Alice Hoffman – „Practical Magic“

Viele von euch kennen den Film „Zauberhafte Schwestern“ mit Sandra Bullock und Nicole Kidman aus dem Jahr 1998. Vorab: ich liebe diesen Film – und nun hatte ich endlich die Zeit und die richtige Stimmung, um Alice Hoffmans literarische Vorlage zu genießen.

„For more than two hundred years, the Owens women have been blamed for everything that has gone wrong in town.“

(Alice Hoffman, Practical Magic, p. 3)

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Auffallend ist, dass der Film doch in vielen Teilen erheblich von der Buchversion abweicht – und das ist keine negative Sache – im Gegenteil. Ich zolle den Regisseuren und Bearbeitern der Buchvorlage großen Respekt, dass sie die Geschichte zu diesem wundervollen und geliebten Film so großartig umgearbeitet haben. Der Kern ist gleich geblieben: Sally, Gillian, die große Liebe, der Tod von Sallys Ehemann, die zwei Kinder und natürlich Gillians plötzlich toter Freund, der die beiden auch aus dem Grab heraus heimsucht.

„Those people who warn you that you can’t run away because your past will track you down may be right on target. Sally looks out the front window. There on the porch is the girl who could get into more trouble than anyone, all grown up. It’s been too many years, it’s been an eternity, but Gillian is as beautiful as ever, only dusty and jittery and so weak in the knees that when Sally throws open the door, Gillian has to lean against the brick wall for support.“

(Alice Hoffman, Practical Magic, p. 67)

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Ein schöner Nebeneffekt der ursprünglichen Buchgeschichte ist, dass man endlich auch mal ein wenig mehr über den von Nicole Kidman gespielten Charakter Gillian erfährt. In der Filmversion ist es sie, die das Problem sozusagen mit nach Hause bringt und letztendlich doch Single bleibt, während Sally (gespielt von Sandra Bullock) ihre Liebe findet. Die Buchversion ist hier etwas gnädiger zu Gillian und Alice Hoffman hat ihrem Charakter auch eine glückliche Liebesbeziehung verschafft. Die Schritte auf dem Weg zum Glück für Gillian und Ben wurden von der Autorin wunderbar leicht geschrieben und passen sich perfekt der Handlung der Geschichte an. Und außerdem wäre es doch schade, wenn Gillian ohne Happy-End bliebe, oder?

„Gillian wrinkles her nose. ‚Anyway, it wasn’t luck.‘

Kylie rolls onto her stomach so she can study her aunt’s dreamy face. ‚Then what was it?‘

‚Destiny.‘ Gillian closes her biology textbook. She has the best smile in the world, Kylie will certainly grant her that. ‚Fate.'“

(Alice Hoffman, Practical Magic, p. 161)

Natürlich kommen auch die Tanten im Buch nicht zu kurz, obwohl natürlich ihre Beschreibung nicht an die Filmversion herankommt. Kann natürlich auch sein, dass ich diesbezüglich etwas „vorbelastet“ bin, da ich den Film zuerst gesehen habe, bevor ich das Buch las. Und natürlich waren Stockard Channing und Diane Wiest in ihren Rollen so fantastisch, dass man immer ihre Erscheinung im Blick haben wird, wenn man einmal beide Versionen gesehen bzw. gelesen hat.

„The Aunts are so old it’s impossible to tell their age. Their hair is white and their spines are crooked. They wear long black skirts and laced leather boots. Though they haven’t left Massachusetts in more than forty years, they’re certainly not intimidated by travel. Or by anything else, for that matter. They know what they want and they’re not afraid to be outspoken, which is why they pay no attention to the other passenger’s complaints, and continue to direct the driver on how to place the larger suitcase on the curb carefully.“

(Alice Hoffman, Practical Magic, p. 248)

 

Alice Hoffman ist eine wunderbare Autorin, die es schafft, ihre Leser in ihre Buchwelten zu ziehen und es uns Lesern erlaubt, uns ein wenig in ihren Welten zu verlieren, mit ihren Charakteren zu fühlen und zu erleben.

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Ich werde die Geschichte der Owens-Familie noch weiter verfolgen – welche Jahreszeit wäre dazu besser geeignet als der Herbst. Derzeit lese ich gerade die Geschichte von den Tanten – Franny und Jet, die Alice Hoffman in „The Rules of Magic“ erzählt. Danach folgt noch „Magic Lessons„, die Geschichte von Maria Owens, die Vorfahrin von Sally und Gillian, die einst den „Familienfluch“ erschuf.


Kennt ihr die Bücher von Alice Hoffman? Wenn ja, welche habt ihr schon gelesen und wie war eure Leseerfahrung?

„Im Netz“ – Wenn dir dein Leben nicht mehr gehört…

Identitätsklau im Internet ist keine Seltenheit und es sind mehr Menschen davon betroffen, als man denkt.

Nun hat die ARD einen Film ausgestrahlt, der spannend und beängstigend zeigt, was passieren kann, wenn man in ein solches Szenario gelangt.

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Juliane Schubert und ihr Freund werden mitten in der Nacht von einem Sondereinsatzkommando unsanft aus dem Bett geworfen und zur Vernehmung aufs Polizeirevier gebracht. Anklage: Mittäterschaft bei terroristischen Aktivitäten.

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Dabei könnte Julianes Leben normaler nicht sein – eine schöne Wohnung, ein Freund und ein Job als Wirtschaftsberaterin.

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Nachdem sie zwei Tage bei der Polizei festgehalten wird, fängt sie an, ihr Umfeld genau zu beobachten.

Noch aufmerksamer wird sie, als der Begriff „Identitätsklau“ fällt und Juliane erfährt, dass wahrscheinlich jemand ihre Identität übernommen hat. Hierunter fallen ihre Post, Sendungen, die über ihren Namen laufen und die Geschäfte über ihr Online-Banking-Konto. Die erschütterte Juliane wittert nun hinter jedem Menschen einen potentiellen Täter und verdächtigt sogar einen kürzlich zugezogenen Mieter des Hauses gegenüber…

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Alles wird für sie noch schlimmer, da sie nicht das Gefühl hat, die Beamten der Polizei oder des Verfassungsschutzes würden ihr helfen. Sie kann nicht mehr reisen, ihr Konto ist gesperrt (und später leer geräumt) und sie bekommt Blumen, die angeblich von ihr selbst bestellt worden… und sie verliert ihren Job…

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Und als sie sich hilfesuchend an den ehemals verdächtigten Mieter wendet, wird es für sie noch gefährlicher…

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Die Schauspieler, allen voran Caroline Peters überzeugen in ihrem Spiel und durch ihre gute Arbeit werden die durchlebten Situationen greifbar und wirken auch noch nach dem Film nach.

FAZIT:

Dieser Film fesselt. Ist Brisant. Aktuell. Und erschreckend augenöffnend.

Ein wenig erinnert er an „The Net“ mit Sandra Bullock als Angela Bennet  aus dem Jahre 1995. Übrigens gab es 2006 einen Nachfolgefilm mit dem Titel „Das Netz 2.0“.

Diese Filme sind alle schon einige Jahre alt – und dennoch ist ihr Thema so aktuell wie nie.

Auch in dieser Produktion wird deutlich, dass jeder von uns ausspionierbar ist und im Grunde keine totale Kontrolle über seine Daten hat. Man gibt unbewusst immer mehr preis, als man eigentlich will…

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DIESER FILM IST UNBEDINGT SEHENSWERT!!!

INFORMATIONEN ZUM FILM gibt es hier und hier auf der ARD-Seite zum Thema, wo auch umfangreiche Informationen zum Thema „Identitätsklau“ zu finden sind, so auch die Doku, die im Anschluss lief.

Wenn eine Mutter zu sehr liebt: „Sanfte Gewalt“ (orig. „Loverboy“)

Es ist schön zu sehen, wenn eine Mutter ihr Kind liebt. Meistens…

Es ist eine Geschichte, basierend auf einem Roman. Es geht um eine Mutter. Es geht um ihren Sohn. Ihre Beziehung zueinander.

Es ist die Geschichte von einer Frau, die in ihren Kindheitstagen nicht viel Liebe erfahren hat.

Sie braucht die Liebe zu ihrem Sohn.

Diese Liebe ist unerschütterlich, aber auch besitzergreifend.

Es ist die Geschichte von Emily und Paul…

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Emily wächst als junges Mädchen mit Eltern auf, die sich lieber um ihre eigene Liebe zueinander als um das junge Mädchen kümmern.

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Diesen Schmerz, der ihr in jungen Jahren auf seelischer Ebene zugefügt wurde, versucht Emily in späteren Jahren zu kompensieren. Sie will ein Kind. Jemanden, der sie bedingungslos liebt, und den sie bedingungslos lieben kann.

Natürlich will die junge Frau nicht unbedingt einen Mann dazu, also versucht sie ihr Glück mit Spermaspenden aus dem Krankenhaus und mit zahlreichen One-Night-Stands in verschiedenen Städten… eine Zeit lang passiert gar nichts – dann wird Emily schwanger…

Doch das Glück ist nicht mit ihr – sie verliert das Kind – und versucht es nach einiger Zeit weiter. So lange, bis es klappt – und sie endlich ihren Sohn Paul im Arm halten kann.

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Sie zieht in ein neues Haus und kümmert sich rührend um ihren kleinen Sohn. Sie erzählt ihm Geschichten und lehrt in, das Schöne in der Welt zu sehen und neugierig zu sein.

Allerdings hat dieses schöne Leben auch eine dunkle Seite: Emily will auf jeden Fall verhindern, dass sie von ihrem Kind verlassen wird. Und so schottet sie ihn von allen möglichen Einflüssen der Aussenwelt ab.

In ihrer Furcht und Paranoia geht sie sogar soweit, ein Vögelchen, dass sie gefunden und in einem Karton aufgenommen haben, als Feind anzusehen und zu töten – nur damit Paul (den sie am liebsten „Loverboy“ nennt) keine anderen Beziehungspunkte außer ihr hat.

Bildquelle: http://outnow.ch/Media/Movies/Bilder/2005/Loverboy/movie.fs/03.jpg

Wenn sie Fremde treffen, gibt sie sich nach außen freundlich und sucht innerlich nach einer Methode, den Fremden auszuweichen, damit sie wieder mit ihrem Sohn allein ist und sich niemand zwischen sie drängen kann.

Wenn sie allein sind, ist Emily ihrem Sohn eine wundervolle Mutter, die ihn kreativ sein lässt und viel mit ihm unternimmt.

Bildquelle: http://outnow.ch/Media/Movies/Bilder/2005/Loverboy/movie.fs/02.jpg

Ihre Erfahrungen aus der eigenen Kindheit haben sie jedoch zu einer übereifrigen Mutter werden lassen, die keinen Freiraum zulässt für die sozialen Entwicklungsmöglichkeiten ihres Kindes.

Als Paul darauf besteht, in die Schule gehen zu wollen, sieht sich Emily dem nächsten Problem ausgesetzt – andere Schüler, die ihn beeinflussen könnten – und: Lehrer, die versuchen wollen, die Kinder alle „gleichförmig“ zu machen und die Individualität und Stärke von Paul nicht zu schätzen wissen…

Sie trifft eine folgenschwere Entscheidung.

 

FAZIT

Dieser Film fesselt.

Er besticht durch seine Erzählsprache, ist mit Rückblicken in Emilys Kindheit garniert und gibt Einblicke in das Wesen einer Mutter, die unter allen Umständen ihr Kind schützen will.

Brilliant an dem Film ist auch seine Besetzung. Kyra Sedgwick als Emily ist sehr überzeugend und liefert eine glaubhafte und wunderbare Darstellung. Auch ihr Ehemann, Kevin Bacon, der den Film auch produzierte und Regie führte, spielt seine Rolle als Emilys Vater in den zeitlichen Rückblicken sehr überzeugend. Seine „On-Screen-Chemistry“ mit Marisa Tomei (als Emilys Mutter) ist einfach toll und man sieht ihnen ihren Spaß beim Dreh förmlich an.

Auch die Tochter der beiden ist im Film zu sehen – als junge Emily – und ebenso beeindruckend.

Als Bonus auf der DVD gibt es übrigens das Making-Of des Films, sowie Informationen zu den Schauspielern und Fotos sowie Trailer zu anderen Filmen.

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Eine gute Beschreibung des Filminhalts findet ihr hier.

Der Film ist nicht nur mit Familienmitgliedern der Bacons besetzt – auch Sandra Bullock ist in einer wichtigen Nebenrolle als Mrs. Harker zu sehen – eine Frau, die die junge Emily inspiriert hat und der sie sich nahe fühlte – bis auch diese sie verließ und wegzog.

Einen guten Filmtrailer findet ihr hier.

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Ich würde mich freuen, wenn ihr diesem Film eine Chance geben würdet und ihn für 84 Minuten Teil eures Lebens werden lasst.

 

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Die Literaturvorlage stammt übrigens von Victoria Redel und heisst ebenfalls „Loverboy“.