schlechten Tage begegnen. Was fasziniert dich besonders an ihrem Charakter? Würdest du, sozusagen als ihr „Erschaffer“, etwas an ihr ändern wollen? (auch auf die Gefahr hin, dass sie ziemlich böse werden würde 😉 )

Lutetia hat felsenfeste Ansichten über das, was richtig und was falsch ist und setzt das kompromisslos durch. Genau das fasziniert mich an ihr – und darum beneide ich sie auch.  Wie oft machen wir um des lieben Friedens willen faule Kompromisse? Das würde Lutetia nie einfallen und genau deshalb habe ich sie so erschaffen.
Lutetia hat sich zwar etwas anders entwickelt, als ich das geplant habe, aber ich bin ganz zufrieden mit ihr. (Sorry, sie steht grad hinter mir und ich möchte da sicherheitshalber nichts anderes sagen 😉

 

2. Karl May brachte dich zum Schreiben. Du hast eine sehr konkrete Arbeitsweise, lässt dich möglichst nicht ablenken und bleibst ständig am Ball.
Wenn du dir einen Ort aussuchen könntest – egal wo auf der Welt, von dem du schreiben könntest – wo wäre das? Und wieso gerade da?

Die Long Library am Trinity College in Dublin – vorausgesetzt ich könnte mich da in eine Nische quetschen, die noch nicht von Touristen entdeckt wurde.
Diese Bibliothek ist für mich die Verkörperung der Literatur – hunderttausende Bücher, die Schriftsteller im Lauf der Jahrhunderte geschrieben haben, all ihre Ideen, Träume, Leidenschaften… alles ist dort zu finden. Und die Vorstellung, ein Teil davon zu sein, ist für mich ein gewaltiger Motivationsschub.

3. In meinem ersten Q & A habe ich Patrick Hundt, einen Reiseblogger aus Leipzig, zu Gast gehabt. Diese Art zu arbeiten und zu leben, finde ich persönlich sehr interessant, wüsste jetzt aber nicht auf Anhieb zu sagen, ob es für mich das Richtige wäre.
Könntest du dir vorstellen, neben deinen Kurzgeschichten und den Geschichten um Lutetia einen solchen Karriere- und Lebensweg einzuschlagen (gemäß dem Fall, deine Familie hätte die Zeit mitzumachen)?

Da bin ich wohl zu neugierig. Wenn es etwas Neues zu entdecken gibt – was auf Reisen ja immer der Fall sein sollte, dann lasse ich mich da voll drauf ein. Natürlich könnte ich über diese Entdeckungen Berichte und Artikel schreiben – während meiner Zeit als Journalist habe ich das ja auch getan – aber für meine Bücher brauche ich meine Phantasie. Und die braucht bei mir Ruhe, um reifen zu können.

4. Du hast eine wahre Riege von unterschiedlichen Büchern der verschiedensten Inhalte und Kategorien in deinen Regalen stehen: von Biologie über Mathematik bis hin zu Krimis und Belletristik.
Ich habe es schon an mir beobachtet, wie sich der Buchgeschmack und das Interesse an einzelnen Werken/ Autoren im Laufe der Zeit ändert.
Wie hat sich dein Buch-/Lesegeschmack im Laufe der letzten – sagen wir 5 Jahre – verändert?

Die radikalste Änderung kam durch meinen Kindle. Wenn man Printbücher kauft, dann ist das eine relativ hohe Investition – da ist man doch eher konservativ und setzt auf Autoren und Bücher, die man kennt und von denen man hoffentlich nicht enttäuscht wird.
Durch den Kindle und KDP gibt es jetzt aber die Möglichkeit, tausende neue Autoren kennenzulernen, die ihre Bücher dort veröffentlichen und die in der klassischen Verlagswelt wegen mangelnder wirtschaftlicher Erfolgsaussichten nie eine Chance gehabt hätten.
Natürlich gibt es unter den Selfpublishern auch viele einfach gestrickte Texte, die vollkommen zu Recht in den Schubladen versauern sollten – aber es gibt auch viele unangepasste Bücher, die neue Wege gehen und andere Geschichten erzählen, die mit ihren Ecken und Kanten in kein bekanntes Verlags/Buchhandelsschema passen (ich kann mir Pride and Prejudice and Zombies nicht wirklich in einer Buchhandlung vorstellen) aber bei denen es  einfach nur Spaß macht, sie zu lesen und die die Lust wecken, weiter auf Entdeckungsreise durch dieses Buchuniversum zu gehen.

 

5. Mit Blick in die Zukunft: Wie schätzt du deinen Lesegeschmack und Buchkonsum in – sagen wir 20 Jahren – ein?

Die Zeiten sind vorbei, in denen ich unkritisch alles gelesen habe, was mir unter die Finger kam. Ich achte jetzt mehr auf Qualität – das wird sich in den nächsten Jahren verschärfen. Ich muss zugeben, dass ich bei vielen Büchern nicht einmal die Leseprobe zu Ende lese. Wenn es mich nicht gleich packt, dann muss ich meine Lebenszeit nicht damit verschwenden – dazu ist sie zu wertvoll.
Wie sich mein Geschmack entwickelt, kann ich nicht sagen – das hängt von den Büchern ab, die ich in Zukunft lese. Aber mein Konsum wird steigen. Davon gehe ich aus.

6. Ich habe festgestellt, dass ich komischerweise immer wieder bei Buchserien lande.
Sei es „Young Sherlock Holmes“ (bisher 4 Bände) oder die Geschichten des Autors Ben Aaronovitch um seine Figur Peter Grant. Auch die Romane von Jill Shalvis aus ihrer „Lucky Harbor“-Reihe bevölkern mein Buchregal.

Bist du eher ein Liebhaber von „Einzelbüchern“ oder zieht es dich auch dann und wann zu Buchserien? Gibt es markante Buchserien in deinem Regal?

Ich hab alle Bücher von Terry Pratchett im Regal und die meisten Krimis von Edgar Wallace und Agatha Christie.

Bei Pratchett ist es faszinierend zu beobachten, wie er im Lauf der Jahre immer besser wurde. Die Bücher um Sam Vimes und Dodger enthalten so viel hintergründigen Humor und Satire, dass ich selbst bei mehrfachen Lesen immer noch etwas neues entdecken kann – das möchte ich mit meiner Lutetias-Stubbs-Reihe auch erreichen.

7. Schnellantwort- Runde: (Bitte schreib einfach das auf, was dir als Erstes in den Sinn kommt)

Lieblingsjahreszeit?

Frühling.

E-Book oder gedrucktes Buch?

E-Book

Gesprächspartner für ein Abendessen: Lutetia, George oder Marx (warum)?

Lutetia. George ist mir zu ähnlich, das wäre ein Selbstgespräch, Marx ist mir unsympathisch. Bleibt Lutetia. Außerdem ist sie so emanzipiert, das sie zahlt.

Was ist deiner Ansicht nach das größte Hindernis für heutige Neuschriftsteller – und wie könnten sie dies überwinden?

Ein Buch zu Ende zu schreiben – denn es ist harte Arbeit und trennt schon Spreu vom Weizen. Hier hilft nur Selbstdisziplin. Und wenn man damit fertig ist, dann heißt es wieder durchhalten, bis man seine Leser erreicht.
In den Medien werden immer die Geschichten des Über-Nacht-Erfolgs erzählt. Wenn man sich die Hintergründe ansieht, dann ist jeder Über-Nacht-Erfolg das Ergebnis von sieben Jahren harter Arbeit.
Deshalb sollte sich niemand vom ausbleibenden Erfolg entmutigen lassen, sondern immer weiter machen.

Wo kannst du am besten nachdenken und neue Ideen tanken?

Am See, wenn Wellen an den Strand plätschern. Zum Glück ist der Kulki nur 200 m weit weg.

Bester Film, den du in der letzten Zeit gesehen hast?

The Kings Speech. Ich gehe nicht wirklich oft ins Kino und Fernsehen muss auch nicht wirklich sein.
Eine TV-Serie könnte ich bieten: Castle. Er ist Schriftsteller (wie ich), gut aussehend (wie ich), witzig (wie ich), intelligent (wie ich), phantasievoll (wie ich), reich (ok, er ist ein fiktionaler Charakter). Keine Ahnung, warum ich die Serie so sehr mag 😉

Film – oder Buch-zum-Film?

Buch zum Film. Ich habe Stephen Kings „Es“ lieber gelesen, weil mir die Vorstellung, drei Stunden vor dem Fernseher zu sitzen, grauenhaft erschien.

Die heutige Welt ist durchzogen von Medien. Ohne welche Medien könntest du am ehesten leben? Was ist für dich hingegen unverzichtbar? Und: Aus welchem Grund hast du diese Wahl getroffen?

Überflüssig: Fernsehen. Unverzichtbar: Internet. Denn Fernsehen ist eine Einbahn-Straße, wer davor sitzt ist nur ein passiver Konsument. Im Netz kann man mitmachen, seine eigene Meinung einbringen – selbst was machen.

Größter Wunsch für die Zukunft?

Immer zufrieden zu sein, mit dem was ich erreicht habe, und nie die Lust zu verlieren, etwas Neues zu schaffen.

 

Ich hoffe, euch hat auch dieses Q & A gefallen und interessante Einblicke geliefert.

Matthias Czarnetzki ist übrigens auch auf Twitter, Facebook, xing und tumblr zu finden.

 

An dieser Stelle wünsche ich meinen Lesern schon jetzt ein schönes Osterfest im Kreis von Familie und Freunden und viel Spaß bei zukünftigen Leseabenteuern 🙂

~ Q & A: Frank Rüdiger ~

Willkommen zu einem neuen Q & A!

Mein Gast diesmal: der Autor, Fotograf, Museologe und Londonliebhaber Frank Rüdiger.

Einigen von euch wird er eventuell noch aus vergangenen Blogeinträgen bekannt sein. Für Interessierte und Neuleser hier ein kleiner Einblick in Stichpunkten:

– geboren und aufgewachsen in Gera, hat Museologie in Leipzig studiert

– lebt mit seiner Frau Ulla Spörl (ebenfalls Autorin) in Gera

– von ihm bekam ich mein erstes Rezensionsexemplar 🙂

– Autor/ Co-Autor von mehr als 50 Werken

***

Sein wunderbares Buch „Cockney, Cookies, Camden Market“ habe ich geradezu verschlungen und natürlich auch darüber berichtet.

London
London

***

Lieber Frank,

vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, für mein Q&A Fragen zu beantworten.

Da ich bereits einige andere Gäste zur Fragenbeantwortung hatte, nehme ich auch immer Bezug zu anderen Themengebieten, getreu dem Blognamen „…andmore“. Ich hoffe, das kommt dir ein wenig entgegen 🙂

Sicherlich werden sich die Fragen hauptsächlich um London drehen, aber das ein oder andere „Londonfremde“ wird auch zu finden sein.

1. Als Fotograf und Museologe hast du ja vielleicht einen anderen Blick auf die Dinge als der „normale“ Tourist. Was ist es, was dich an der Stadt London so fasziniert? Gibt es eine andere Stadt, von der du ähnlich beeindruckt bist?

 Es ist die wunderbare Mischung aus Tradition und Moderne, die mich an London so fasziniert. Da gibt es neben den natürlich bekannten Touristenmagneten noch soviel Kleines und Unbekanntes zu entdecken, dass es einen täglich aufs Neue motiviert, sich auf den Weg zu machen. Es ist das Selbstverständnis des ständigen Wandels, dass diese Stadt, die trotz ihrer Größe wirklich überschaubar ist, prägt.

Und es sind natürlich die Menschen, die diese Stadt interessant und liebenswürdig machen.

Auch wenn das jetzt vielleicht etwas seltsam klingt –zumindest schauen mich viele Bekannte immer ungläubig an, wenn ich das erzähle– aber für mich hat diese Stadt auch einen unverwechselbaren Geruch!

Sicherlich hat jede Stadt ihre Besonderheiten und Eigenarten, aber die Faszination und Ausstrahlung, die ich nun schon über zwei Jahrzehnte in London empfinde, habe ich so woanders noch nicht erlebt.

2. Könntest du dir vorstellen, für längere Zeit (länger als ½ Jahr) in London zu leben? Wenn ja, an welchem Ort in dieser schönen Stadt würde man dich wohl am ehesten finden?

 Ich war schon länger als ein halbes Jahr dort. Wenn wir in London sind, wohnen wir im Haus eines Freundes in Bloomsbury. Aber du findest mich natürlich nicht nur dort. Zwischen Croydon und Enfield, oder Dartford und Hounslow gibt es soviel Interessantes, dass ich mich beim besten Willen nicht festlegen kann.

3. Du bist ja generell sehr am Britischen interessiert – gibt es ein englischsprachiges Buch/ Film/ Serie, die du empfehlen würdest zu lesen/ anzuschauen? Aus welchem Grund?

 Oh, das ist natürlich ein sehr weites Feld, dass literarisch von Emily Brontë und Jane Austen über Charles Dickens bis zu Ian McEwan reicht. Im Film/TV sind es natürlich Holmes (Basil Rathbone oder Benedict Cumberbatch), die Herren Barnaby, Banks oder Lynley, „Downton Abbey“ oder „Die Tudors“. Aber auch „Notting Hill“ und „Tatsächlich … Liebe“ gehören je nach Stimmung zu den Favorites. Und nicht zu vergessen – „Little Britain!“

Generell kann ich nur empfehlen, die Filme möglichst im englischen Original anzuschauen.

Übrigens für Londonliebhaber ein Muss: Peter Ackroyd – „London Die Biografie“!!!

Warum? Ich könnte ja jetzt was über die Erzählstruktur oder Perspektive erzählen, aber das wäre nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass es ganz einfach Bücher, Filme, Geschichte und Geschichten sind, die in dem Land spielen, in dem ich mich wohlfühle.

4. Wird es von dir weitere Bücher/ Episoden über deine Londonerlebnisse geben?

Gern, falls es jemanden interessiert.

Im Moment ist geplant, eine überarbeitete Neuauflage auf den Markt zu bringen. Die wird neue Bilder enthalten. Das hat auch damit zu tun, dass dieses Büchlein ja nicht geplant war. Wir haben im Freundes- und Bekanntenkreis immer mal wieder das eine oder andere Erlebnis aus London zum Besten gegeben und irgendwann hat der Verleger meiner Frau gesagt: Mensch, da machen wir ein Buch draus. Natürlich wollte ich es dann auch schnell haben, hatte aber nicht zu allen Geschichten passende Bilder. Ich war z.B. schon über 20 mal in London, habe aber feststellen müssen, das ich nicht ein einziges Foto vom Tower besaß! Und nun ist eine neue Auflage mit einigen neuen Bildern in Arbeit.

5. Bei meinen beiden Londonbesuchen hatte ich bisher nur positive Erlebnisse. Das lag zum einen an den grandiosen Londoner Sommern der letzten Jahre und zum anderen an den freundlichen Menschen, denen ich begegnet bin.

Hattest du während deiner Londonaufenthalte eigentlich je richtig „unliebsame“ Begegnungen/ Erlebnisse?

 Unliebsam würde ich nicht sagen. Eher unangenehme. Und die hatten interessanterweise alle mit deutschen Touristen zu tun. Eine davon ist ja auch in meinem Buch beschrieben …

6. Die Londoner U-Bahn. Viele schimpfen darüber, andere lieben sie. Ich gehöre zufällig zu letzterer Kategorie und fahre ziemlich gern U-Bahn, wenn ich in der Stadt bin. Bist du eher ein Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel der britischen Hauptstadt oder läufst du lieber? Sicher kommt es auf die Entfernung zum Ziel an, aber theoretisch gesprochen…?

 Ich gestehe, dass ich tatsächlich meistens zu Fuß unterwegs bin. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass ich viel mit der Kamera auf Achse bin. Ansonsten fahre ich sehr gern Bus, schon wegen all dem, was man da zu sehen kriegt. Die Tube nehme ich nur bei Zeitnot und langen Strecken.

7. Schnellantwort-Runde:

Sommer oder Winter? Herbst

Fliegen oder mit dem Zug reisen? Fliegen, das kommt meiner Ungeduld entgegen.

Englisches Frühstück oder Kontinentales Frühstück? Full english breakfast

Sherlock oder Watson? Holmes

Lieblingsbrücke in London/ warum? Die Albertbridge wegen ihrer unaufdringlichen Eleganz

Beliebteste historische Figur Englands? Shakespeare, falls er wirklich alles das geschrieben hat, was man ihm zuschreibt

Tower oder Royal Navy College Greenwich? Greenwich, wegen der vergleichsweisen Ruhe und dem wunderbaren Blick zur Isle of Dogs

Wenn es in London regnet, bin ich.… zu Hause

Drei Dinge, die du unbedingt nach London mitnimmst:…. meine Frau natürlich, Kamera, London A bis Z

3 Orte (außer London) an denen du gern leben würdest: …. südliches Devonshire, Orkneyinseln, Swansea

8. Samuel Johnson hat gesagt: “Sir, when a man is tired of London, he is tired of life; for there is in London all that life can afford.”

Gibt es einen Ausspruch (außer der wirklich wunderbaren Liebeserklärung von Harry Meyer im Roman deiner Frau), der deine Liebe und Begeisterung für die Stadt an der Themse auf den Punkt bringt? Oder wäre es eher ein Zusammenspiel von vielen Zitatteilen?

 „Endlich war ich also in London, und nichts machte mir mehr Spaß, als den ganzen Tag in meinem neuen Revier herumzuschlendern. London kam mir vor wie ein Haus mit fünftausend verschiedenen Zimmern; der ganze Reiz lag darin, zu entdecken, wie die Zimmer untereinander verbunden waren, und sie allmählich alle zu durchlaufen.“ (Hanif Kureishi)

An dieser Stelle noch einmal vielen lieben Dank und ich hoffe, die Fragen haben die Londonsehnsucht wieder geschürt 🙂 auf dass viele neue Erlebnisse, Eindrücke und Fotos den Weg in ein weiteres „Cockney, Cookies, Camden Market“ finden 🙂

~ Das erste Q & A: Patrick Hundt ~

TROMMELWIRBEL!!!!!


(Videoquelle: http://www.youtube.com/watch?v=NNaZedAWmlE)

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Heute ist es endlich soweit: das erste Q & A hat seine Premiere bei booksandmore81.

Mein erster Interviewpartner ist ein vielbeschäftigter junger Mann namens Patrick Hundt.

Vielleicht habt ihr schon von ihm gehört oder etwas von ihm gelesen. Das kann durchaus vorkommen, denn er bloggt auch.

Allerdings nicht über Bücher oder Filme, sondern über Reisen – und zwar auf 101places.de.

Dort berichtet er über seine Erlebnisse (kürzlich war er in Südafrika unterwegs) und gibt Tips und Anregungen für einen eigenen Besuch seiner Leserschaft an den jeweiligen Orten.

Dabei ist Patrick keine extrovertierte Persönlichkeit, wie man es vielleicht von Vielreisenden annehmen könnte, sondern ein eher introvertierter Mensch.

Weil er seine Leserschaft auch über diesen Charakterzug informieren möchte, betreibt er unter introvertiert.org noch einen weiteren Blog. Dieser bietet auch nicht-introvertierten Lesern gute Inhalte und regt zum Nachdenken über das eigene Selbst an.

 

Wieso habe ich Patrick gebeten, an dieser Q & A teilzunehmen?

Zum einen liebe ich ebenfalls das Reisen, komme nur seltener dazu und bin auch bei meinen Zielorten wählerisch. Zur Zeit könnte ich gerne längere Zeit in London verbringen – und mit etwas Glück bin ich in nächster Zeit auch für eine Weile in England. Abwarten.

Zum anderen bin ich selbst ein charakterlich ein „Zwischending“ zwischen introvertiert und extrovertiert. Und aus diesem Grund finde ich es auch sehr spannend und interessant, was Patrick mit seinen Blogs anbietet und wie er sein Leben lebt.

Patricks Reiseblog könnt ihr übrigens auch auf Facebook oder via Twitter folgen.

Übrigens hat der Spiegel auch vor einiger Zeit ein Interview mit ihm geführt.

***

So, genug geredet, ab zur Q & A:

Hallo Patrick, schön dass ich dich für das kurze Q&A gewinnen konnte.

Mein Blog beschäftigt sich ja nicht nur mit Büchern, sondern auch mit mehr. Aus diesem Grund werden die Fragen auch vielfältige Bereiche abdecken. Legen wir einfach gleich mal los 🙂

1. Als digitaler Nomade bist du fast das ganze Jahr über unterwegs. Gibt es Bücher (außer im ebook-Format), die du während deiner Reisen vermisst?

 Nein, ich hänge nicht so sehr an Büchern, selbst wenn ich sie mag. Bis auf ganz wenige Ausnahmen lese ich kein Buch zweimal, also vermisse ich sie auch nicht.

Unterwegs lese ich meistens eBooks, nehme aber auch auch jedes Mal zwei ungelesene Bücher mit. Unterwegs ist die Motivation groß, sie endlich zu lesen, weil ich sie mit mir herumtragen muss. Danach lasse ich sie z. B. in Hostels zurück.

 2. Du schreibst ja auch Backpacking-Ebooks (Thailand, Vietnam, Malaysia,…) und vertreibst diese über deinen Blog. Wenn du ein gedrucktes Buch über deine Erlebnisse schreiben würdest, was wären deine Highlights?

 Ich glaube das würde nicht passieren. Ich gebe nicht so viel auf Reiseberichte, und das sage ich als Reiseblogger. Ich schreibe lieber nützliche Informationen auf, das funktioniert für mich besser. Nützlich ist für mich vor allem, was kurz und präzise ist. Daher sind meine Backpacking-eBooks nicht besonders umfangreich.

 Aber wenn es um meine liebsten Reisen ginge, dann dürften sicher meine Erlebnisse aus Mexiko, Neuseeland oder auch mein USA Road Trip nicht fehlen. Daran erinnere ich mich immer gerne.

 3. Als digitaler Nomade, der noch dazu zu den introvertierten Menschen gehört, hat man sicherlich andere Reiseerfahrungen als ein extrovertiert Reisender. Was waren für dich die bewegendsten Momente auf deinen Reisen? Waren diese eher durch die jeweiligen Orte geprägt oder auch durch die Menschen, denen du begegnet bist?

 Beides. Ich lerne in jedem Fall weniger Menschen kennen als ein extrovertierter Reisender. Und meist ist es auch nur ein sehr kurzes Kennenlernen, da unterwegs alles schnell geht. Mit solchen Beziehungen kann ich wenig anfangen. Dennoch kommt es alle paar Monate einmal vor, dass ich Leute kennenlerne, an die ich mich sehr gern erinnere. Mit einigen wenigen bleibe ich in Kontakt.

 Die meisten schönen Erlebnisse sind jedoch durch das Umfeld geprägt: Die schöne Natur, ein besonderer Ausflug, ein Road Trip, ein paar Nächte im Zelt, ein schöner Ausblick oder ein gemütliches Café.

4. Hast du noch Orte, an die du gern reisen würdest bzw. die dich immer wieder beeindrucken und überraschen (auch wenn du z.B. schon einmal dort gewesen bist)?

 Ja, es gibt in jedem Fall Orte, die ich ein zweites und drittes Mal besuchen würde. Vor allem einige Großstädte haben es mir angetan und sind immer wieder für einen Abstecher gut, z. B. New York oder London.

Es gibt auch einige Länder, in die ich immer wieder reisen würde – auch, weil ich dort noch längst nicht alles gesehen habe. Dazu zählen die USA, Kanada, Mexiko und auch Neuseeland (obwohl ich dort bereits viel gesehen habe).

 5. Jetzt mal ein paar kurze Schnell-Antwort-Fragen. Schreib bitte einfach das Erste auf, was dir in den Sinn kommt.

 Lieblingsfilm: Inception (ich schaue aber lieber Serien)

Lieblingslied/ -melodie: Cold Desert von Kings of Leon (zumindest für lange Zeit in 2013)

Ort, an dem ich mich zu Hause fühle: Leipzig

Ich kann am besten abschalten, wenn… ich allein bin

Mein größtes Lebensziel ist es,… nichts zu bereuen

Träumen kann ich am besten… tagsüber

Wenn ich einen Wunsch hätte, wäre das: privat 😉

 6. Auch auf Reisen lesen viele Menschen die aktuellen Nachrichten. Welche Nachrichtenkategorien interessieren dich besonders?

 Ich muss zugeben, dass ich immer weniger Nachrichten lese, und das Reisen spielt dabei durchaus eine Rolle. Wenn ich für mehrere Monate im Ausland bin und alles von außen beobachten kann, fällt mir auf, wie belanglos die „Nachrichten“ sind. Und wenn über die Länder berichtet wird, in denen ich schon gewesen bin, merke ich auch, wie falsch und übertrieben vieles ist. Ich kann mich also für Nachrichten nicht allzu sehr begeistern.

 7. Fühlst du dich von eventuellen politischen Problemen in einem Land davon abgehalten, dieses zu besuchen?

 Das kommt auf die Art der Probleme an. Wenn irgendwo gerade die Regierung gestürzt wird und alles im Umbruch ist, dann muss ich da nicht unbedingt hin. Aber abgesehen davon lasse ich mich von negativen Meldungen nicht allzu sehr beeindrucken. Vor so vielen Ländern wird gewarnt, doch vor Ort ist alles ganz anders.

 8. Gibt es – von den ganzen Ländern und Orten, die du bereist hast – einen, der dir ganz besonders am Herzen liegt?

 Hm, vielleicht Oslo. Dort habe ich bisher die längste Zeit (im Ausland) verbracht. Vor einigen Jahren lernte ich dort die Sprache – heute verstehe ich sie jedoch kaum noch – und war Praktikant bei der Handelskammer. Ich habe noch zwei Freunde, die ich gern in Oslo und dem Umland besuche. Daher liegt mir die Stadt etwas mehr am Herzen als andere.

 9. Leipzig ist deine Heimatstadt (meine übrigens auch). Welchen Ort in der Stadt würdest du Besuchern ganz besonders empfehlen und aus welchem Grund?

 Ich bin ein großer Freund von Aussichtspunkten, weil ich gern das große Ganze sehe. Daher würde ich einem Besucher wohl den Aufstieg auf das Völkerschlachtdenkmal empfehlen.

 

Vielen Dank für deine Antworten und die Bereitschaft, mir Rede und Antwort zu stehen 🙂

 Gerne! Danke, dass Du mich gefragt hast.

***

Ich hoffe, euch hat diese erste kleine Q & A und das Gespräch mit Patrick gefallen.

Seid gespannt – und wie heißt es so schön in „Sherlock“: „To the very best of times“ 🙂